Unsere Route: Stand 26. September 2021

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Unterwegs seit:  109 Tagen
Gefahrene km:   11’200 km

Strecke vom 09. Juni – 19. Juli
Strecke vom 19. Juli – 24. August
Strecke vom 24. August – 15. September
Strecke vom 15. September – 26. September

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09. – 12. Juli: Männedorf – Figueres

Ersterfassung: 14.06.2021Letztes Update: 07.09.2021

Das Wichtigste in Kürze:
Endlich ist es warm. Nach dem kalten Monat Mai in der Schweiz eine echte Wohltat. Hannibal muss in die Garage um seine Klimaanlage reparieren zu lassen. Wir geniesse zum ersten Mal die spanische Gastronomie.

Dienstag 09. Juni
Wetter: Regnerisch, Temperatur um 17°C

Morgen um 08:30 Uhr werden wir uns auf dem Weg zum Fabrizio’s Hausarzt machen. Ein PCR-Test (Danke Felix für den Hinweis!) ist für uns beide fällig. Nur so kommen wir durch Frankreich durch. Spanien verlangt zur Zeit nur ein Antigen-Test. 

Wir werden danach bis Genf fahren und dort bei Sabine’s Schwester die Laborresultate abwarten. Sollte alles Ok sein, erwartet uns Donnerstag eine lange Strecke bis an der spanischen Grenzen. 

Was das morgige Wetter anbelangt … könnte sich locker an desjenigen der letztjährigen Island-Reise einreihen. Wir hoffen, dies ist kein schlechtes Omen!

Samstag 12. Juni, Figuères
Wetter: Warm und Sonnig, Temperatur um 27°C

Nach einer knapp 1000 km langen Fahrt sind wir in Spanien angekommen. Im Camping Masnou, ca. 10 km südlich von Figuères, werden wir die nächsten 3 Tage verbringen, versuchen, in den «Ferienmodus» umzuschalten, unsere Gedanken neu zu ordnen und das erarbeitete Roadbook zu studieren.

Die letzten Tage in der Schweiz waren von Hektik geprägt: die schier unendliche Prozedur des „Befüllen“ unseres Hannibal, Erhalten der zweiten Covid-Impfung (sie zu überleben …. wir haben glücklicherweise nur sehr milde Nachwirkungen), Durchführen eines CPR-Tests, sodass wir innerhalb 72 Stunden die spanische Grenze überqueren dürfen (es gab jedoch keine Kontrolle!!).

Mittwochmorgen Punkt 08:30 drehen wir die Zündschlüssel und Hannibal fängt an zu surren … eher zu „röhren“ wie ein brünstiger Hirsch. Wir fahren zuerst zu Fabrizio’s Hausarzt, führen den CPR-Test durch (die Resultate bekommen wir überraschend schon am gleichem Nachmittag … wir sind beide „negativ“).

Auf dem Weg in Richtung Süden, statten wir Sabine’s Schwester und ihrem Freund in Genf einen Besuch ab, verbringen einen gemütlichen Abend in einem libanesischen Restaurant und übernachten im wunderbaren TCS-Campingplatz in Vésenaz. Genf ist bereits im Ausnahmezustand, da Biden und Puntin sich in wenigen Tage hier treffen werden. Von den Ladeflächen einer langen Kolonne von Armeelastwagen werden unzähligen Rollen von Stacheldraht abgeladen. Am nächsten Wochenende werden sich hier ohne spezielle Genehmigung nicht einmal die Ameisen frei bewegen können.

Wir kommen mit Mühe aus Genf heraus. Zurzeit gibt es in der Stadt mehr Baustellen als Fliegen. Als Kompensation erhalten wir nach der F-Grenze fast leere Autobahnen. Nicht das diese Situation uns Vorteile bescheren würde, wir können max. mit 90 km/h dahintuckern … aber der wenige Verkehr erlaubt uns, das schöne Panorama der Bergen der Haute-Savoie zu geniessen. Und … wer hätte das gedacht, die Franzosen fahren «gemütlicher» als die Deutschen (s. unser Tagebuch aus der Islandreise 2020). Sie sind weniger aufsässig und das Drängeln bleibt im Rahmen.

Endlich ist es warm. Nach dem kalten Monat Mai eine echte Wohltat. Ups … die erste Unannehmlichkeit ist aufgetaucht! Hannibal’s Klimaanlage hat entschieden, selber in die Ferien zu reisen und hat sich verabschiedet. Keine gemütliche Situation in Angesicht der uns in Spanien erwartenden Temperaturen.

Als wir um 16:30 Nimes erreichen, hätte man in der Fahrerkabine Brot backen können. Höchste Zeit, ein Platz für die Nacht zu finden. Der schöne am Hügel gelegene «Camping Mer et Camargue» macht für uns die Tore auf.  Auf der Restaurant-Terrasse mit einem wunderbaren Weitblick auf die bereits von der sengenden Sonne ausgetrocknete Landschaft, genehmigen wir uns ein kaltes Bier und einen köstlichen Dreigänger.

Eine tropische Nacht liegt hinter uns. Nur noch ca. 240km bis zur spanischen Grenze. Sabine macht sich auf die Suche nach einer Toyota-Werkstatt in Figuères. Sie wird fündig. «Maps.me» führt uns kurz vor 13:00, nicht ohne vorher alle Umwege der Region zu erkunden (typisch für diese Applikation), dorthin. Als Fabrizio sich bei der Fahrzeugannahme meldet, ist die erste Reaktion der Toyota-Angestellten «tut mir leid! Heute geht es nicht. Vielleicht nächsten Montag oder Dienstag … und Sie müssen das Fahrzeug den ganzen Tag hierlassen». «Na ja …» dachten wir. Wir haben Zeit. Als wir im Begriff sind, die Auftragsbestätigung für die Reparatur der Klimaanlage zu unterschreiben, sagt uns der Leiter der Werkstatt aus dem blauen Himmel heraus «wir machen es heute Nachmittag. Kommen Sie wieder um 17:00 vorbei». Wir frohlocken! Bereits eineinhalb Stunden vorher ist Hannibal wieder fit. Es war die Kühlflüssigkeit, die aus den Leitungen entwichen ist. Aus dem Backofen wird die Fahrerkabine einer Eisdiele. Wunderbar.

Die verlängerte «Mittagspause» verbringen wir im schicken Restaurant «El Pa Volador» – mangels Alternativen. Das ehemalige Gehöft aus dem 16. Jahrhundert ist von aussen eindrücklich, die Bedienung im Restaurant ruppig, der Dreigänger köstlich und die Preise für die Lokalität bescheiden (40 EURO für uns zwei für das Menu, je ein Glas Wein, Wasser und Kaffee).

15. – 27. Juni: Figueres – Montagut – Camprodon – Figueres

Ersterfassung: 29.06.2021Letztes Update: 07.09.2021

Das Wichtigste in Kürze:
Wir versuchen in Empuriabrava vergeblich Geld zu wechseln und machen uns bereit, mit Hannibal den ersten Track quer durch den „Parc Natural de l’Albera“ unter die Räder zu nehmen. Wir treffen auf Tom, ein Hüne aus Friesland, der mit seinen 70 Lenzen so aussieht als wäre er Mitte Fünfzig und auf Christina, die mit ihrem breiten Lächeln Freundlichkeit ausstrahlt. Wir besuchen diverse mittelalterliche Dörfer in der Umgebung und kommen nach knapp einer Woche infolge schlechtem Wetter wieder nach Figueres zurück.

15. Juni, Figueres – Besalù
Wetter: Warm und gewittrig bei 30°C

Wir lassen Figueres nach drei Tagen hinter uns. Es waren drei gemütliche Tage. Bremsen und herunterfahren war die Devise … was uns einigermassen gelungen ist. Auf dem Campingplatz ist nicht viel los … ausser der leutseligen spanischen Familie, die auf der anderen Seite der grünen Hecke, ihre Zelte aufgeschlagen hat. Mensch sind sie laut. Generell fällt uns auf, wie hier in Spanien die Menschen laut miteinander kommunizieren … bis spät in die Nacht. Spanier scheinen auch eine Vorliebe für Hunde zu hegen. Auf dem Campingplatz kam es uns vor, als wären wir inmitten eines nationalen Hundetreffens: Vom Chihuahua quer durch sämtliche Trottoirmischungen bis zum deutschen Schäferhund gibt es alles zu bestaunen, was die Hundewelt zu bieten hat.

Wir nehmen uns Zeit unserem Ferienhobby – nämlich dem Beobachten von Anderen – nachzugehen. «Mich trifft der Schlag» kommt uns spontan von den Lippen, als wir am Zeltplatz eines Rentnerpaares aus Holland vorbeikommen: Vom Gartenzwerg bis zum 300l Kühlschrank ist alles dabei, was in einem durchschnittlichen Haushalt anzutreffen ist (vielleicht die Gartenzwerge ausgenommen!). Die gesamte ihnen zur Verfügung stehende Fläche ist zugestellt mit Gegenständen und Möbeln. Ja … so kann man auch Ferien verbringen.

Quer gegenüber von unserer Parzelle ist der Wohnwagen von Tom und Christina. Tom, braun gebrannt mit straffer Haut, ein Hüne aus Friesland, der mit seinen 70 Lenzen so aussieht als wäre er Mitte Fünfzig (er verrät uns, dass er in jungen Jahren viel Sport getrieben hat: Kniebeugen, Kreuzheben und Bankdrücken) und Christina, die mit ihrem breiten Lächeln Freundlichkeit ausstrahlt. Beide sind seit 9 Monaten in Spanien und befinden sich gerate auf dem Rückweg nach Deutschland.

Wir verlassen Figueres am Montagmorgen. Versuchen in Empuriabrava vergeblich Geld zu wechseln und machen uns bereit, mit Hannibal den ersten Track quer durch den Parc Natural de l’Albera unter die Räder zu nehmen. Die Fahrt führt uns zuerst über geteerte Strasse nach La Jonquera. Auf dem Weg dorthin beobachten wir (nicht ohne Überraschung) am Strassenrand unter der sengenden Sonne junge Frauen mit Tangaslip, Büstenhalter und Highheels «bekleidet» auf Kundschaft warten. Das Rätsel ist schnell gelüftet. La Jonquera scheint eine wichtige Drehscheibe für den Fernverkehr zu sein. Hier stauen sich unzählige Lastwagen, die von oder nach Frankreich unterwegs sind. Die Nachfrage nach «Abwechselung» scheint hier gross zu sein. Von La Jonquera aus bewegen wir uns in Richtung Cantallops, von wo die geteerte Strasse in eine Schotterpiste übergeht. Erstes Highlight: das Castell de Requenses: eine majestätische Burg, die für das Publikum leider geschlossen ist. Sie soll dem Film «Das Parfüm» als Kulisse gedient haben. Kurz danach reffen wir auf eine Truppe spanischer Soldaten und Soldatinnen, die zu Fuss an einer Militärübung teilnehmen und auf uns einen erschöpften Eindruck machen – kein Wunder bei dieser brütenden Hitze. Kurz darauf werden wir von einer vorbeifahrenden Patrouille freundlich aufgefordert, die Umgebung zu verlassen.

Wir entscheiden uns spontan, nach Besalu zu fahren, um schneller in die kühlen Berge mit etwas angenehmeren Temperaturen zu gelangen.

Besalu, eine hübsche mittelalterliche Stadt, begrüsst uns mit seiner imponierenden und mit Türmen bewehrten romanischen Brücke – eine Augenweide. Im brütend warmen Zentrum drücken sich die wenigen mit einer Maske vermummten Touristen entlang der Schatten spendenden Häuserzeilen.  Viele Geschäfte und Restaurants sind geschlossen – ist dies, weil Montag ist oder weil die Pandemie ihre Spuren hinterlassen hat? Mit Mühe finden wir am Placa de Sant Pere ein Restaurant, in dem wir unsere Körpertemperatur mit einem Café Helado con Leche herunterkühlen können – was für eine Wohltat! Die Hitze lässt eine gründliche Erkundung der Stadt nicht zu. Wir fahren zum ausserhalb im Wald gelegenen Campingplatz! Ausser ein paar Stammgästen mit Hunden, einem Schweizer und einem deutschen Paar ist der Platz leer, ebenso der Swimmingpool. Das Restaurant ist geschlossen und auch der Minimarket. Eine beklemmende Atmosphäre! Dennoch bleiben wir. Wir sind zu erschöpft.

Fazit: Wir müssen noch mehr entschleunigen und den Lifestyle der Einheimischen annehmen: Körperliche Aktivitäten sind auf die kühlen Morgenstunden bzw. auf den Abend zu verlegen. Die Mittagszeit verbringt man am besten mit Speis und Trank.

16. Juni, Santa Pau
Wetter: Warm und gewittrig bei 32°C

Obige Erkenntnis haben wir heute gleich umgesetzt. Nach dem Besuch des Weilers Dosquers, der aus einer Hand voll Häusern und einer Kirche besteht – die nicht besucht werden können, private property – fahren wir weiter nach Santa Pau, einem malerischen, mittelalterlichen Ort. Mit uns irren nur ein paar weitere verlorene Seelen durch die engen Gassen und wandeln unter den «Lauben» an der Plaça Major hindurch. Wir setzten uns an der Plaça in das einzig offene Café. Was für eine Enttäuschung, dabei wollten wir hier die Hitzestunden des Tages im Gourmettempel «Cal Sastre» verbringen. Die kleine Speisekarte des Cafés ist für uns keine Alternative, zumal wir uns in den letzten Tagen vor allem von Tomaten, Gurken und Frischkäse ernährt haben.

So fahren wir auch auf Anraten der Bedienung aus dem Städtchen hinaus Richtung Olot, wo es an der Hauptstrasse mehrere Restaurants geben soll. Nach ca. 7 km werden wir im Hostal Dels Ossos fündig. Knapp 50 Euro für zwei kostet das schmackhafte und üppige Menu in Begleitung einer Flasche Weisswein, Wasser und Kaffee. Nach einem knackigen gemischten Salat werden zwei enorme Servierplatten mit weissen Bohnen und Cicerones (frittierte Schweinehaut) sowie Maccarons (Penne lisce) an einem Hackfleischsugo aufgetischt, worauf die Hauptspeise «Schweinshaxen» an einer deftigen Gemüsesauce folgen. Was für ein Missverständnis: Anstelle von Haxen bekommen wir Füsse. Auf Nachbarn’s Tellern waren eben keine Haxen sondern … was lecker aussieht, bekommt nicht immer unserem Gaumen. Währendem unsere Nachbarn aufassen, war die Spezialität des Hauses für uns zu gewöhnungsbedürftig. Unsere Teller blieben mit einem Haufen aus Knochen und Fett zurück.

Um 16.00 Uhr machen wir uns auf die Suche nach unserem Lager für die Nacht. Zum Glück ist der nächste Zeltplatz nicht weit entfernt. Fabrizio benötigt dringend ein Verdauungsschläfchen in der Hängematte und ich eine Dusche. Nach einer halben Stunde Entspannung werden wir von einem kühlenden Platzregen überrascht und flüchten in den uns gerne aufnehmenden Bauch von Hannibal. Nach einem entspannten Abend, den wir allein auf dem Zeltplatz mit Schreiben und Lesen verbringen, ist nun Zeit, uns für den wohlverdienten Schlaf wiederum in Hannibal’s Innere zurückzuziehen.

Die erste Wanderung steht uns heute bevor. Von Santa Pau aus wandern wir zur einsamen Kirche von «Santa Maria de Finestres». Eine Wanderung von knapp 4.5h durch dunkelgrüne Eichenwälder, die wie ein Teppich die Berge rund um Santa Pau bedecken. Wir geniessen den Schatten, den die Bäume uns spenden. Es ist angenehm kühl, der Weg jedoch, relativ steil. Um die Mittagszeit erreichen wir die Kirche. Sie wurde auf einem Felsenvorsprung errichtet. Was für ein Panorama! Die Luft ist klar und die Sicht reicht bis zum Horizont.

Der Abstieg stellt die Standfestigkeit unserer Knie unter Probe. Diese erste «Prüfung» meistern wir mit Bravour. Leicht ermüdet genehmigen wir uns am späten Nachmittag ein «Cortado con lece y hielo» auf der Terrasse eines Hostals in Zentrum von Santa Pau.

Donnerstag/Freitag, 17./18. Juni: Montagut
Wetter: Warm und schwül bei 27°C

Nach Santa Pau entscheiden wir uns, das Dorf Sadernes zu besuchen. Es liegt abgeschieden am Ende einer schmalen Strasse in einem Wald. Es ist ein beliebter Touristenort und wird in Sommer regelrecht von Besuchern überrannt. Als wir dort ankommen ist der einzige Campingplatz noch geschlossen. «Wir machen erst nächste Woche auf» sagt uns der Campingbesitzer. Schade! Wir fahren zurück nach Montagut und reservieren im dortigen Campingplatz (schön, grosszügig angelegt und sauber) 3 Nächte. Morgen planen wir, nach den heutigen Strapazen, einen Ruhetag ein.  Übermorgen beabsichtigen wir eine Wanderung entlang des Flusses llerca bis zur Kirche von «Sant Aniol d’Aguja». Es wird eine unvergessliche, wunderbare Wanderung. Sie führt durch Eichenwälder dem Fluss llerca entlang, der sich durch das Kalkgestein in die Tiefe «gefräst» hat, von wo uns zusätzlich frische Luft erreicht. Horden von Kletterern messen ihre Fähigkeiten an den steilen Wänden dieser breiten Schlucht.

Kurz vor Mittag erreichen wir die Kirche von Sant Aniol d’Aguja. Sie ist inmitten einer Lichtung errichtet worden und strahlt eine unheimliche Ruhe aus. Wir gönnen uns im Schutz einer grossen Eiche unser wohlverdientes Mittagessen: frisches Brot, Käse, Wurst und als Nachspeise ein Apfel. Gesund muss es sein!

Ach … wir hätten es fast vergessen: Fabrizio tötet, kurz bevor wir die Kirche von Sant Aniol d’Aguja erreichten, unabsichtlich eine Viper. Die Schlange liegt in der Mitte des Wanderweges (gut getarnt von den ausgetrockneten Baumblättern) und versucht eine Kröte hinunterzuschlingen (die sie offensichtlich kurz zuvor getötet hat) als sie Fabrizio, abgelenkt vom Lesen des GPS-Geräts, mit einem Wanderstock aufspiesst. Wir wissen nicht, ob sie schlussendlich auch tatsächlich gestorben ist: denn nachdem die Viper die Kröte wieder ausgewürgt hat, bewegte sie sich nicht mehr.

Samstag/Sonntag, 19./20. Juni: Montagut – Camprodon
Wetter: Sonnig bei 22°C, es wird bald in Kübel regnen

Ziel des heutigen Tags ist die Fahrt nach Beget über Rocabruna bis nach CamprodonBeget wird als eines der schönsten Bergdörfer Spaniens angepriesen. Nicht zu Unrecht. Die Steinhäuser sind wunderbar renoviert und alle in Steinwurfweite um die Dorfkirche platziert. Parkieren müssen wir ausserhalb des Dorfkerns. An der Anzahl Parkplätze gemessen, müssen hier in Sommer Horden von Besuchern das Dorf überfallen. Wir schlendern durch di engen und steilen Gassen bis sich unser Magen bemerkbar macht. Hunger macht sich breit. Im «Can Jeroni», einem modern eingerichteten Restaurant, werden wir mit «im Ofen geschmortem Gemüse» und «gemischtem Salat mit grilliertem Schafskäse» als Vorspeise und «Kaninchen mit Ratatouille» und «Poulet mit gedörrten Aprikosen» als Hauptspeise verwöhnt. Alles schmeckt vorzüglich.

Satt und zufrieden kurven wir mit Hannibal bis Camprodon. Ein dunkler Himmel heisst uns willkommen und verspricht nichts Gutes für die kommende Nacht. In Sant Pau de Segúries finden wir im überfüllten Campingplatz noch eine letzte Parzelle. Im Wald versteckt sind hier unzählige Wohnwagen mit angebautem Holzhaus oder Zelt dicht an dicht nebeneinander aufgereiht. Sie sind bis zu den Achsen im Boden eingegraben und von einer dicken Schicht verrotteter Blätter sowie feuchtem Moos umgeben, was darauf hinweist, dass sie wohl seit langer Zeit nicht mehr bewegt worden sind. Es sind die Zweitbehausungen von Spaniern, die an den Wochenenden, die überhitzten Städte fluchtartig verlassen, um hier die wohlersehnte Kühle zu geniessen. Kühl ist es allerding … aber auch sehr feucht. Auf uns wirkt diese Ansammlung von verstaubten Wohnwagen eher wie ein Autofriedhof als wie ein Campingplatz. Es hat etwas Morbides in sich … etwa … wie ein in der Natur zerfallendes Lebewesen. Es riecht auch danach … oder bilden wir uns diesen Modergeruch nur ein? Die sanitären Anlagen sind (ohne Scherz) die besten, die wir bis jetzt getroffen haben. Sauber, grosszügig angelegt und die Duschen …. mmmm … mit einer «Regenbrause» versehen … einfach spektakulär. So kann man sich täuschen!

Kurz nach Sonnenuntergang fängt es an zu regnen. Er wird uns mit Unterbrüchen die ganze Nacht begleiten. Am Morgen fegen in regelmässigen Abständen Gewitterzellen (mit Donner, Blitz und starkem Wind) über den Campingplatz. Die Bäume wanken wie Betrunkene hin und her. Gegen Mittag ist der Spuck vorbei. Der Himmel klärt sich auf und wir befreien Hannibal von einer dicken Blätterschicht, die ihn wie eine Decke umhüllt.

Was tun mit dem Rest des Tages? Wetterprognosen anschauen ist angesagt. Es kommt Nichts Gutes auf uns zu… S…sse. Die kommende Woche wird es in den Bergen nur noch regnen. Keine optimalen Voraussetzungen, um Offroad zu fahren. Die Pisten sind zwar ok, aber man hätte keine Sicht auf die wunderbare hochalpine Landschaft. Was nun? Bleiben wir in der Region? Suchen wir uns einen Alternativweg? Nach langem Abwägen und unzähligen Gesprächen entscheiden wir uns, wieder nach Figueres zu fahren, das ca. 80 km entfernt liegt, und … für welches die Wettergötter für den Rest der Woche Sonne vorgesehen haben. Alles andere wäre nur ein Erzwingen … und dies kommt bei uns meistens nicht gut heraus.

Um 16.00 Uhr nach einem ausladenden Mittagessen überwinden wir uns und machen uns auf die knapp vierstündige Wanderung der Via Romana del Capsacosta. Diese Strasse der alten Römer, die durch dichte Wälder führt, beeindruckt uns mit ihrer Baukunst. Nach 1’500 – 2’000 Jahren sind immer noch weite Strecken gut erhalten, vor allem die sogenannten Kehrplätze (Spitzkehren) sind noch voll in Takt. Mit ihnen konnten sie Höhenunterschiede bis zu 16m überwinden.

Montag, 21. Juni  –  Sonntag, 27. Juni: Figueres – Camping Mas Nou in Castello d’Empuries
Wetter: freundlich bei schwülen 25 – 30°C

Voller Neugierde fahren wir nach l’Hostalnou de Bianya (364m ü. Meer). Nichts deutet in diesem Kaff, das aus einem Wursthersteller, einem Konferenzzentrum und einem Restaurant besteht, auf die uns erwartenden Kulturgüter – die in den dichten Wäldern des Hausberges verstreut sind – hin. Zuerst schlendern wir entlang einer guten Nebenstrasse zu einem ehemaligen Kloster, das in ein Hotel umfunktioniert wurde – vorher erwartet uns jedoch eine andere Attraktion: ein sich über die Strasse schlängelndes Reptil, von Fabrizio in Windeseile mit seinem Handy dokumentiert.

Die Natur scheint hier noch einigermassen in Ordnung zu sein – Nach dem Kloster führt ein steiler Bergpfad vorbei an Quellen zum eigentlichen Highlight: der romanischen Kirche Sant Miquel del Mont (793m ü. Meer). Der Ausblick ist atemberaubend! Allerding verfügen wir nach diesem mörderischen Anstieg kaum noch über Puste. Erst nachdem wir den in Bächen fliessenden Schweiss abgewischt und uns mit einem Apfel sowie Müeslistengel gestärkt haben, können wir die Aussicht über die Pyrenäen (den Bassagoda, el Monte …) und die Garrotxa in vollen Zügen geniessen.

Beim Abstieg begegnen wir einem verlassenen Schloss, weiteren Quellfassungen sowie einem wunderbar in Stand gestellten Herrschaftshaus mit einem Nebengebäude, in dem wir ein altes Mühlwerk ausmachen.

Im Dorf angekommen belohnen wir uns mit einem erfrischenden «Cortado con Hielo» (Milchkaffe mit Eis) und machen uns dann auf den Weg zum Camping Mas Nou.

Reisen ist schon ein spezielles Erlebnis. Kaum steuert man ein Ziel zum zweiten Mal an, ist es wie ein nach Hause kommen. Zudem werden wir auf dem Platz auf Tom und Christina treffen, dem Hünen aus Friesland und seiner zierlichen und etwas scheuen Lebensgefährtin.

Nachdem wir uns gestern Abend für eine Woche eine Parzelle auf dem doch eher leeren Campingplatz gesichert haben, legen wir am Dienstag erstmal ein Tag Pause ein: am Morgen ist Tagebuch schreiben, Homepage auf Vordermann bringen und Waschen angesagt und beinahe hätte ich es vergessen, Kochen. Fabrizio lässt sich von seinem Heisshunger verführen und kauft ein knappes Kilo köstliche Gambas für weniger als 10 CHF.

Nach einem Verdauungsschlaf treffen wir am blitzblanken Swimmingpool – überwacht von einem Safeguard – auf Tom und Christina. Wir verabreden uns auf ein Bier, aus dem zwei, drei werden und unterhalten uns intensiv. Die Chemie stimmt, die Gespräche werden schnell vertraut. Im Flug vergehen zwei, drei Stunden.

Am Mittwoch fahren wir mit dem Bus nach Figueres mit dem Ziel, das Dali Museum zu besuchen. Das Gebäude ist von aussen mit seinen Eiern, dem Planetarium und den zierlichen goldigen Skulpturen auf dem Dach ein Hingucker, das zu gründlichen Foto-/Filmstudien verleitet. Als wir dann um die Mittagszeit ein Ticket kaufen wollen, sind diese bis kurz vor Schliessung (14.45 Uhr) ausverkauft, also verzichten wir auf den Besuch von Figueres Hauptattraktion. Von einem Regenschauer überrascht retten wir uns ins nächste Restaurant. Obwohl es den Anschein einer Touristenfalle macht, ist das aufgetragene Essen in Qualität und Preis korrekt, Fabrizio’s Zanahoria-Mus (Karottenpüree) sogar vorzüglich.

Wir sind uns nicht sicher, glauben jedoch in Figueres, deutlich die Spuren von COVID zu erkennen.  Ein drittel der Geschäfte sind für immer geschlossen und die Lokale leer und verriegelt. Die Stimmung erscheint uns depressiv. Ausser beim Dali-Museum sind kaum Menschen auszumachen. Etwas enttäuscht verlassen wir die Stadt.

Unser Versuch am Abend den EM-Knaller Portugal gegen Frankreich an der Poolbar anzuschauen, muss schon bevor der Match richtig in Fahrt kommt, abgebrochen werden. Der Aussenfernseher muss vor einem heftigen Wolkenbruch in Sicherheit gebracht werden. Ströme fliessen von den schattenspendenden Terrassenüberdachungen. Die Gäste flüchten sich ins Innere. Zurück bleiben eine Gruppe Belgier, denen gerade das Essen serviert wurde, ein einsamer Diskjockey auf der Bühne und wir. Sobald der Regen etwas nachlässt, eilen wir zu Hannibal, um das Dach mit einem Regenschutz zu verhüllen … Die Ironie der Geschichte, die Nacht bleibt trocken.

Donnerstag, 25. Juni
Wetter: Sonne mit leichter Bewölkung, Temperatur 24 – 30°C

Die Wetterlage in den Pyrenäen bleibt unstabil. Regen und Gewitter sind weiterhin angesagt. Wir müssen feststellen, dass die Wetterprognosen ziemlich zuverlässig und genau sind. So bleiben wir hier auf dem Campingplatz zurzeit noch im «Standby» und machen Tagesausflüge in der näheren und weiteren Umgebung.

Am späten Nachmittag statten wir dem benediktinischen Kloster «Sant Pere des Rodes» einen Besuch ab. Es befindet sich im heutigen «Naturpark Cap de Creus», innerhalb der Gemeindegrenzen von El Port de la Selva (für weitere Informationen schau mal unter Wikipedia). Von Weitem dominiert es mit seiner imposanten und beängstigenden Grösse die ganze Gegend.

Lange Zeit wurde die Anlage sich selbst überlassen und verfiel schliesslich zu einer Ruine. Wir begreifen immer noch nicht, warum Regierungen solche Kulturschätze nicht retten wollen. Kulturschätze, die zur Geschichte und Entwicklung einer Nation gehören und zur heutigen Identität einer Bevölkerungsgruppe beigetragen haben. Die ausschweifende (und oft zu hörende) Entschuldigung «es gibt kein Geld dafür» lassen wir nicht gelten. Insbesondere wenn wir daran denken, dass seit einer Woche, die spanische Armee Tag und Nacht mit ihren Mörsern oder Kanonen Schiessübungen macht. In regelmässigen Abständen hören wir aus den Bergen das tiefe «Grollen» der Explosionen. Bei diesen Angelegenheiten spielt die Geldfrage keine Rolle und ist nie ein Hinderungsgrund!

Vom Kloster sind nur noch die Aussenmauern, die Kirche und eine als Restaurant umfunktionierte Behausung übrig. Die Renovationen beurteilen wir als «mehr schlecht als Recht» durchgeführt. Als ob in grosser Eile eine künstliche Fassade hätte in Stand gesetzt werden müssen.

Wir stellen uns vor, wie diese Anlage zur seiner Blütenzeiten ausgesehen hat. Im Innenohr ertönen die Gesänge der benediktinischen Chöre, ein imaginärer Geruch von Weihrauch kitzelt unsere Nase.

Die Sicht von hier oben ist einfach atemberaubend. Die Sonnenstrahlen hüllen die ganze Umgebung in ein goldiges Licht. Fabrizio versucht sich zum ersten Mal an einer Videoaufnahme im Zeitrafferverfahren. 30 Minuten Aufnahmezeit für 15 Sekunden Video. Die Aufnahme gelingt.

Samstag, 26. Juni
Wetter: Sonne mit leicht kühlem Wind, Temperatur 27°C

Heute steht der 2. Versuch an, die Piste zwischen la Jonquera und Llança (aus dem Offroad-Buch von Abenteuer Pistenkuh «Pyrenäen») unter die Räder von Hannibal zu nehmen. Einen 1. Versuch hatten wir bereits vor knapp 2. Wochen unternommen, wurden aber nach knapp der Hälfte der Strecke, von einer Militärpatrouille aufgefordert, die Piste zu verlassen.

Wir packen die Strecke diesmal von llança aus an. Die Piste ist leicht zu befahren. Tiefe Auswaschungen bleiben aus. Es gibt ein paar enge Stellen, die aber kein Problem für uns sind. Aus unserer Sicht wäre heute keinen Allradantrieb notwendig gewesen. Nach wenigen Kilometern wird die Landschaft von Eichenwäldern und tiefen Tälern dominiert. In der Ferne zeugt ein verlassener Hof, dass hier in der Vergangenheit Landwirtschaft getrieben wurde. Es ist bereits sehr trocken und wir wirbeln mit Hannibal viel Staub auf. Wir treffen auf keinen Gegenverkehr. Nur zwei Motocross-Fahrer sausen in vollem «Karacho» an uns vorbei.

Bei der «Eremite San Silvestre» stoppen wir für eine kurze Foto-Pause. Die Kapelle ist auf einer Lichtung errichtet worden und über eine kleine Holzbrücke zu Fuss erreichbar. In ihrer Einfachheit strahlt sie Ruhe und Harmonie aus.

Kurz danach erreichen wir Rabos. Da die Dorfgassen für Hannibal zu eng sind, lassen wir ihn vor dem Dorfeingang stehen und besichtigen das Dorf zu Fuss. Es ist Mittagszeit und aus den Häusern strömen bereits Gerüche von den zubereiteten Speisen: Frittiertes, Knoblauch, Fischgerichte, gebratenes Poulet … Uns läuft das Wasser im Mund zusammen. Das motiviert uns, heute ein Fischgericht zu kochen. Wir brechen die Fahrt ab und entscheiden kurzerhand zum Campingplatz zurückzukehren. Ja … unser Magen steuert unser Verhalten häufiger als uns lieb wäre!

Angekommen, geht Fabrizio einkaufen. 500gr Sole für knapp 10 CHF. Dazu 2 Portionen hausgemachte Couscous und ein Pfund Kirschen zum Nachtisch. Für knapp 3 Euro ergattert sich Fabrizio eine Flasche «Verdejo» mit 13.5 Vol%. Um diese kühl zu halten, kauft er ein Sack Eis für 2 Euro.

Unser Mittagsessen schmeck vorzüglich, der Wein ist seinen Preis Wert … und die Flasche bleibt am Ende leer zurück. Etwas belämmert vom Alkohol und der Nachmittagshitze gönnt sich Fabrizio einen langem Verdauungsschlaf in Hannibals Bauch. Der Innenraum ist gegen die Hitze mit Thermoschutzmatten von Blidimax geschützt. Diese sind sehr wirkungsvoll! Mit etwas Durchzug bleibt die Temperatur auch bei der ärgsten Hitze erträglich.

Gegen 18:00 Uhr werden wir von Tom und Christina zu einem Bierchen eingeladen. Wir verbringen mit ihnen 2 gemütliche Stunden.

28. Juni – 01. Juli: Figueres – Vingrau (Frankreich)

Ersterfassung: 03.07.2021Letztes Update: 07.09.2021

Das Wichtigste in Kürze:
Wir haben uns entschieden, Sabine’s Bruder Ueli und seiner Frau Irene, die in Vingrau (20 km nord-westlich von Perpignan) in einem Haus in den Sommerferien sind, einen Besuch abzustatten. Wir überqueren die Grüne Grenze zwischen Spanien und Frankreich über Stock und Stein und verbringen drei herrlichen Tagen in den Pyrénées-Orientales.

Montag, 28. Juni – Donnerstag, 1. Juli: Vingrau (Frankreich)
Wetter: Sonne mit leicht kühlem Wind, Temperatur 27°C

Wir haben uns entschieden, Sabine’s Bruder Ueli und seiner Frau Irene, die in Vingrau (20 km nord-westlich von Perpignan) in einem Haus in den Sommerferien sind, einen Besuch abzustatten. Wir sind von der Freude sie wieder zu treffen und von der Neugierde Vingrau kennenzulernen getrieben. Wir haben so viel über dieses Dorf gehört, dass wir uns die Chance nicht entgehen lassen können, endlich einmal diesen Ort mit eigenen Augen zu sehen. Vingrau liegt via Autobahn etwa 80 km von Figueres entfernt. So einfach wollen wir es uns aber nicht machen. Wir wählen aus dem Offroad-Buch von Abenteuer Pistenkuh «Pyrenäen» eine raue Piste über die Berge. Sie führt von Maçanys de Cabrenis (Spanien) nach Amélie – les – Bains. Aufgrund der steilen Anstiege und den Engstellen im Wald ist die Piste mit Schwierigkeitsgrad 3 klassifiziert.

Kurz nach Maçanys de Cabrenis steigt die Piste steil an. Der Untergrund ist fest und stabil, Hannibal’s Räder haben einen guten Griff. Wir kommen langsam, aber stetig voran. Bei den Engstellen – meist durch Ginster- und Brombeerbüsche zugewachsene Pistenabschnitte – bekommt Hannibal seinem Lack «aufpoliert». Diese Büsche stehen der Piste Spalier. Sie sind noch vom gestrigen Regen nass. Kaum werden sie von Hannibal gestreift, steigen Scharen von Fliegen, Bienen, Schmetterlinge, Bremen und Hornussen in die Luft. Ein infernalisches Ballett von aufgescheuchten Insekten, die bei offenem Fenstern die Fahrerkabine unter Belagerung nehmen. Wir versuchen, sie mit spastischen Handbewegungen aus der Kabine zu verscheuchen. Insbesondere vor den Hornussen haben wir grossen Respekt.

Wir lassen den Wald hinter uns und tauchen mit Hannibal in einen engen Tunnel von Ginster- und Brombeersträuchern ein. Sie reichen bis zur Fahrerkabine. Die Fahrspur ist jetzt deutlich enger geworden. Die Platten, die wir zum Schutz von Getriebe und Motor eingebaut haben, schleifen teilweise am Boden. Als wir den Bergkamm erreichen, erwartet uns eine spektakuläre Weitsicht.

Die Abfahrt gestaltet sich einfach. Wir folgen einer unklaren Spur durch eine Farnwiese, dann schlängeln wir uns durch einen Wald mit alten Kastanienbäumen und erreichen ohne grosse Schwierigkeiten einen Gott-verlassenen Bauernhof. Oh Schreck! Ein aufgegebener, verrosteter Traktor blockiert die Piste! Mit etwas Glück kommen wir an ihm vorbei und treffen kurz danach den Besitzer:  Einen kleinen Schaufelbagger manövrierend, versucht er, die tiefen Auswaschungen (die wahrscheinlich vom Regen der letzten Wochen verursacht wurden) mit Erde und Steinen zu reparieren. Als er uns entdeckt, fährt er den Bagger auf die linke Seite der Piste und lässt uns durch. Als wir mit Hannibal auf gleicher Höher mit seiner Fahrerkabine sind, wirft er uns einen Blick zu, der uns das Blut in den Venen zum Stocken bringt. Seine Augen sitzen tief im Kopf und sind nur noch zwei winzige Schlitze. Er scheint uns zu bemustern. Er beobachtet uns, wie ein Leopard seine nächste Mahlzeit. Sein Gesicht ist zu einer starren Maske verkommen, emotionslos, aggressiv, indifferent. Als wir ihm mit einem «freundlichen Hola» begrüssen, bleibt er im Gegensatz stumm wie ein Stein.

Obwohl sich das Ganze in nicht einmal 30 Sekunden abspielt, empfinden wir diese Begegnung wie eine Ewigkeit. Alles läufts in uns wie in Slow-Motion ab. Wir vergleichen diesem Moment mit einer Szene von John Boorman’s Film «Deliverance» (oder in Deutsch «Beim Sterben ist jeder der Erste»), wo Burt Reinolds – zu seiner Zeit «the sexiest man alive» – zusammen mit John Foight (der Vater von Angelina Jolie) einen Fluss mit einem Kanu hinunterpaddeln möchte, bevor dieser durch einen Staudamm für immer verschwindet. Als sie mit ihrem Offroader bei den Quellen des Flusses ankommen, treffen sie auf eine kleine Ansammlung von heruntergekommenen Holzhäusern. Überall liegt Unrat herum. Eine brutale Hitze, eine beklemmende Luftfeuchtigkeit und der Lärm der Zikaden empfängt sie. Die Einheimischen laufen in dreckigen und von der Sonne gebleichten Kleider herum. Eine unerträgliche Spannung liegt in der Luft, als ob in jedem Augenblick die Atmosphäre explodieren könnte. Der Zuschauer wartet auf diesen Moment – der nicht kommt – mit Angst. Die Dorfbewohner besitzen alle die gleichen Gesichtszüge … Inzest? Als ein Kind mit Down-Syndrom mit seinem Banjo zu spielen beginnt … entspannt sich vorübergehend diese beklemmende Lage. Für mich (Fabrizio) eine der beeindruckendsten Szenen der Filmgeschichte.

Es ist noch ein weiter Weg bis zum nächsten Dorf Amèlie-les-Bains. Die Piste ist jetzt leicht zu befahren und mündet kurze Zeit später in eine geteerte Bergstrasse.

Als wir gegen 15:00 in Vingrau ankommen, stehen Irene und Ueli bereits beim Dorfeingang am Strassenrand. Abgemacht war es nicht … aber wir alle freuen uns sichtlich über das Wiedersehen. Seit Jahren kommen beiden immer wieder an diesen Ort, «um schnell herunterzukommen». Die Gegend bietet alles was das Herz begehrt: Schroffe Landschaften, beeindruckenden Schluchten, historische Ruinen von Einsiedlern und Katharer-Burgen sowie hübsche Dörfer und Weinkellereien an jeder Strassenecke. Die Weine der Region sind ehrlich, bodenständig und aromatisch. Passen gut zu Wurstwaren, Käse und Fleischgerichten, die wir in rauen Mengen in den kommenden Tagen verspeisen werden.

Das Haus, in dem Ueli und Irene ihre Ferien verbringen, gehört Ueli’s Freund Hans, der vor mehr als 20 Jahren diesen Hausteil inmitten von Vingrau für einen Butterbrot gekauft und in mühseliger Arbeit jahrelang renoviert hat. Es ist ein typisches Haus der Region. Es ist schmal und hat drei Stockwerke, die über eine enge und steile Treppe verbunden sind. Zuoberst unser Schlafzimmer, ganz unten Dusche und Toilette. Von oben nach unten … eine halbe Weltreise! In der Mitte die Küche: ein einfacher Gasherd, ein Wirtshaustisch aus recyceltem Holz, ein Holzbüffet, ein Waschtrog mit einem ständig tropfenden Wasserhahn sowie eine tickende Wanduhr bilden das karge Inventar. Es genügt. «Mehr Komfort ist nicht nötig» sagen Ueli und Irene überzeugt.

Vingrau erlebt momentan einen Zufluss an neuen Einwohner. Es war in der Vergangenheit nicht immer so. So wie überall auf dieser Welt, versuchen insbesondere jungen Leute ihr Glück in den Grossstädten. Zurück bleiben die «Alten». Diese Entwicklung spiegelt sich in den vernachlässigten Weinbergen, die die Talsohlen und Berghänge säumen. Sehr schnell bekommt die Natur wieder Oberhand und die Rebstöcke verschwinden zwischen Eichen, Wacholdersträucher und schnell wachsenden Pionierpflanzen.

Beeindruckend sind die unzähligen Trockenmauern, mit denen die Berghänge zur Vereinfachung der Bewirtschaftung terrassiert wurden. Die Steine sind präzis aufeinandergestapelt und auch nach langer Zeit widerstehen sie stolz und meist intakt die Kräfte der Natur. Meisterwerke! Werke, die für die Ewigkeit gedacht waren. Werke, die für künftige Generationen hätten erhalten bleiben sollen. Dies ist ein Konzept, das die heutige «Quartalsgewinn orientierte Wirtschaft» nicht mehr versteht. Was nicht sofort Gewinn bringt, wird nicht angegangen. Die geltende Devise: unendliche Gewinnsteigerung in einer endlichen Welt aus Teufel komm raus!

Und darüber hinaus, wer hätte heute noch Zeit und Geld, um diese Gewaltsarbeit zu leisten? Horden von Excel-Fetischisten würden aus Kostengründen sofort Alarm schlagen und solchen Vorhaben schnell den Gar aus machen.

Wir erkunden die nähere Umgebung. Ueli und Irene sind während zwei Tage unsere Touristenführer und «entlüften» uns die Geheimnisse der Region. Sabine und ich sind einhellig der Meinung, dass wir hierher zurückkommen werden.

Ach, ich hätte fast vergessen: Noch drei Bemerkungen:

Bemerkung 1: beim Abschied in Figueres bekamen wir von Tom und Christina ein Fass frischen Sangria geschenkt. Tom sagt uns nicht ohne Stolz: «die Sangria haben wir von einem Holzfass gezapft!» Lieber Tom, liebe Christina eure Sangria schmeckt echt vorzüglich (auch ohne Orangensaft), nicht zu süss, dafür körperreich und … Mensch … der Alkoholgehalt von 15%Vol. haut einem nach nur einem Glas um!

Bemerkung 2: Vingrau pflegt eine Tradition, die uns komplett fremd ist. Mitteilungen der Gemeinde werden über dröhnende Lautsprecher der Bevölkerung bekannt gegeben. Sie werden von Militärmusik begleitet. Überall im Dorf sind Lautsprecher installiert … und so durften wir erleben, wie um 08:30 am Morgen der Verkauf von frischen Früchten und Gemüse auf dem Dorfplatz angepriesen wurde. Darauf waren wir ganz und gar nicht vorbereitet. Wir sassen am Frühstückstisch und knabberten an der frischen Baguette, als wir von der Militärmusik überrascht wurden. Ich fragte Ueli, ob er einen neuen Klingelton auf seinem Smartphone installiert habe, was er mit einem breiten Lächeln verneinte. Für die Schwerhörigen und die Unaufmerksamen wurde die Mitteilung ein zweites Mal wiederholt.

Diese Situation erinnert mich an eine Szene von Charlie Chaplin’s Film «Der grosse Diktator» (Filmsequenz zwischen Min.1:00:00 und Min. 1:02:00). Wenn ich an diese Szene denke, muss ich immer noch schmunzeln.

Bemerkung 3: In Vingrau wir der Schinken nicht nach Gewicht, sondern nach der Anzahl gewünschten Scheiben verkauft. Die Besitzerin des lokalen Lebensmittelladens fragte uns «wie viele Scheiben möchten Sie». Wir reagierten auf diese Frage etwas verdutzt, weil je nach Dicke der Scheibe ist das Gewicht anders … und glaubt uns … die Scheiben sind in Vingrau ziemlich dick!

01. – 06. Juli: Vingrau (Frankreich) – Puiscerdà (Spanien)

Ersterfassung: 08.07.2021Letztes Update: 07.09.2021

Das Wichtigste in Kürze:
Es ist Zeit, in die Berge zu fahren! Wir fahren mit Hannibal diverse Pisten in den pyrenäischen Bergen und kommen aus dem Staunen über die herrlichen Landschaften des Naturpark „Serra del Cadi-Moixero“ nicht mehr heraus.

Donnerstag, 1. bis Dienstag, 6. Juli: Vingrau – Camprodon – Puigcerga
Wetter: Sonne mit leicht kühlem Wind und ab und zu etwas Regen, Temperatur 27°C

Es ist Zeit, in die Berge zu fahren! Die Wetterprognosen sind uns für die nächsten Tage gut gesinnt. Wir verlassen Vingrau und wählen aus dem Offroad-Buch von Abenteuer Pistenkuh «Pyrenäen» (PK Pyrenäen) eine einfache Piste über die Berge mit schönen Weitsichten. Sie führt von Ille-sur-Têt nach Arles-sur-Tech und weist einen Schwierigkeitsgrad von 1 auf. Bei einer kleinen Kirche inmitten eines Feldes von wilder Minze geniessen wir unser Mittagessen. Eine ganze Baguette mit Butter und Schinken von Vingrau.

Als wir Mollò (Spanien) erreichen, ist bereit später Nachmittag. Nach der Übernachtung im Camping von Camprodon, führt unsere Piste heute nach Ribes de Freser über zwei Pässe mit jeweils 1906 und 2051 Höhe. Ein Vorgeschmack auf die alpine Landschaft, die wir in den kommenden Tagen in Andorra antreffen werden. Es sind hauptsächlich Weideflächen, die unsere Piste säumen. Der Wind ist kühl und ein Geruch von frischem Kuhmist schwebt durch die Luft. Hoch über unseren Köpfen kreisen zwei Adler auf der Suche nach Essbarem. In der Weite ertönt das Gebimmel der Kuhglocken, die friedlich die schmackhaften Bergkräuter abgrasen. Was will man mehr!

Nach so viel Natur brauchen wir etwas für den Geist. Bevor wir die Piste nach Puigcerga unter die Räder nehmen, besichtigen wir das benediktinische Klöster von RipollRipoll war früh eine Industriestadt, die ihre Fähigkeiten und Kreativität einst der Produktion von Waffen gewidmet hat. Die Überbleibsel der Produktionsgebäude stehen heute verlassen am Stadteingang. Sind diese Zeugen eines Gesinnungswandels? Wohl kaum.

Das Kloster ist ein Prachtstück. Insbesondere sein reichlich dekoriertes Eingangstor ist ein Besuch wert. Covid sei Dank haben nur wenige verlorene Seelen den gleichen Gedanken wie wir. Unter «normalen Bedingungen» muss – gemessen an der Anzahl Busparkplätze am Stadtrand – das Kloster von hunderten, wenn nicht tausenden von Touristen täglich unter Belagerung genommen werden.  Heute haben wir die Attraktion beinahe für uns allein, was für ein Luxus. In Ripoll ist heute Markttag. Markt bedeutet viel Leute … und so finden wir keine grosse Motivation, die Stadt zu besichtigen. Wir belassen es beim Besuch einer Konditorei und gönnen uns einen «Caffé con leche» und etwas Süsses.

Als wir in Puigcerda ankommen, bereuen wir es, so viel Zeit auf einer langweiligen Piste verbracht zu haben. Müde und gereizt buchen wir 2 Nächte im Camping Pirineus (ein Steinwurf von Puigcerda entfernt). Der Platz ist fast leer, schön schattig und grün. Wir müssen unser Tagebuch pflegen und Sabine hat eine «Schwette» Wäsche zu waschen.


Montag, 5. – Dienstag, 6. Juli, Puigcerda

Wetter: Sonne mit leicht kühlem Wind und ab und zu etwas Regen, Temperatur 28°C

Nach dem vielen Fahren in den letzten Tagen benötigen wir etwas Bewegung. Beim gestrigen Check-In hat uns ein ziemlich gelangweilter und desinteressierter Campingangestellter einen «Berg» Broschüren (es sah so aus, als ob wir von der MUBA zurückgekommen wären) mit Informationen zu Aktivitäten während unseres Aufenthaltes in der Region überreicht. Wir entscheiden uns für eine Wanderung zu den pittoresken «Estany de Malniu» (Bergeseen): Uns erwartet eine wohltuende und hübsche hochalpine Natur. Wir flanieren durch einen paradiesischem Fichtenwald, durchsetzt mit Findlingen und einer bunten Blumenpracht (sogar Alpenrosen) und begegnen Kuhherden und leutseligen Spaniern. Wir rätseln über die Fähigkeit dieser Nation das Mundwerk ohne Unterbruch am Laufen zu halten. Als sie bei einer Kuhherde vorbeikamen, schauen diese sie mit ihren Kolleraugen an und schüttelten den Kopf nachdenklich.

Am Abend kehren wir beglückt, erfüllt und zufrieden nach Puigcerda zurück.

Nach einer eher kühlen Nacht brechen wir am Dienstag in den Naturpark Serra del Cadi-Moixero auf. Wir kurven auf einer engen Strasse durch einsame Täler nach Estana und wandern gut eineinhalb Stunden auf einem steinigen, stark ansteigenden Pfad zur «Prat de Cadi», einer hochgelegenen Weide mit Kühen und Kälbern, umgeben von steilen Bergwänden und Wald. Der Blick ist spektakulär. Er erinnert uns an den bekannten «Mount Rushmore» in den USA, wo die Gesichter von vier US-Präsidenten aus der Felsenwand gehauen wurden. Wir können uns kaum sattsehen und verweilen hier eine gute Stunde, Fabrizio mit Zeitrafferaufnahmen und Fotografieren, Sabine mit Beobachten und dem Lauschen des Gebimmels der Kuhglocken und des Vogelgezwitschers. Ein weiterer traumhafter Tag in den Pyrenäen … wenn da nicht eine Schar Pfadfinderkinder gewesen wären, die Fabrizio dauernd vor die Kameralinse gelaufen sind.

07. – 13. Juli: Puigcerdà – Gosol – Cambrils – Pobla de Segur

Ersterfassung: 16.07.2021Letztes Update: 07.09.2021

Das Wichtigste in Kürze:
Wir erklimmen mit Hannibal die steilen Hänge des «Paratge Natural d’Interès Nacional del Massís del Pedraforca» Wow … nur noch Wow! In Cambrils essen wir im dortigen Restaurant (schwarze Erbsen in Schweineschmalz gebraten, Pasta, grilliertes Kaninchen sowie gebratene Wachteln) und beobachten, wie jemand (in dreckigen Trainerhosen und verschwitztem T-Shirt) eine Salami aus der Küche mitlaufen lässt. Über eine sehr schöne Piste im «Coll de Baumort» erreichen wir Puebla de Segur wo wir die majestätischen Bergformationen des „Congost de Collegats“ bestaunen und durchwandern.

Mittwoch, 7. – Donnerstag, 8. Juli, Gosol
Wetter: Sonne mit leicht kühlem Wind, Temperatur 27°C

Über Stock und Stein gelangen wir am spätem Nachmittag Gosol. Die Piste war heute anstrengend. Steil einem Wald hinauf, dann durch Karstlandschaften auf steinigem Untergrund schlängelnd. Ein junges Reh ist Hannibal im Wald fast vor seiner mächtigen Stossstange gehüpft. Als wir in Campingplatz von Gosol ankommen ist Fabrizio hundemüde.

Heute Abend haben wir keine Lust zum Kochen. Unsere Rezepte rotieren zurzeit um «Rana’s» frische Tortellini, Tortillas in verschiedenen Variationen aus dem Kühlregal (kühl … nicht gefroren!), Hummus, Geiss-Frischkäse mit Olivenöl und Tomatensalat, Hackfleisch mexicaine mit Basmatireis herum. Alle Fertigprodukte weisen eine hohe Qualität auf und wir sind sehr zufrieden. Da wir mit Gas kochen, wollen wir so wenig wie möglich «gasintensive» Rezepte verwenden. Als Ersatz dafür gibt es hier in Spanien viele gute Restaurants. Und so entscheiden wir uns in Gosol einem davon einen Besuch abzustatten. Das Restaurant ist hübsch eingerichtet (hat den Charme eins Bistros) und … wir sind die einzigen Gäste weit und breit! Die Covid-Restriktionen haben auch hier tiefe Wunden hinterlassen. Wurst aus Eigenproduktion begleitet von einer scharfen Tomaten-Knoblauch-Sauce mit Brot vom Bäcker um die Ecke bilden die Vorspeise. Gefolgt wird diese von einer Portion Tomaten-Tatar mit Puffbohnen (aus meiner Sich zu kalt serviert, wahrscheinlich direkt aus dem Kühlschrank. Persönlich gibt es für mich im Bereich Kulinarik nicht schlimmeres als einen kalten Salat kredenzt zu bekommen. Er riecht dann immer nach Kühlschrank und was darin aufbewahrt war und schmeckt wie abgestandenes Wasser). Als Hauptspeise eine Lamm-Haxe, die in einem «Pedro Ximenez» Süss-Sherry-Fond 17h lang bei Niedergartemperatur zart gekocht wurde. Eine regelrechte Offenbarung!

Die Nacht ist kühl aber unsere Schlafsäcke spenden uns eine wohlige Wärme … und so schlafen wir schnell ein. In die Ferne bellt sich ein einsamer Hund die Seele aus dem Leib.

Hase und Adler! Wir erklimmen mit Hannibal die steilen Hänge des «Paratge Natural d’Interès Nacional del Massís del Pedraforca» Wow … nur noch Wow! Was für ein Blick! Die fast senkrechten Wände des «Puig de Font Tortera» zeigen wieder einmal dem kleinen Menschen, wer hier das Sagen hat. Die Piste schmiegt sich an den Berghang wie eine Katze an die Beine ihres Besitzers, als ob sie Angst hätte wegzurutschen. Oben angelangt fegt eine kühle Brise über die grünen Alpwiesen. Die Kühe mustern uns hochnäsig und mit einer gewissen Indifferenz. Sie denken sich sicherlich … «hier wieder ein paar Offroader, die uns die Luft verpesten». Recht haben sie. Heute werden wir diese Piste zweimal befahren. Zu schön ist hier oben das Panorama. Wir können nicht genug davon kriegen. Als wir uns gegen Abend doch noch zu einer kleinen Wanderung zusammenreissen, haben wir das Privileg, die Flugkünste von drei Adler zu beobachten. Sie gleiten wie auf unsichtbaren Bahnen elegant durch die Luft auf der Suche nach Essbarem. Apropos Essbares … uns laufen kurz danach zwei Hasen über den Weg. Waren sie auf der Flucht vor den Adlern? … das werden wir wohl nie erfahren. Fragen konnten wir sie nicht, da sie wie der Blitz wieder im Gestrüpp mit zwei Sprüngen verschwanden.

Freitag, 9. Juli, Gosol – Cambrils
Wetter: Sonne mit leicht kühlem Wind, Temperatur «warm»

Das Wetter bleibt stabil und schön bis mindestens nächste Woche. Sonne pur und relativ hohe Temperaturen sind angesagt. Die Voraussetzungen um die etlichen Tracks rund um Andorra zu erkunden, könnten nicht besser sein. Fabrizio hat sich diesbezüglich akribisch vorbereitet. Neben einschlägiger Literatur hat er im Internet recherchiert, in Wikiloc (www.wikiloc.com) die Routen ausfindig gemacht und sie in die Applikation «Gaia GPS» (www.gaiagps.com) importiert, überprüft, ggf. angepasst und danach als Backup in unser Garmin-GPS übertragen.

Heute steht eine Teilstrecke der «Boucle Andorraine» von Vibraction (www.vibraction.com) auf dem Programm. Diese wird uns über Stock und Stein von Fornols nach Ossera bis nach Organya führen. Die zweite Hälfte der Piste entpuppt sich als Höllenritt! Die Piste ist sehr steinig. Mittlere Auswaschungen bedürfen einer sachten Fahrweise. Hannibal’s Aufhängungen werden heute wohl oder übel leiden müssen. Hannibal steck das Ganze, ohne gros zu murren, weg.

Wir treffen auf einen einsamen Mountainbiker, der sich langsam den Berghang hinauf kämpft. Ich bewundere diese Menschen, die ständig ihre Grenze suchen und vielleicht auch finden. Die Sonne brennt ihm in den Nacken und das Radeln auf der steinigen Piste wirkt wie der seltsame Balletttanz eines Betrunkenen. Wir überholen ihn und versuchen ihm unsere Bewunderung mit einem Lächeln und Kopfnicken zu zeigen … ich denken, diese Gesten wirkten auf ihn wie Mitleid.

In Organya angekommen, fahren wir zum dortigen Campingplatz. Der entpuppt sich als desolater Stellplatz in der prallen Sonne gelegen. So entscheiden wir uns kurzerhand nach Cambrils zu fahren. Gemäss unserem Reiseführer muss es dort ein nettes Plätzchen für die Nacht geben. Die 25km Fahrt führt uns durch wunderschöne Schluchten. Die Dörfer wirken wie an die Bergwände geklebt, als ob sie Newtons Erdanziehungskraftgesetz trotzen wollten. Inmitten dieser kleinen Siedlungen steht oft eine überdimensionierte Kirche – überdimensioniert für die von uns geschätzte Zahl der dort lebenden Dorfeinwohner.

Samstag, 10. Juli – Dienstag, 13. Juli, Cambrils – Pobla de Segur
Wetter: Sonne mit leicht kühlem Wind, Temperatur bis 34°C

In Cambrils bleiben wir nur eine Nacht, essen im dortigen Restaurant (schwarze Erbsen in Schweineschmalz gebraten, Pasta, grilliertes Kaninchen sowie gebratene Wachteln) und beobachten, wie jemand (in dreckigen Trainerhosen und verschwitztem T-Shirt) eine Salami aus der Küche mitlaufen lässt: Er läuft mit dezidiertem Schritt aus der Küche, als ob er zu einem wichtigen Treffen verabredet wäre, beim Auto angekommen zieht er die Salami aus der Hose, nicht ohne sich vorher vergewissert zu haben, dass ihn niemand beobachtet hat und wirft diese durch das offene Fenster der Hintertüre auf den Hintersitz. Er steigt hastig ins Auto ein, zündet sich mit einem Grinsen eine Zigarette an, bevor er ohne Zögern davonfährt.

Wir nehmen heute von Col de Nargò eine Piste in Angriff, die uns entlang des «Coll de Baumort» führt. Es erwarten uns steile Auffahrten, eng an den Felsen geschmiegte Wege und schöne Weitsichten. Wir werden nicht enttäuscht. Als wir gegen 16:00 Uhr verstaubt in Pobla de Segur ankommen, zeigen sich bereits von Weitem rote Bergformationen, die an den amerikanischen Grand-Canyon erinnern. Die gewaltige Schlucht von «Congost de Collegats» bildet die südliche Grenze dieser Bergformationen. Wir werden sie morgen zu Fuss in einer knapp vierstündigen Wanderung erkunden.

Wir bleiben in Pobla de Segur drei ganze Tage. Wir mussten nach der Wanderung rund um die Schlucht «Congost de Collegats», die uns viel Kraft geraubt hat, einen zusätzlichen Tag Pause einlegen. Obwohl wir uns erst um 17:00 Uhr die Wanderschuhe geschnürt und uns auf den Weg gemacht haben, betrug die Temperatur immer noch 34°C und um 20:45 Uhr, als wir völlig verschwitzt und Hunde müde beim Campingplatz zurückkommen, immer noch ca. 27°C. Es sind die perfekten Voraussetzungen für einen Sturm. Dieser hat sich im Laufe des Abends schleichend wie ein bettelnder Hund angekündigt. Zu Beginn haben sich langsam graue Wolken über den Bergspitzen angesammelt, danach hat der Wind (der in dieser Gegend immer mehr oder wenig stark bläst) an Kraft zugelegt und in regelmässigen, kräftigen Böen die Vögel von den Bäumen aufgescheucht.

Als wir unseren Teller «Papas bravas» (gebratene Kartoffel, die mit einer scharfen Mayonnaise serviert werden) auf der Terrasse des Campingplatz-Restaurants kredenzt bekommen, fängt es leicht und dann immer stärker an zu regnen. Ein Geruch von Staub und nassem Teer liegt jetzt in der Luft, begleitet von Blitz und Donner. Wir haben Hannibal’s-Dach aufgemacht, um unsere «Wohnung» zu lüften. «Sollten wir dieses jetzt nicht vorsichtshalber wieder zusammenfalten?» Fragen wir uns mit ernster Miene.

Gesagt … getan. Fabrizio steht vom Tisch wie von einer Hornusse gestochen auf und rennt mit Badsandalen ausgerüstet die 150 Meter, die uns von Hannibal trennen, in weltrekordverdächtigten 25 Sekunden. Es ist ein Rennen wie durch eine Autowaschanlage. Die Fahrwege sind jetzt bereits mit Wasser überflutet, es liegen Blätter und abgebrochene Äste auf dem Boden. Fabrizio gelingt es in letzter Sekunde – noch bevor der Sturm den Campingplatz mit voller Wucht erreicht – das Dach zusammen zu falten (im Angesicht der starken Windböen kein einfaches Unterfangen). Nach knapp 15 Minuten ist der Spuck vorbei. Von den Bäumen tropf noch das Wasser hinunter, der Campingboden sieht wie ein Urwald aus: umgeknickte Bäume, abgerissen Äste sowie umgeworfene Campingstühle und -tische (diese findet man selbstverständlich nicht unbedingt in einem Urwald). Die angerichteten Schäden lassen sich erst am nächsten Morgen nach dem Aufstehen einschätzen (Hannibal bekam durch den Sturm glücklicherweise keinen Schrammen ab).

Übrigens … als Fabrizio nach dem Sturm wieder zur Restaurantterrasse kam, waren die «Papas bravas» von Sabine allesamt aufgegessen … eine Frechheit!

13. – 19. Juli: Pobla de Segur – Andorra – Ordesa Nationalpark

Ersterfassung: 23.07.2021Letztes Update: 07.09.2021

Das Wichtigste in Kürze:
Im „Ordesa Nationalpark“ laufen uns die Beinen in den Bauch. Es ist schwierig, die atemberaubende Schönheit des Parks in Wörter zu fassen, ohne banal und abgedroschen zu klingen. Wo beginnen: Die canyonartigen Felsformationen, die tiefen Schluchten, die majestätisch fliegenden Bartgeier und Adler, die Wachtelfamilie, die uns mehrmals über die Piste «watschelt», die aufgescheuchte Gämse, die uns zuerst erschrickt, weil wir sie nicht erwartet haben und dann fasziniert, weil sie trittsicher eine felsige Wand mit der Leichtigkeit einer Zahnradbahn hinaufklettert oder ist es etwa die prächtige Blumenwelt mit ihren Orchideen, Irisen und Ginsterpolstern … , oder sind es die etlichen Wasserfälle, aus denen kristallklare Flüsse entstehen, oder etwa der Duft nach Nadelwäldern, von Kuhmist oder auch von gebratenem Fleisch (Carne alla Brasa), der aus vielen Bergrestaurants/-hütten herausströmt und die Nase der müden Wanderer kitzelt? 

Dienstag, 13. Juli – Donnerstag 15. Juli, Pobla de Segur – Torre de Cabdella
Wetter: Sonne mit leicht kühlem Wind, Temperatur 28 – 18 °C und frische Nächte

Wir haben gestern Abend spontan entschieden dem «Vall Fosca» einen Besuch abzustatten. Es soll mit seinem «Parc Nacional d’Aigüestortes» eine Augenweide sein. Unser Weg führt heute nach Rialp, dann über eine Piste (höchster Punkt 2’230 Meter über Meer) nach Espui ins «Vall Fosca». In La Torre de Cabdella finden wir ein Plätzchen im lokalen Camping. Die Fahrt ist gut, aber nicht spektakulär. Als Highlight können wir die Begegnung mit freilaufenden Pferden auf der hochgelegenen Alp erwähnen. Wir wollen einen kleinen Wasserfall fotografieren, als eine gruppe Pferde, angeführt von einem kleinen Fohlen, neugierig uns entgegenkommt. Wir haben keine Zeit irgendetwas zu tun und schon sind wir von ihnen umzingelt. Wir wissen nicht, ob sie uns feindlich bzw. aggressiv gesinnt sind oder tatsächlich nur neugierig. Sie sind «nur» neugierig. Sie beschnuppern uns, wir streicheln ihre Köpfe und sprechen leise beruhigende Wörter, als ob sie diese verstehen würden. In jedem Fall, sie wirken. Der führende Hengst beobachtet das Geschehen von ausserhalb mit erhobenem Kopf. Er hat von uns nichts zu befürchten und … er weiss es.

Im Vall Fosca ist die Wassernutzung ein zentraler Wirtschaftsfaktor. Vor etwa 100 Jahren hat der Schweizer Keller die vielen Wasserquellen des heutigen Nationalparks «Aigüestortes» unterirdisch miteinander verbunden und zu Kraftwerken geleitet. Als wir das mächtige und furchteinflössende Gebäude der Hauptzentrale sehen, glauben wir uns in der Schweiz – nur das Wetter ist eindeutig besser.

Am nächsten Tag lassen wir uns von einer in die Jahre gekommenen ratternder Schwebebahn ins Stauseegebiet bringen. Beim Betrachten der Sicherheitseinrichtungen sträuben sich Fabrizio die Nackenhaare und sonstige behaarte Körperstellen: zum Abschliessen der Schiebetüre wird ein Fallschloss eingesetzt, das höchstens für den Einsatz beim Hühnerhaus seine Rechtfertigung gehabt hätte. Zudem müssen die Passagiere müssen beim Einsteigen und Verlassen des Gehäuses eine gegen Absturz ungesicherte Übergangsspalte von mindestens 30 cm überwinden, Fallhöhe min. 20 m. Aus Personalmangel fährt zum Öffnen und Verschliessen der Kabine eine Mitarbeiterin auf dem Dach der Kabine mit, Fallhöhe 20 m + ????.

Oben angekommen erwartet uns eine harsche und idyllische hochalpine Bergwelt – wie in der Schweiz. Wir staunen beim Betrachten der vielen kleinen und grösseren Stauseen zu was der menschliche Wille alles fähig ist. Auch unser Wille ist gefragt. Nach einem anfänglich leicht steigenden Pfad – bei dem wir eine übergewichtige mit Turnschuhen und Hotpans ausgerüstete stark prustende Britin mit Leichtigkeit überholen – wird das Gelände immer anspruchsvoller. Unser Atem röchelt bei den steilen Anstiegen und die Kniee kommen ins Zittern bei den halsbrecherischen abschüssigen Abstiegen. Gefühlsmässig wird die Wanderung länger und länger …

Donnerstag, 16. Juli – Freitag 17. Juli, Torre de Cabdella – Sant Joan de L’Erm – Andorra
Wetter: Sonne mit leicht kühlem Wind, 22 °C

Aus dem Stapel der Offroad Broschüren, die wir im Pobla de Segur mitgenommen haben, entscheiden wir uns für die Tour zum Geisterdorf «Cérvoles». Dieses ist nicht ganz so verlassen wie vermutet. Etliche Spanier und andere Europäer haben die rustikalen Häuser zu schönen und sogar edlen Feriendomizilen renoviert.

Heute ist fahren angesagt. Im Durchschnitt haben wir bis anhin 50 km am Tag geschafft – wir liegen meilenweit hinter unserem Fahrplan zurück. So what! Who cares! Voller Unternehmungsgeist nehmen wir die Strecke Richtung Andorra, die uns über den beliebten Offroad Track von Rubio über Sant Jan de L’Erm nach Andorra bringen soll, unter die Räder. Dies geht nicht ohne Umwege. Zuerst werden wir von der archäologischen Stätte «El despoblat de Santa Creau de Llagunes», den Ruinen eines mittelalterlichen Dorfes, deren Absperrungen uns eine unterbeschäftigte und gelangweilte Angestellte gegen Eintritt (3 Euro pro Person) öffnet, aufgehalten. Nach einer Nacht auf dem Parkplatz des verlassen (Covid lässt grüssen) Langlaufzentrums Sant Jan de L’Erm entscheiden wir uns für einen Abstecher zum hübschen Pyrenäendorf Tirvia – über eine miserable, steinige mit Staublöchern und Auswaschungen durchsetze Piste – und fahren dann über einen ebenfalls sehr anspruchsvollen Treck von Alins nach Andorra, Ordin. Erstmals treffen wir in den Pyrenäen auf andere Offroadfahrer: 4 Genfer mit Enduro Motorrädern sowie deutsche und spanische Touristen. Via die «grüne Grenze» treffen wir am Abend in Andorra müde und abgekämpft ein.

Für die Erlebnisse und die einsame Bergwelt lassen wir die Fotos sprechen. Doch eine Episode muss erzählt werden, der Broterwerb in Tirvia.

Tirvia ist eines der unzähligen Dörfer der Pyrenäen mit schwarzen Schieferdächern und Steinmauern, die auf oder an einem Bergrücken errichtet wurden. Der Grosse Kirchenturm hat unsere Neugierde geweckt und, da wir auch langsam hungrig waren, suchten wir nach einer Bäckerei. Als wir in einer engen Seitengasse, die vom Hauptplatz in Richtung Kirchenturm abzweigt, auf die Bäckerei treffen, stehen bereits vier Personen in Wartestellung vor dem kleinen Eingang. Stau beim Bäcker! Ein alter Herr mit kurzen Hosen und einem lila T-Shirt steht vor dem Tresen und tauscht mit dem Besitzer die letzten Dorfneuigkeiten aus. Auch der Gesundheitszustand der ganzen Familie wird durchgenommen (inkl. Hauskatze). Das Gespräch zieht sich in die Länge. Die Wartenden nehmen es mit Fassung und warten geduldig. Fabrizio ist der fünfte in der Reihe. Wenn es so weitergeht, bekommen wir unser Brot erst in zwei Stunden. So lange dauert es schlussendlich nicht. Eine Frau, die sich von der «falschen» Seite in die Schlange der Wartenden einreiht, wird schnell des Besseren belehrt!

Hurra ich (Fabrizio) bin dran. Als ich die Türschwelle überquere, nachdem ich die von der Decke hängenden Plastikstreifen (eine primitive, aber sehr wirksame Abwehr gegen die lästigen Fliegen) beiseitegeschoben habe, kommt bei mir ein dramatischer Zweifel auf: «Wirst’s sehen, dass der Bäcker nur Brot auf Bestellung gebacken hat?». Und so ist es. Als ich ihm mit meinem rudimentären Spanisch anspreche «Desculpe, es possible de comprar pan?» schaut er mich zuerst an, als ob ich von einer anderen Galaxie kommen würde. Nach einem Augenblick, wo wir beide «wie bestellt und nicht abgeholt» dastehen, versuche ich es nochmal «Pan, comprar, por favor? Es Possible?». Er murmelt mir etwas entgegen (es tönte wie die Sprache einer längst verschollenen Kultur), verschwindet in die Backstube und kommt kurz darauf mit einem Brotlaib in der Hand zurück. Ich bestätige ihm mit einem Lächeln, das er sicherlich nicht gesehen hat, weil ich eine Maske trage, dass das mein Wunsch war.

Als er den Brotlaib auf den Tresen legt, tauch aus der Backstube eine ältere Schraube (vermutlich die Mutter, vom Aussehen eher die Urgrossmutter) und schnauzt ihn an. Aus dem was ich verstehen kann, geht es darum, dass ich das Brot eines anderen Kunden, der bestellt hat, erhalten habe, was nicht in Ordnung sei. Der Bäcker antwortet ihr wirsch. Es tönt nach «Halt endlich die Klappe!». Die «Schraube» verschwindet in die Katakomben der Backstube so schnell wie sie aufgetaucht ist.

Als ich die Frechheit habe, eine gezuckerte und mit Änis aromatisierte Ciabatta AUCH noch zu kaufen, geht die Diskussion wieder von vorne los. Irgendwie gelingt es mir, ohne Verletzungen aus der Bäckerei zu kommen.

Übrigens, der Brotlaib mutiert über Nacht zu einem Backstein. Nicht einmal mein Schweizer Militärmesser mit scharfer Klinge kann ihm eine Scheibe abgewinnen. Die gezuckerte Ciabatta ist hingegen ein Leckerbissen.

Freitag, 17. Juli – Montag, 19. Juli, Andorra
Wetter: Sonne mit leicht kühlem Wind, 22 °C

Von Andorra bleiben uns keine besonders positiven Erinnerungen. Ausser der Sichtung einer Wildsaumutter mit ihren jungen Ferkeln und einem guten Mittagessen in einem Bergrestaurant ist Andorra zu einem Einkaufzentrum zwischen zwei steilen Berghängen verkommen. Viel Lärm und Verkehr, die üblichen Weltmarken säumen die Strassen der Innenstadt. Rund um Andorra sind die Berghänge mit breiten «Wunden» versehen. Skiautobahnen schneiden sich in die Wälder, unzählige Skilifte sind Zeugen einer sich hauptsächlich am Wintertourismus orientierenden Wirtschaft. Also, warum sind wir hier schlussendlich drei Tage geblieben? Ja … gute Frage. Als wir von der Schweiz abgereist sind, haben wir für alle Fälle etwas Bargeld mitgenommen. Dieses wollten wir in Spanien in Euro umtauschen. Denkste! Eine Sache der Unmöglichkeit! In keiner spanischen Bank ist uns dieses Vorhaben gelungen. «Sie müssen Kunde der Bank sein» war mit «Beziehen Sie bitte Ihr Bargeld aus dem Geldautomaten am Eingang» die üblichen Antworten, meist gelangweilter oder leicht gereizter Bankangestellten. So blieb uns nichts anderes übrig, als unsere Chance in Andorra zu versuchen. Und es hat geklappt! Nicht ohne Umwege … aber es hat geklappt! Sabine wartete eine gefühlte Stunde, bis sie Ihr Geld umtauschen konnte. Die Banknoten wurden zwecks Fälschungserkennung beidseitig gescannt und ebenso die ID-Karte, unzählige Dokumente wurden ausgefüllt, der Chefin oder dem Chef nochmals «um sicher zu sein» gezeigt, der Kunde wurde über die Bankprovisionen informiert und …. endlich wurden uns die Banknoten ausgehändigt. Jep, jep Hurra!

Als wir Andorra verlassen, steht vor uns eine lange und anstrengende Fahrt. Ziel ist Ainsa, das grösste Zentrum südlich des Ordesa Nationalparks. Hier möchten wir die nächste 1-2 Wochen mit Wandern verbringen.

Die Piste führt uns über die «Serra del Teix» durch Wiesenlandschaften und ursprüngliche Wälder. Doch bevor wir wirklich losfahren können, werden wir inmitten des Waldes von der andorranischen Polizei gestoppt. Sie wollen herausfinden, ob wir Alkohol oder sonst irgendwelche Waren schmuggeln. Sie belassen es bei der Befragung und verzichten auf die Durchsuchung von Hannibals Eingeweiden.

Am heutigen Tag wollen wir einen grossen Schritt Richtung Westen kommen und wir fahren deshalb bis beinahe zum Eindunkeln nach Esterri d’Aneu.

Am nächsten Tag brechen wir für unsere Verhältnisse früh auf, d.h. vor 10 Uhr. Vor uns liegen die Pisten von Esterri d’Aneu nach Salardu und von da nach Viehla. Die Gegend wird touristischer. Erstmals treffen wir auf Gegenverkehr. Fahrräder, Wanderer und Ausflügler kommen uns in regelmässigen Wellen entgegen. Kein Wunder! Die Gegend ist leicht von der «anderen Seite» über eine geteerte Strasse zu erreichen. Zudem hat sie Berühmtheitsstatus, auch König Juan Carlos machte hier regelmässig Skiurlaub. In Wirklichkeit machen jedoch die hohen Gipfel der Pyrenäen, denen wir auf unserem Weg immer näherkommen, mächtig Eindruck auf uns. Fabrizio nutzt die Mittagspause auf dem 2050 Meter hohen Pass Montgarri für eine Zeitrafferaufnahme. Dann geht es weiter. Je näher wir dem Tal kommen, umso mehr stossen wir auf die ausladenden Feriensiedlungen. Aktuell sind die Fensterläden der meisten Häuser geschlossen. Sie werden vielleicht erst in ein paar Wochen, während der Hauptferienzeit der Spanier im August und dann wieder im Dezember, geöffnet werden. Wenigstens wurde bei den Ferienhäusern darauf geachtet, dass sie sich dem Stil der Gegend angepasst haben.

Auf dem schnellstmöglichen Weg, durch den Viehla-Tunnel verlassen wir diese durch den Tourismus verletzte Gegend. Wir fahren und fahren westwärts. Hannibals Getriebe ruht sich auf den kommenden 116 km geteerte Strassen bis Belsierre, dass ein Tor zum Ordesa-National-Park ist, von den strapaziösen zwei Tracks, die hinter uns liegen aus. Eigentlich war am Abend ein dritter Track geplant. Doch die dunkeln Wolken, denen wir entgegenfahren, und die in der Ferne grollenden Donner lassen die Vernunft obsiegen. Wir fahren nicht hoch in die Berge, sondern bleiben im Tal, wo wir von einem kurzen Gewitter eingeholt werden.

31. Juli – 02. August: Oto – Huesca

Ersterfassung: 05.08.2021Letztes Update: 07.09.2021

Das Wichtigste in Kürze:
Die Faszination der halbverlassenen Dörfer entlang unserer Route durch den «Parque Natural de Sierra y Cañones de Guaras». Das Dorf von Alquezar mit seiner „biblischen“ Ausstrahlung und die Felsenmalereien in den nahegelegenen Schluchten. 

Freitag, 31. Juli – Montag, 2. August, Oto – Huesca
Wetter: Sonnig mit frischem Wind, 20°C – 35°C

Eine der festgelegten Ziele unserer Spanienreise ist, so wenig wie möglich Hauptstrassen zu benutzen, um von A nach B zu kommen. Und so überqueren wie den «Parque Natural de Sierra y Cañones de Guaras» auf schmalen Nebenstrassen … und treffen kaum auf Gegenverkehr. Kleine, halbverlassene Dörfer säumen diese Verbindungswege und zeugen vom Glauben der spanischen Bevölkerung. Die Ruinen und Überreste von Kirchen sind oft in der Dorfmitte oder auf einer Erhebung gebaut. Manchmal werden diese von Schutztürmen oder sogar Burgen begleitet. Der christliche Glauben musste vor den Mauren bzw. dem Islam «kostet es, was es wolle» geschützt werden. Vor bzw. nach den Dörfern liegt meist ein verlassener Friedhof. Hier stirbt kein Mensch mehr … es gibt ja keine mehr, die in diesen Dörfern leben. Die «alte Generation» ist ausgestorben, die «junge» ist ausgezogen. Hie und da treffen wir auf hübsche, von «Städtern» renovierte Bauernhäuser.   Diese verbringen hier ihre Wochenenden oder ihre wohlverdienten Ferien.

Wir erreichen Alquezar am späten Nachmittag. Wir sind irgendwie erschöpft. Die Hitze und das Fahren haben von uns viel abverlangt. Alquezar liegt am südlichen Fuss des «Parque Natural de Sierra y Cañones de Guaras» und ist Ausgangspunkt für unzählige Wanderungen sowie das Zentrum von Freizeitaktivitäten wie Rafting und Canyoning. Entsprechend viele Anbieter trifft man auf dem Weg hierher sowie im Dorf selbst. Das Dorfbild ist «biblisch»! Alquezar wäre eine adäquate Kulisse für einen Sandalenfilm (historischen Film).

Die Burg, die ursprünglich von den Mauren zum Schutz des Dorfes auf einem Felsvorsprung gebaut wurde, wurde im Laufe der Geschichte von den Christen zurückerobert. Eine opulente fast verschwenderisch dekorierte Kirche mit einem schönen Kreuzgang wurde nach der Rückeroberung auf den Mauerresten der Festung errichtet.

Wir schlendern durch die schön erhaltenen und gepflegten Gassen von Alquezar. Weichen Touristen aus und sinnieren der Frage nach, «wie ist das Leben zu Zeiten der Maurer wohl gewesen?».

Das Wasser hat hier während Jahrtausenden ein Wunderwerk geschaffen. Tiefe Schluchten sind «das Markenzeichen» von Alquezar. Dass man hier auf Felsenmalereien treffen könnte, überrascht deshalb niemanden. Wir werden zwei Standorte zu Fuss erkunden. Die Felsenmalereien sind hier frei zugänglich, aber durch ein Gitter vor der menschlichen Idiotie geschützt. Was sich anfänglich wie eine einfache Wanderung angefühlt hat, entpuppt sich im Laufe des Tages als wahrhaftiger Kraftakt. Insbesondere am Nachmittag als unsere Batterien langsam im «rotem Bereich» sind, haben wir die Maler mehrmals zu Teufel gejagt. «Haben diese Trottel keinen besseren Ort gefunden, um ihre Felsmalereien anzubringen, zum Beispiel in der Nähe des Dorfzentrums von Alquezar?». Scherz bei Seite. Diese Künstler haben sich die denkbar unwegsamsten Orte ausgewählt. Hoch über der Schlucht, in einer vom Wasser ausgewaschenen Höhle wurde eine nicht mal 40x40cm grosse Zeichnung eines Hirsches (Abrigos de Chimichans) gemalt. Sie ist …. wunderschön!
Wir kommen ausgehungert und entkräftet bei der Höhle an. Vergessen jedoch beim Betrachten dieser kleinen Zeichnung schnell die Strapazen und bewundern sie ohne zu reden … beinahe, ohne zu atmen. Nur das Geschrei eines jungen Bartgeiers, der gefüttert werden will, stört die Stille.

Nach langer Zeit wieder in einer «Grossstadt». Huesca. Entgegen allen Befürchtungen kommen wir locker und ohne grosses Gefluche durch den Stadtverkehr. Huesca hat nahe am Stadtzentrum einen geräumigen Campingplatz eingerichtet. Dort treffen wir nach langer Zeit auf Schweizer Touristen. Eine Familie aus Bern, die auf der Flucht ist vor den miserablen Wetterbedingungen zu Hause. Sabine lässt sich für 29 EU einen neuen Haarschnitt verpassen, Fabrizio wartet geduldig eine knappe halbe Stunde vor dem Coiffeursalon. Wir besuchen ohne grossen Enthusiasmus das Stadtmuseum. Es ist für seine kunsthistorische Ausstellung mit ein paar Werken von Goya bekannt.

03. – 05. August: Huesca – Las Bardenas Reales

Ersterfassung: 10.08.2021Letztes Update: 07.09.2021

Das Wichtigste in Kürze:
Das „Castillo de Loarre“, dass aus dem Buch «Im Namen der Rose» von Umberto Eco zu entspringen scheint und die spektakulären Felsformationen „Los Mallos“ in der Nähe vom Dorf Riglos. Die «Spaghetti-Western» Kulisse der „Bardenas Reales“ mit seiner magischen Bergformationen und wüstenähnlichen Landschaften.

Dienstag 3. August – Donnerstag 5. August, Huesca – Las Bardenas Reales
Wetter: Sonnig und gegen Abend sehr warm, 20°C – 35°C

Huesca liegt bereits hinter uns. Heute sind wir (für unsere Verhältnisse) bereits sehr früh unterwegs. Ca. um 09:45 erreichen wir die Stadtgrenze und richten Hannibals Nase in Richtung Riglos aus. Dort sind spektakuläre Felsformationen zu besichtigen. Wir wählen eine Piste, die Fabrizio aus Wikiloc heruntergeladen hat. Sie erweist sich für Hannibal als zu eng. Äste und dürres Gebüsch hinterlassen sichtbare Kratzspuren auf beiden Flanken. Wir brechen die Übung nach wenigen Kilometern ab und folgen einer Nebenstrasse bis zum «Castillo de Loarre». Das Castillo scheint dem Buch «Im Namen der Rose» von Umberto Eco zu entspringen. Gebaut um das Jahr Tausend auf einem Fels ist die Burg die Hauptattraktion der Gegend. Als wir dort ankommen, staut sich bereits eine Horde Menschen vor der Eintrittspforte, um sich ein Ticket zu ergattern.

Uns löscht es ab. Keine Masken, keine Distanzen, drängende Leute. So bestellen wir zuerst zwei «Café con Leche» und trinken diese genüsslich auf der Terrasse des Empfangszentrums, danach fotografieren wir die Burg aus unterschiedlichen Perspektiven von aussen. Fabrizio «schiesst» ein paar Langzeitaufnahmen und lässt sich dabei von grossen schwarzen Ameisen unter Belagerung nehmen.

Kurz nachdem wir den riesige Parkplatz des Castillo de Loarre verlassen, biegen wir rechts auf eine Piste ab. Diese führt uns nach knapp zwölf Kilometern zu einem Bartgeier-Beobachtungsposten und einem Aussichtspunkt. Von dort oben sind die «Malos de Riglos» leicht zu sehen und in ihrer ganzen Pracht zu bestaunen. Sie erinnern in ihrer Form (nicht in der Farbe!) leicht an «Die Gurke». Der berühmte Bau von Normann Foster im Finacial District von London. Durch die sehr starken Windböen, die die Bergflanke hinaufrasen, ist es praktisch unmöglich scharfe Fotos zu knipsen. Sabine und ich wanken hin und her, wie zwei Betrunkene die nach einer Sauftour den Weg nach Hause zu finden versuchen.

Von Riglos tuckern wir gemächlich durch kleine Dörfer (LuesiaUncastilloSadaba), die noch Überbleibsel der bewegten Geschichte von Anfang des vorletzten Jahrtausends vorzuweisen haben: Burgen, Wehrmauern und immer wieder überdimensionierte Kirchen. Der Geruch von Feigenbäumen und von Staub empfangen uns jedes Mal als Willkommengruss, wenn wir Hannibal verlassen, um durch die Gassen dieser Dörfer kurz zu schlendern. Es ist bereits später Nachmittag und die Sonne zeigt sich von ihrer heissen Seite. Sie brennt auf unserer Haut und bringt uns zum Schwitzen.  Die Sitze in Hannibals Kabine kleben an unseren Schenkeln. Wir fühlen uns wie Fliegen, die sich an einem klebrigen Streifen Fliegenpapier hoffnungslos verfangen haben.

Vom Campingplatz Bolaso (ca. 12km süd-östlich von Sádaba) bis zu den «Las Bardenas Reales» sind es ca. 50 km. Wir entscheiden uns für einen späten Ausflug. Wir erhoffen uns davon ein besseres Licht für Fabrizios Fotos – was dann auch zutrefft – und mildere Temperaturen – nee … es bleibt heiss bis zur späten Stunde. Um 16:00 Uhr verlassen wir den Campingplatz, um kurz nach Sádaba auf eine Piste abzuzweigen, die uns zum Eingang «El Paso» der Bardenas Reales bringt. Nomen ist Omen!

Eine «Spaghetti-Western» Kulisse liegt vor der Motorhaube Hannibals. Die Ruinen von verlassenen verstaubten Bauernhäusern säumen die Hauptpiste, im Hintergrund machen wir Bergketten mit von der Erosion gezeichnete Felswände aus. Die Piste schlängelt sich gemächlich durch diese Landschaft wie eine träge Schlange nach einer üppigen Mahlzeit. Hinter jedem Hügel erwarten wir, von einer Horde aufgebrachter Indianer angegriffen zu werden oder auf eine Einwandererkarawane auf der Suche nach einem besseren Leben zu stossen. Sabine «darf» zum zweiten Mal Hannibal lenken. Sie macht es gut. Hannibal verhält sich ruhig, wie ein Gaul, der bereits gewohnt ist, geritten zu werden.

Die Las Bardenas Reales sind ein magischer Ort. Wir sind begeistert … auch wenn wir auf gewisse Widersprüche stossen. Teile des Gebiets sind für die Besucher gesperrt, da sie als Vogelschutzzone deklariert sind (Fahr- und Wanderverbotstafeln sind am Rand dieser Zone in regelmässigen Abständen aufgestellt). Inmitten dieses Gebiets dürfen aber Landwirte immer noch Getreide anbauen und ein Teil ist sogar zur Militärsperrzone erklärt worden.

Nichts destotrotz treffen wir auf eine Gruppe französischer Enduro-Fahrer, die uns aus dieser Zone entgegenkommt. Wir stoppen und machen sie auf das Fahrverbot aufmerksam. «Ah … es ist verboten?» geben sie uns zum Besten. Man muss ein hochgradiger Analphabet oder blind sein oder über einen IQ eines Dolendeckels verfügen, um die grossen und mit klaren Symbolen ausgestatteten Tafeln zu übersehen bzw. sie nicht lesen oder verstehen zu können/wollen. Es sind diese Momente, die uns für kurzer Zeit den Tag verderben! Dieses Gefühl oder diese Erwartung, die gewissen Leuten haben, alles sei unmittelbar erlaubt oder stehe zur eigenen Verfügung. No Limits!

05. – 12. August: Las Bardenas Reales – Polientes

Ersterfassung: 14.08.2021Letztes Update: 07.09.2021

Das Wichtigste in Kürze:
Unsere Stippvisite im Rijoa-Gebiet mit seinen köstlichen Weinen und monumentalen „Bodegas“. Die Stadt von Tarazona mit seinen gewaltigen kulturhistorischen Gebäuden. Unser epochalen Nachtessen im Restaurant „Terete“ in Haro. Das Darf von Peñacerrada, der neben zwei sehr schön erhaltene Wehrtürme und ein schmuckes Dorfzentrum auch über ein sensationelles ethnologisches Museum verfügt. Die Führung durch die 7000 Jahren alten «Salinas de Añana». Die Umgebung von Polientes  mit seinen Felsenkirchen.

Donnerstag, 5. August – Donnerstag, 12. August, Las Bardenas Reales – Polientes
Wetter: Sonnig und gegen Abend sehr warm, 20°C – 35°C

Wir weichen von der ursprünglichen Idee, nach den «Bardenas Reales» in Richtung Küste – und nach San Sebastian und Bilbao zu fahren – ab. Wir treffen auf eine spanische Familie, die uns von den bis auf die letzte Reihe (über-) gefüllten Campingplätze erzählt. Die Küste sei unter Belagerung und das Wetter ist regnerisch. Wir versuchen deshalb, Galizien auf dem «Landweg» zu erreichen.

… nicht ohne eine Stippvisite im Rijoa-Gebiet. Der Rebbau ist hier (kein Wunder) der Hauptzweig der Landwirtschaft. Unsere Route führt uns zuerst nach Tarazona, eine Stadt, die viel in Bezug auf Historie zu bieten hat, südlich an Logroño (die Grossstadt des Rijoa-Gebiets) vorbei, nach Fuenmajor. Von hier aus fahren wir, nach einer lärmigen Nacht auf dem Campingplatz, nach Laguardia, Elciego, Briones und Haro (die Hauptstadt des Rijoas) weiter.

Würde man hier bei jeder Bodega einen Degustations-Stopp machen, wäre ein Jahr nicht genug. Abgesehen davon, dass die kurvenreichen Strassen dem sicheren Fahren nicht entgegenkommen würden. Der Weinbau hat hier Leuten reich gemacht. Die erfolgreichsten unter ihnen haben ihre Weinkeller von berühmten Architekten zu eigentlichen «Kathedralen» (manchmal vom zweifelhaften Geschmack) erbauen lassen. So die Bodega Ysios, nördlich von Laguardia, die 2001 von Calatrava gebaut wurde. Sie erinnert eher an ein futuristisches Gotteshaus als an einen Weinkeller. Hier fragt man sich, ob ein solcher Bau die Qualität des dort produzierten Weins repräsentieren soll oder eher das Ego des Besitzers. Weine von Ysios konnten wir keinen degustieren, da man hier nur auf Reservation reinkommt. Ein Wächter beim Haupteingang ermahnt jeden, der diesem Heiligtum zu nahekommt, an die strikte Regel, dass nur Hotelgäste im Innern willkommen sind.

Im Gegensatz dazu konnten wir eine gemütliche Stunde in der Bodega Javier San Pedro Ortega, die vis-àvis von Ysios liegt, mit Wein-, Käse- und Wurstverkostung verbringen.

In Briones versuchen wir vergeblich zur Bodega Marques de Riscal, die in der Nähe des «Hotel los Calaos de Briones» liegt, zu kommen. Der Titan-Bau von Frank Gehry ist für Reisende «der» Anziehungspunkt schlechthin. 

Wir besuchen am späten Abend die Hauptstadt der Rioja-Region Haro. Von aussen sieht sie nicht besonders einladend aus. Anonyme Hauserblöcke säumen die Hauptstrasse, geschlossene oder zum Verkauf bzw. zur Vermietung angebotene Geschäfte zeigen, dass wahrscheinlich auch hier Covid seine Spuren hinterlassen hat. Als wir den Hauptplatz erreichen, werden wir von einer festlichen Atmosphäre überrascht. Leute sitzen gemütlich in Bars, die ihre Kunden an Tischen auf dem Platz bedienen, und trinken in laute und animierte Gespräche verwickelt ihre Drinks. Die Abendsonne, die bereits tief über dem Horizont liegt, erfüllt den Platz mit einem warmen Licht. Ein leicht kühler Wind zerzaust die Frisur einer älteren Dame, die sichtlich genervt diese wieder in «Ordnung» zu bringen versucht. Vor unserem Tisch diskutiert eine Gruppe junger Frauen über Kosmetik- «Probleme», hinter uns ereifern sich drei ältere Männer über Messi, der den FC-Barcelona verlassen und zum FC Paris Saint Germain wechseln wird, links von uns teilt sich ein junges Paar einen Tisch, aber jeder ist für sich in sein Smartphone vertieft. Hier wir nicht geredet.

Wir sind bereits seit zwei Monaten unterwegs und wollen dies gebührend feiern. Wir reservieren einen Tisch im Restaurant «Terete», das für sein «Cordero asado» bekannt ist. Punkt 21:00 Uhr, erst dann werden die Gäste für das Nachtessen eingelassen, stürmen wir zusammen mit einer französischen Familie, die ebenfalls ziemlich hungrig aussieht, das Lokal.

Wir bestellen das Menü «Reserva», ein Viergang-Menü inkl. Mineralwasser und einer Flasche Crianza aus der Eigenproduktion sowie Café und Brot.

Vorspeise: gebratene Blutwurst, die mit Reis gefüllt ist, begleitet von grillierten und leicht scharfen Peperoni. Einfach köstlich! Die Blutwurst ist in der Konsistenz dank des beigefügten Reises «kernig». Sie erinnert im Aroma nur im Entferntem an unsere.

Erster Gang: Gemüsesuppe (auch eine Spezialität des Hauses). Diese hat eher die Konsistenz von …. mmmm … einer Minestrone, bei der die Flüssigkeit eingedickt wurde.  Sie ist aber nicht «pampig» und hat immer noch «Biss». Als Gemüse wurden vor allem Artischockenherzen sowie Mangold und Erbsen verwendet. Die Konsistenz ist gewöhnungsbedürftig, aber es schmeckt sehr gut. 

Hauptgang: Geschmorte Lammkeule (eine ganze Lammkeule!) mit Salat. Das Fleisch ist butterzart, die Haut ist knusprig. Sensationell!

Dessert (und dies gilt nur für Sabine, da ich langsam wie eine gestopfte Gans aussehe): Kaffeekuchen mit einer Schokoladencrème. Exzellent! … Der Kellner hatte mit mir anscheinend erbarmen (oder kennt er seine Kunden besser als wir denken). Als er Sabine die Nachspeise bringt, bringt er auch zwei Gabeln. So konnte ich, trotzdem, etwas stibitzen,

Der Wein ist zwar gut, hat uns aber nicht gänzlich überzeugen können.

Das Ganze für knappe 40EU/Person.


Sonntag, 7. August

Wetter: Sonnig und gegen Abend sehr warm, 20°C – 35°C

Wir haben das gestrige üppige Festessen gut überstanden. Die Nach war ruhig und relativ warm. Heute steht uns für unsere Verhältnisse eine lange Strecke in Richtung Galizien bevor.

Wir Besuchen unterwegs das Dorf Peñacerrada, das neben zwei sehr schön erhaltenen Wehrtürmen und einem schmucken Dorfzentrum auch über ein sensationelles ethnologisches Museum verfügt. Hier werden in freizugänglichen Pavillons alte Landwirtschaftsgeräte fein säuberlich ausgestellt. Ich erkenne einige dieser Geräte sofort. Ich habe diese bei meinen Grosseltern in Emilia Romagna Mitte der sechziger Jahre in Einsatz erleben dürfen. Mir bleibt eine Dreschmaschine in Erinnerung. Diese wurde Ende August ins Dorfzentrum gebracht. Die Bauern brachten nacheinander – nach einer mir bis heute unklaren Reihenfolge – ihre Ernte zur Maschine zum Dreschen. Diese war gross, lärmig und hat viel zu viel Staub aufgewirbelt. Vor allem war sie extrem gefährlich. Gewaltige Lederriemen, die allesamt mit der Kardanwelle eines Traktors verbunden waren, haben die Maschine in Bewegung gesetzt. Die Personen, die rund um dieses Ungetüm gearbeitet haben, mussten wahrlich sehr umsichtig sein, um nicht ohne Finger, Hände oder noch schlimmer, ohne einen Arm zurück nach Hause zu kehren. Schön war aber, dass alle Familien gemeinsam ein Festessen gekocht haben und, nach getaner Arbeit gemeinsam mit den Hilfskräften verspeist haben. Das Essen war einfach köstlich.

Kurz vor 15.00 stehen wir beim Eingang des Besucherzentrums der «Salinas de Añana» im gleichnamigen Dorf. Dieser wir gerade von einem Angestellten geschlossen. «Es geht wieder um  15:45 auf» sagt er uns und verschwindet schnell bei der Hintertüre. Wir bleiben und warten. Zu gross ist unser Interesse an diese bizarre Anlage. Die Gewinnung von Salz begann vor 7000 Jahre und ist bis heute mit unterschiedlichen mehr oder weniger erfolgreichen Methoden weitergeführt worden. Wir buchen eine einstündige Führung und werden nicht enttäuscht.

PS:
Etwas bleibt uns von dieser Führung besonders in Erinnerung: die Frau, die uns durch die Salinen führt und ihre Beine. Unter ihren 3/8-Hosen schauen zwei Beinen hervor, die so haarig sind, wie diejenigen eines asturischen Bären. Als sie uns zu erklären versucht, wie man vermeidet, dass beim Verdampfen des Salzwassers sich Salzklumpen statt «Fleur de Sel» bilden, steigt sie barfuss in eine Salzlacke und rührt die Salzmasse mit einem Holzrechen.

Nach der Führung verweilen wir für einen kurzen Moment im Souvenirladen und erst nach langer und sorgfältiger Überlegung kauften wir zwei Päckchen «Fleur de Sel».

Montag, 8. August
Wetter: Sonnig und gegen Abend sehr warm, 20°C – 35°C

Nach einer garstigen Nacht im Camping Angostro in Villañane (ein kalter und starker Nordwind ist über den Campingplatz gefegt, so dass unser belgischer Nachbarn seine Piratenfahne, die er an einem Zeltpfosten angebracht hatte, schleunigst einpacken musste) ist Polientes unser heutiges Ziel. Polientes liegt im Ebro-Tal. Der Ebro ist übrigens der längste Fluss Spaniens. Hier planen wir unsere Weiterreise nach Galizien und besuchen die prähistorischen Felskirchen, die als «Markenzeichen» dieser Gegend bekannt sind.

Polientes scheint abseits vom Touristenstrom zu liegen. Bei den Sehenswürdigkeiten treffen wir wenige bis keine Touristen. Dies lässt uns Zeit, die Attraktionen «richtig zu erforschen» und ein paar Fotos zu knipsen, ohne die ganze Zeit jemanden vor der Linse zu haben. Wir finden die Gegend sehr reizend. Der Ebro hat sich im Laufe der Jahrmillionen einen Weg durch die Felsen «gefräst» und im «Nebenjob» etliche Höhlen aus den Felsenwänden herausgewaschen. Die Höhlen haben sich Gläubige zu Nutzen gemacht, um dort Einsiedeleien einzurichten oder Kirchen zu errichten. Das Sprichwort «Der Glauben versetzt Berge» wird uns hier eindeutig vor Augen geführt. Diverse dieser Gotteshäuser sind frei zugänglich. Der «moderne» Mensch hat sich diese Gelegenheit nicht entgehen lassen und hat diese Orte des Glaubens in Toiletten verwandelt.

Jeder hinterlässt seine Spuren: der Ebro in Jahrmillionen mit seiner Erosionsarbeit, die Einsiedler mit der Errichtung von Einsiedeleien und Felsenkirchen, der heutige Mensch mit seinen Nastüchern und Körperausscheidungen. Das stimmt uns sehr nachdenklich und lässt uns über die neuronale Entwicklung des Homo Sapiens Sapiens philosophieren.

13. – 24. August: Polientes – Santiago de Compostela

Ersterfassung: 26.08.2021Letztes Update: 07.09.2021

Das Wichtigste in Kürze:
Unsere Fahrt zum «Parque Natural de Somiedo» und die dort, durch den überfüllten Campingplatz,  erlebte Enttäuschung. Unser Mittagsstopp in Valdetja, wo wir in einem kleinem Restaurant zum ersten Mal einen asturischen Sauermost auskosten und in der gleichen Toiletten pinkeln, wo bereits Liam Neeson es zwei mal getan hat. Das UNESCO Weltkulturerbe «Las Medulas» (ehemalige römische Goldminen). Die gepflegte und schmücke Stadt von Allariz. Unsere Fahrt nach Portugal um die berühmten Kornspeicher «Espingueros» in Sojao zu besichtigen.

Freitag, 13. August – Montag, 16. August, Polientes – Parque Natural de Somiedo
Wetter: Sonnig und gegen Abend sehr warm, 20°C – 30°C

Heute steht eine «Mordsetappe» auf dem Programm. Wir haben gestern «Ferienbuchhaltung» gemacht, nicht im finanziellen Sinn, sondern wir haben die verbleibenden Ferientage mit der uns gemäss unserem Roadbook bevorstehenden Route verglichen und eine Diskrepanz festgestellt: Zu viele Kilometer und zu wenige Tage. Da Galizien auf unserm Programm zuoberst steht und wir dort eine «gewisse» Zeit verbringen möchten, müssen wir in unsere Reiseziele neu ordnen und mit dem Rotstift Abstriche vornehmen. Die «Highlights» werden neu bewertet. Entscheidendes Kriterium dabei, den Massen der sich zurzeit und bis Ende nächster Woche in den Ferien befindenden Spanier aus dem Weg zu gehen. «Der Pico de Europa» ist das erste Opfer dieses «Kahlschlages». Als «Kompensation» versuchen wir unser Glück beim «Parque Natural de Somiedo», bekannt für seine Bären, engen Täler und wilde Natur. Sabine klärt vorsorglich ab, ob es im Campingplatz «Lago de Somiedo» noch freie Plätze für das Wochenende gibt. Wir haben «Glück».

Einen «Umweg», welchen wir zufällig einschlagen, führt uns auf dem Weg nach Somiedo durch tiefe, wilde Schluchten.  In Valdetja entdecken wir eine kleine aber, wie sich erweisen wird, feine Beiz. Wir stoppen für ein kurzes Mittagessen: Gemischter Thonsalat und dazu eine Flasche asturischer Sauermost. Beim Sauermost fasziniert uns, wie die Einheimische ihn trinken. Die Flasche wird von Hand angehoben und dann langsam in Richtung Glas gekippt. Es braucht ein gutes Auge, damit beim ersten Versuch der Moststrahl das Glas trifft. Anfänger trinken mit dieser Schenkmethode bekanntlich sehr wenig. Geschmacklich ist der asturische gegärte Obstsaft gewöhnungsbedürftig. Er ist sehr sauer und enthält keine Kohlensäure und  … verursacht keinen Durchfall!

Übrigens: Sabine macht mich darauf aufmerksam, dass sogar der Schauspieler Liam Neeson hier zweimal gespiesen hat. Ich frohlocke und antworte Sabine «denk mal, wie meine Freunde reagieren werden, wenn ich ihnen erzähle, dass ich in die gleiche Kloschüssel wie er gepinkelt habe».

Eine steile, für Hannibal fast zu steile, Serpentine führt uns zum Campingplatz «Lago de Somiedo». Hier haben wir ein Plätzchen für drei Nächte reserviert. Als wir dort ankommen, trifft uns beinahe der Schlag. Auf dem Parkplatz vor der Reception stauen sich bereits dutzende Autos. Ein Gewusel von Menschen, spielenden Kindern und Hunden bewegt sich hastig zwischen den Mobilehomes und den Zelten hindurch – ein Gedränge wie auf dem Marktplatz von Marrakech. Hier oben scheint Covid noch nicht angekommen zu sein. Selten sehen wir jemanden mit Maske und, insbesondere bei den Toiletten, quetschen sich die Leute hinein wie die Ameisen beim Eingang ihres Haufens. Über dem Daumen geschätzt befinden sich hier mindesten 200-250 Personen. Für diese stehen insgesamt sechs Toiletten und doppelt so viele Duschen zur Verfügung. Dass es zu Drängeleien kommt, ist unausweichlich.

Am Rand eines Parkplatzgeländes können wir Hannibal parkieren. Dies ist unser «Plätzchen» für die nächsten zwei Tage. Morgen versuchen wir diesen Menschenmassen zu entfliehen und werden deshalb eine Wanderung zu einem Bergsee anpacken. Die Masse wird uns aber folgen. Und so treffen wir am Ufer des Bergsees den halben Campingplatz wieder.

Was bleibt uns von diesen zwei Tagen? Eine tiefgründige Enttäuschung über die Menschen, ihr Verhalten und ihre Uneinsichtig in Bezug auf die Covid-Situation. Die Landschaft ist zwar sehr schön, entschädigt uns aber nicht für das Chaos, das wir hier angetroffen haben

Es ist früher Morgen und eine klebrige Nebeldecke hat über Nacht das Tal «gefüllt». Eine dicke Schicht Tauwasser überzieht wie eine zweite Haut alle Gegenstände, die man nicht im Inneren des Fahrzeugs «in Sicherheit» gebracht hat. Nichtdestotrotz verlassen wir schleunigst Lago de Somiedo in Richtung Ponferrada.

Dienstag, 17. August, Ponferrada – Las Medulas – La Puebla de Sanabrias
Wetter: Sonnig und gegen Abend sehr warm, 20°C – 35°C

Ausserhalb von Ponferrada schlagen wir unser Zelt auf. Mit Hannibal durch den Stadtverkehr zu fahren ist echt kein Spass (sorry Hannibal!). Von hier aus erreichen wir am frühen Morgen das UNESCO Weltkulturerbe «Las Medulas». Die Römer haben hier Gold geschürft. Die angewendete Methode erinnert an jene, die die Goldschürfer im Klondike eingesetzt haben. Da die goldführenden Sedimente sich unter einer bis zu 100 m dicken Schicht aus «tauber» Erde und Gestein befanden, musste diese zuerst entfernt werden. Ein ausgeklügeltes Tunnelsystem, welches mit Wasser geflutet wurde, brach die Bergwände zum Einsturz und legte das Gold zum Waschen frei. Noch heute sind die Spuren der Tunnelarbeiten erkennbar.  Eigens dafür wurde über ein 600 km langes Kanalsystem das Wasser aus der Umgebung herbeiführt. Als die goldführende Schicht erschöpft war, blieben die Überreste dieser titanischen Arbeit zurück, die «Las Medulas». Wie Zähne eines Krokodils ragen die Überreste der Minen rot gegen den Himmel inmitten einer grünen üppigen Vegetation. So ein Blick, muss bei einem heutigen Goldschürfer wie Fabrizio einen Kurzschluss auslösen. Er sieht sich schon mit einem Metalldetektor und einer Waschpfanne ausgerüstet, in diesem Canyon artigen Landschaft nach den Überbleibseln dieser goldigen Ära schürfen.

Über wenig befahrenen Landstrasse entlang einer endlosen Reihen von Schieferstein-Minen erreichen wir am späten Nachmittag die Stadt Puebla de Sanabria.

Mittwoch, 18. August,  La Puebla de Sanabrias – Allariz
Wetter: Sonnig und gegen Abend sehr warm, 20°C – 35°C

La Puebla de Sanabria wird als einer der schönsten Städte Spaniens angepriesen (wir sind mit dieser Bewertung nur bedingt einverstanden). Dies hat zur Folge, dass sie mit Touristen überfüllt ist. Die Altstadt ist voll mit Souvenirständen und Läden, die ein breites Sortiment an Tontöpfen und sonstigem Nötigen/Unnötigen anbieten. Wir essen in einem überteuerten Restaurant und bleiben nur eine Nacht. Unser nächstes Ziel ist die Stadt von Allariz (25km südöstlich von Ourense). Wir erreichen diese über zwei Pisten, die uns durch das Hochland der Region führen. Zuerst fahren wir entlang eines weit angelegten Windparks, dann durch Heidelandschaft. Es ist eine gemütliche Fahrt, bis auf einen kurzen Zwischenfall (dazu später). Wir sind hier oben allein und die Weitsicht reicht bis zum fernen Horizont. Dass die Stromgewinnung ein wichtiger Wirtschaftsfaktor ist, erkennt man neben den riesigen Dimensionen der Windanlagen, die die Hügelgrate mit ihren gigantischen Turbinen säumen, auch an den etliche Stauseen auf unserem Weg.

Und nun zum Zwischenfall: Hannibal ist bekanntlich ein relativ breites Fahrzeug. Dies ist für niemanden überraschend … solange man nicht auf eine sehr enge Piste gerät! Dies passiert uns, als wir unverhofft auf einen wenig unterhaltenen Weg abzweigen, der sich durch zwei bereits geerntete Getreidefelder schlängelt. Links und rechts von uns Ginster- und Brombeerbüsche, Eichen- und Kastanienbäume mit tiefhängenden Ästen. Der Lack bekommt dies als erstes zu spüren. Je weiter wir fahren desto enger wir das Ganze. Fabrizio steigt aus und erkundet die nächsten 500m zu Fuss. Sein Verdikt: Durchkommen nur mit Blechschaden! Es gelingt uns, irgendwie Hannibal zu kehren und dieser prekären Lage zu entwischen. Dies muss für uns ein Warnsignal sein. In Galizien sind die Pisten häufig schlecht unterhalten und sehr eng.

 

Mittwoch, 18. August – Sonntag, 22. August: Allariz
Wetter: Sonnig, leicht windig, am Morgen frisch, 16°C – 32°C

In Allariz erleben wir Höhen und Tiefen. Höhen, da die Stadt uns und von ihrer schönen Seite empfängt. Die Altstadt ist gepflegt und mit schmucken Läden bestückt. Die alten Gebäude zeugen von einer reichen Vergangenheit. Am Fuss von Allariz fliesst gemächlich der Rio Arnoia dahin und bietet schattige Plätze und schöne Naturecken für den aufmerksamen Passanten. Wir geniessen insbesondere die aussergewöhnliche Ruhe.

Tiefen, da wir uns den Wunsch, die Stadt noch besser kennen zu lernen, nicht erfüllen können. Fabrizio bleibt den ganzen Samstag Ausserbetrieb (Müdigkeit und Magenverstimmung), Sabine den ganzen Sonntag (dieselben Symptome). Das Wetter könnte nicht schöner sein: blauer Himmel und heisse Temperaturen. Eine am Freitag unternommene ca. 200 km lange Rundfahrt bis nach Sojao (Portugal) um die berühmten Speicher «Espingueros» zu besichtigen -die übrigens auch für Galizien typisch sind – scheint unsere letzten Kraftreserven aufgebraucht zu haben. So bleibt uns nichts anders übrig, als zwei weitere Tage im Campingplatz von Allariz zu verbringen, um uns beide wieder auf die Beine zu bringen.

Montag, 23. August: Allariz – Pontevedra
Wetter: Sonnig, leicht windig, am Morgen frisch, 14°C – 32°C

Wir Verlassen Allariz mit Wehmut. Fabrizio hat keine Lust, die geplanten Pisten zu befahren. Einerseits führen diese fast allesamt durch Wälder und, wir befürchten, dass tiefhängende Äste uns das Leben schwer machen würden und andererseits wollen wir nicht nur Pisten fahren, weil wir einen Offroader besitzen. Es ist eher der umgekehrte Fall. Wir können aber wir müssen nicht Pisten fahren, wenn es uns nicht drum ist oder wenn wir den Sinn darin nicht sehen.

Die Fahrt nach Pontevedra führt uns durch teils öde Landschaften. Grosse Waldflächen sind abgeholzt und durch Eukalyptus-Monokulturen ersetzt worden. Würden wir auf der rechten Strassenseite fahren, könnte man meinen, wir befänden uns in Australien.

Die Verkehrsdichte ist höher als auf den oft einsamen Strecken in den Pyrenäen und durch Asturien. Dies stresst uns ein wenig. Das kommt hauptsächlich von der Aufsässigkeit der spanischen Autofahrer, die einem wie Schmeissfliegen an der hinteren Stossstange kleben.

Irgendwie kann uns bis dato Galizien (mit Ausnahme Allariz) noch nicht in seinem Bann ziehen. An dieser Wahrnehmung wird sich auch in den nächsten Tagen nichts ändern.

In Pontevedra, nachdem wir uns durch den dichten Stadtverkehr «gequetscht» haben, schlendern wir etwas lustlos durch die Altstadt. Die Museen, die wir besuchen wollen, sind allesamt geschlossen. Die Restaurants haben gerade ihre Mittagsschicht fertig und servieren keine Malzeiten mehr.

Um ums wieder aufzumuntern, essen wir im Dorfrestaurant «Casa Chano» von Redondela (ca. 20 km südlich von Pontevedra) eine vorzügliche Fischplatte.

 

Dienstag, 24. August: Pontevedra – Santiago de Compostela
Wetter: Sonnig, leicht windig, 19°C – 30°C

Je näher wir Santiago de Compostela kommen, desto dichter wird der «Pilger»-Strom der, der diese Stadt zum Ziel hat, die das Ende ihrer wochenlangen Anstrengung bedeutet. Die Menschen laufen am Strassenrand, allein, paarweise oder in kleinen Gruppen. Viele unter ihnen haben einen Holzstock und sehen aus wie Hirten, die ihre Schafe verloren haben. Sie tragen keine bis schwere Rucksäcke. An ihnen sausen Lastwagen, Motorräder, Autos und alles was Räder hat vorbei. Sie bleiben, getragen von ihrem Glauben oder von ihrer innerlichen Motivation, unbeirrt und fokussiert. Der Weg ist das Ziel!

Um die ärgste Nachmittagshitze zu umgehen, besuchen wir um 17:00 Uhr die Altstadt von Santiago de Compostela. Was hier im Namen der Religion für gewaltige Bauten errichtet wurden, verschlägt uns die Sprache. Die imposante Jakobskathedrale überragt mit ihrer Grösse alles, was wir bis jetzt gesehen haben. Ein ebenso imposanter Strom von Touristen drängt sich zum Besuchereingang. In Santiago de Compostela hat man von Covid noch Nichts gehört. Insbesondere im Inneren der Kathedrale, erinnert den Menschenstrom an die Stosszeit im unterirdischen S-Bahn-Bahnhof von Zürich. Glauben versetzt Berge und allenfalls auch Covid.

Aus den Lautsprechern ertönt die mahnende Stimme eines Ordnungshüters, der die Menschenmenge daran erinnert: «Wir sind hier in eine Kirche! Bitte seid leise, nimmt eure Hüte ab und verwendet nicht den Blitz beim Fotografieren». Vergebens!

24. – 31. August: Santiago de Compostela – Salamanca

Ersterfassung: 04.09.2021Letztes Update: 07.09.2021

Das Wichtigste in Kürze:
Galizien, Santiago de Compostela sowie Teile der galizischen Küste können uns irgendwie nicht in ihren Bann ziehen. Die von der Holzwirtschaft „verschandelten“ Berghügel und die Monokulturen von Eukalyptus-Bäumen hinterlassen einem einen bitteren Nachgeschmack. Einzig die galizische Küche konnte uns immer wieder vom Neuem überraschen und begeistern.

Mittwoch, 25. August: Santiago de Compostela – Fisterra
Wetter: Sonnig, 14°C – 26°C

Santiago de Compostela liegt bereits hinter uns und wir sind in Richtung Küste unterwegs. Wir werden heute und die kommenden Tage versuchen, die berühmte wilde galizische Küste zu erkunden. Ca. 5km südlich von Porto do Son besichtigen wir die Ruinen des keltischen Dorfes von «Castro de Baroña». Erst 1933 entdeckt, ist dieses heute als Weltkulturerbe eingetragen und geschützt. Auch hier schlängeln wir uns durch Menschenmengen. Kinder spielen mit dem Segen ihren Eltern mit den Steinen der Gemäuer, andere Besucher klettern – um ein besserer Blick auf die Anlage zu bekommen – auf die Ruinen und weitere sitzen gemütlich in Gruppen zusammen, gerade dort wo die Wege am engsten sind. Da die Anlage frei zugänglich ist, gibt es auch keine Kontrolle und die Menschen tun somit was sie immer tun … they do not care!

Es ist 14:30 Uhr und unser Magen reklamiert «Ich bin hungrig!». Sein Hilfeschrei ist unüberhörbar. In Porto do Sol essen wir im Hotel Gastronomico Vil einen «epochalen» arroz y marisco, einer der Besten, den wir je auf unsere Gabel bekommen haben.

Seitdem wir Galizien erreicht haben, erleben wir am Morgen beim Erwachen eine dichte Nebelschicht. Der Himmel ist weiss, die Schlafsäcke sind feucht und die Campingstühle nass. Es dauert bis gegen 11:00 Uhr bis die Sonne Oberhand bekommt. Als wir das Cabo Fisterra erreichen, ist die Sicht auf knapp 5m geschrumpft. Pilger, die hier ihre «Reise» beenden wollen, erscheinen wie Geister am Strassenrand. Der Nebel hat die Menschen nicht daran gehindert, hierher zu fahren (uns auch nicht). Der Parkplatz ist bereits besetzt und überall tauchen Menschen aus der Nebelsuppe auf. Vorsichtig kehren wir Hannibal und machen uns aus dem Staub.


Donnerstag, 26. August – Sonntag, 29. August: Fisterra – Valdoviño.
Wetter: Sonnig, 12°C – 30°C

Das letzte Ferienwochenende für die Spanier hat es in sich. Es ist lärmig … überall! Die Liebe der Spanier zu den «Perros» hat die Campingplätze in Hundeausstellungen verwandelt. Links und rechts kläffen sich die Köter die Seelen aus dem Leib. Die Besitzer versuchen, mit weniger Überzeugung, ihre Lieblinge zur Ruhe zu bringen. Erfolglos! Bis tief in die Nacht hallen die «Wau … Waus» in der Luft.

Abgesehen vom schönen Strand, hat Valdoviño wenig zu bieten.

Was bleibt uns von dieser Strecke in Erinnerung? Ja, schade konnten wir in Betanzos keinen Halt machen. Diese Stadt ist für ihre schöne weissen Häuser in typisch galizischen Stil bekannt. Wir haben hier leider keinen Parkplatz ausmachen können.

Kurz vor Ferrol entscheiden wir uns spontan, das Restaurant «Muiño do Vento» zu besuchen. Als wir die dort parkierten Autos sehen, merken wir, dass es sich hier um ein «spezielles Restaurant» handeln muss. Diverse Gault Millau Auszeichnungen am Restauranteingang zeugen von einer guten bis sehr guten Küche. Der Maître de Table mustert uns skeptisch, als wir ihn nach einem freien Tisch fragen. «Habt ihr eine Reservierung?», fragt er uns etwas hochnäsig (bilden wir uns das mit der «Hochnäsigkeit» nur ein?). «Nein» ist unsere prompte Antwort. Er blättert wichtigtuerisch in seinem Reservierungsbuch …. und sagt dann unverhofft, «folgen Sie mir».

Wir essen sehr gut. Die Rechnung fällt für schweizerische Verhältnisse, Gault Millau zum Trotz, günstig aus.


Sonntag, 29. August – Dienstag, 31. August: Valdoviño – Salamanca
Wetter: Sonnig, 14°C – 30°C

Der Entscheid steht fest: wir möchten Galizien hinter uns lassen und ins Landesinnere in Richtung Salamanca aufbrechen. Eine ca. 1000km lange Reise, die uns entlang der galizischen Küste, bis O Porto do Baquero und über Umwege nach Puebla de Sanabria und von da über eine Piste durch die «Sierra de Culebra»  nach Salamanca bringt, steht uns bevor. Nach Puebla de Sanabria lassen wir Hannibals Aufhängungen so richtig «krachen» und träumen in Pino del Oro, wo wir eine alte römische Goldmine besichtigen, vom Goldsuchen (mindestens Fabrizio). Salamanca ist nicht mehr weit. Hier kommen wir am Dienstagabend um 18:30 Uhr an und gönnen uns ein prächtiges Nachtessen.

Aber … alles der Reihe nach ….

Die galizische Küste zeigt sich zwischen Cedeira und O Porto do Baquero von ihrer rauen Seite. Sehr schöne weisse Sandstrände alternieren mit spektakulären, steilabfallenden Klippen. Unzählige Leuchttürme (allesamt sicherlich einer Besichtigung Wert) säumen die Küste und machen die Seefahrer frühzeitig auf die Gefährlichkeit der Meeresgründe aufmerksam.

Die Inlandstrecke zwischen O Porto do Baquero und Becerreà biete für unser Geschmack wenig. Ganze Landstriche sind der Holzwirtschaft zum Opfer gefallen. Kahl «rasierte» Berghänge wecheseln sich mit Eukalyptus-Monokulturen ab. Obwohl uns dieser Blick an Australien erinnert, entflammt sich in uns kein Feuer.

Es soll Wölfe geben! 8 km südlich von Puebla de Sanabria ist diesem missverstandenen und immer noch verteufelten Tier ein Forschungszentrum gewidmet: das «Centro del Lobo Ibérico». Leider, leider muss man sich hier im Voraus ein Ticket im Internet erstehen (was wir kläglich versäumt haben). Und so treffen wir auf verschlossene Türen als wir voller Freude beim Centro ankommen. Die nächste Gelegenheit für eine geführte Besichtigung bietet sich erst in drei bis vier Tagen wieder. So lange möchten wir in dieser Gegend nicht ausharren.

Fabrizio hat sich von Wikiloc eine Piste heruntergeladen. Sie führt uns auf Wegen, die für die Forstwirtschaft zur Waldnutzung und -pflege erstellt wurden, querbeet durch die «Sierra de Culebra» (wo es noch freilebende Wölfe geben soll). Wir freuen uns sehr, wieder auf Mischwälder zu treffen. Die Piste ist, bis auf wenige Stellen, leicht zu befahren. Das «Dreamteam» Hannibal & Fabrizio müssen sich nur zweimal beweisen als es tiefe bzw. steile Schluchten und Auswaschungen zu überwinden gilt.

«Schau mal!» ruft Sabine aus dem Nichts und zeigt mit der Hand auf eine Infotafel am Dorfeingang von Pino de Oro (Nomen ist Omen!). «Sendero de la minas romanas de oro» steht auf der Tafel. «Let’s have a look» frohlockt Fabrizio. Die Landschaft ist hier von erodierten Granitblöcken und Quartzadern geprägt. «Ich habe das schon gesehen» sagt Fabrizio euphorisch. Im 2016 und 2018 als er in North-Queensland, Australien, auf Goldsuche war. Ausser, dass es hier keine gefährlichen Schlangen und Kängurus gibt, sieht diese Region derjenigen zwischen «Mt. Hogan» und «Gilberton» sehr ähnlich. Wir verbringen eine gute Stunde entlang des «Sendero de la minas romanas de oro» und staunen, über das was die Römer für eine Ausbeute von mickrigen 3gr/t Gestein alles angestellt haben.

Nach Pino de Oro ändert sich die Landschaft radikal. Die lieblich hügelige mit ihren Steinzäune kleinräumig unterteilte Landschaft geht abrupt in eine Ebene mit riesigen, abgeernteten und stoppeligen Getreidefeldern und Weiden für die Rinderzucht über.

31. August – 04. September: Salamanca

Ersterfassung: 06.09.2021Letztes Update: 08.09.2021

Das Wichtigste in Kürze:
Was für eine wunderschöne Stadt Salamanca ist! Gemeint ist hier die Altstadt mit seiner Universität, Bibliothek und dem monumentalen «Plaza Mayor», um nur ein Paar Sehenswürdigkeiten zu nennen. Noch nie haben wir hier in Spanien eine so «laid-back» Altstadt erlebt.

Dienstag, 31. August – Samstag, 04 September:  Salamanca
Wetter: Bewölkt und regnerisch, 15°C – 25°C

Zwei fette schwarze Ameisen streiten sich um eine Brotkrume, die von unserem Frühstückstisch auf den Boden gefallen ist. Herrlich! Die Nacht war ruhig und … leise! Kein bellender Hund, kein kreischendes Kind, keine Umz- … umz- … umz- … Musik, einfach Nichts!

Es hat kurz geregnet. Für uns ein seltenes Ereignis hier in Spanien. Seit drei Tagen verweilen wir mittlerweile in Salamanca. Was für eine wunderschöne Stadt! Gemeint ist hier die Altstadt mit seiner Universität, Bibliothek und dem monumentalen «Plaza Mayor», um nur ein Paar Sehenswürdigkeiten zu nennen. Noch nie haben wir hier in Spanien eine so «laid-back» Altstadt erlebt. Sie ist grösstenteils verkehrsfrei, was zu einer grossen Beruhigung führt. Sie ist sauber. Kein Hundekot weit und breit.

Wir flanieren durch die Gassen und staunen immer wieder über die kolossalen Bauten, die die Geschichte dieser Stadt uns glücklicherweise zum Bewundern zurückgelassen hat.

Selbst als nach Sonnenuntergang die Laternen auf dem Plaza Mayor angehen und ein Raunen voller Bewunderung durch die Menschenmenge geht und sich der Platz zusehends mit Touristen, Einheimischen, Freunden und Verwandten füllt, bleibt die Atmosphäre ruhig. Keine Hektik stört das Gesamtbild. Stundenlang beobachten wir dieses Kommen und Gehen in einem der vielen Restaurants mit einem Glas Weisswein und geniessen diese einzigartige, ja sogar festliche Stimmung.

04. – 10 September: Salamanca – Cacères

Ersterfassung: 08.09.2021Letztes Update: 20.09.2021

Das Wichtigste in Kürze:
Segovia war im Vergleich mit Salamanca überbevölkert mit Touristen. Die Stadt selber hat zwar viel zu bieten, wir waren aber wenig „impressed“. Die gewaltigen Stadtmauern von Avila haben uns sehr beeindruckt, nicht so die Stadt selber. Cacerès mit seinem Altstadt-Kern „Ciudad Monumental“ hat uns in seinem Bann gezogen. Man konnte hier den „Geruch der Zeit“ noch riechen.

Samstag, 04 September:  Salamanca – Segovia
Wetter: Leicht bewölkt dann aber sonnig, 18°C – 32°C

Wer Salamanca sagt muss im gleichen Atemzug auch Segovia und Avila erwähnen. Segovia erreichen wir via Tordesilla, eine Stadt, die über eine gewichtige Historie verfügt und ein sehr sehenswertes Kloster hat.

Eine gewichtige Historie, weil hier die Spanier und Portugieser unter sich die Aufteilung und Herrschaft über Südamerikas Kolonien entschieden und vertraglich besiegelt haben. Das Kloster konnte wir nicht besichtigen, da die max. Anzahl Besucher bereits erreicht war. So bleiben wir vor dem Eingang wie «bestellt und nicht abgeholt» stehen. Unser Ärger besänftigten wir mit einer Schnecke aus Vanillecrème und Plunderteig.

Wir verlassen Tordesilla nach nicht einmal einer Stunde. Vor uns erstrecken sich unendliche abgeerntete Getreidefelder. Die Sonne heizt bereits schön ein und wir werden Zeuge einer Windhose. Beeindruckend.

Segovia erreichen wir am frühen Nachmittag. Von Weitem sind die Silhouetten des «Alcazar de Ségovia» und der Kathedrale zu sehen. Die Stadt wirkt imposant und mächtig. Als wir sie am späten Nachmittag besuchen, macht der «Plaza Mayor» auf uns einen schmächtigen Eindruck und die von ihr abzweigenden Gassen erscheinen uns eng und überfüllt. Im Gänseschritt bewegen wir uns in einer dichten Menschenmenge von der Plaza Mayor zum riesigen Aquädukt und wieder zurück und dann weiter zum Alcazar. Ja wie soll man diese Burg, die Disney-Land Pate stand, beschreiben. Einerseits sind die bearbeiteten Fassaden Meisterwerke und andererseits wirkt das ganze etwas kitschig auf uns. Nach einer überteuerten «copa de vino blanco» entscheiden wir uns, die Stadt am nächsten Tag zu verlassen. Nach dem bezaubernden Salamanca hat jede andere Stadt einen schweren Stand.

Sonntag, 05 September:  Segovia – Avila
Wetter: Sonnig, 18°C – 29°C

Auf Empfehlung eines schweizerisch-spanischen Paars geben wir uns einen Ruck und fahren Richtung Avila, um die Stadt mit einer der besterhaltenen mittelalterlichen Stadtmauern zu besuchen. Bevor wir dies tun können, gilt es eine Unterkunft zu finden (im Umkreis von rund 70 km gibt es keinen Campingplatz) und dies ist eben so eine Sache: Eine mittelalterliche Stadt ist durch enge Gassen geprägt. Wir glaubten zwar, ein Hotel ausserhalb der Kernzone gewählt zu haben, aber dem ist nicht so. Olga – wir haben unsere Maps.me-Stimme so getauft, führt uns immer wieder in enge Gassen oder weist uns den Weg durch Einbahnstrassen aber in die falsche Fahrtrichtung. Wir wollen Sie austricksen, wählen eigene Wege … aber auch diese führen nicht zum Ziel. Entnervt wollen wir nach ein paar Versuchen aufgeben … aber nicht, ohne einen Blick von einem Aussichtspunkt auf die Stadtmauern werfen zu können. Und beim Aussichtspunkt werden wir fündig: Nicht nur in Bezug auf den One-billion-dollar-Blick, sondern hier finden wir auch gleich auf der gegenüberliegenden Strassenseite unser Hotel «4Postes» mit dem ultimativen Blick auf die am Abend beleuchtete Altstadt. Bevor Fabrizio nach Sonnenuntergang seine X-Dutzend Aufnahmen knippst, besichtigen wir Avila zu Fuss und begehen ca. 1.3 km der ursprünglichen Stadtmauern mit unzähligen Türmen.  Einmal mehr sind wir sprachlos, ob der gewaltigen Leistung unserer Vorfahren.

Montag, 06. – Dienstag, 7. September:  Avila – Caceres
Wetter: Sonnig bei 32°C

Mit bedecktem Himmel fahren wir in einer Zweitagesetappe nochmals Richtung Westen mit Endziel Cacéres. Der Himmel ist mit Wolken überzogen, es ist schwülheiss und unsere Lust, Neues zu entdecken hält sich in Grenzen. So schnüren wir nicht unsere Wanderstiefel, als wir die Sierra de Gredos durchqueren und brechen am nächsten Tag unsere Wanderung im Nationalpark de Monfragüe schon vor der Hälfte ab. Es ist schlichtweg zu heiss und uns fehlt die Kraft oder allenfalls die innere Motivation. Who knows. Nach drei Monaten macht sich eine gewisse Übersättigung bemerkbar. Wir haben in diesem wunderbar vielfältigen Land schon sehr viel Einzigartiges erleben dürfen. Der Speicher ist bis an den Rand gefüllt.

So schlagen wir bereits am frühen Nachmittag unser Lager im Campingplatz vor den Toren Cacéres auf und ruhen uns erstmal gehörig aus, bevor wir am Abend wie es im Lonely Planet heisst «einer der schönsten Städte Spaniens» besichtigen. Der Führer hat keineswegs übertrieben. Als wir durch ein Tor in der Stadtmauer die mittelalterliche «Ciudad Monumental» betreten, glauben wir uns in einem anderen Zeitalter. So perfekt erhalten sind die engen, kopfsteingepflasterten Strassen, Paläste, Türme, Kirchen usw. Für Stunden fühlen wir uns wie Entdecker und erforschen jeden uns zugänglichen Winkel. Hier werden wir ein paar Tage verweilen und uns wie Ritter und Edeldame fühlen.

10. – 14. September: Cacerès – Cazorla

Ersterfassung: 20.09.2021Letztes Update: 01.10.2021

Das Wichtigste in Kürze:
Glauben, Kriegen und Konquistadoren haben Reichtümer angehäuft, die jenseits unserer Vorstellungskraft liegen. Die  würden zur Finanzierung von Kirchen, Kathedralen und Städte eingesetzt. Was zurückbleibt sind die wunderschönen Städten und Dörfer von Cacerès, Trujillo und Guadalupe.

In Trujillo degustieren zum ersten Mal wunderbaren Mandelgebäcks.

Freitag, 10. – Dienstag, 14. September: Cacerès – Guadalupe – Almagro – Cazorla
Wetter: Sonnig bei 22-32°C mit vielen schönen Wolken.

Es ist 03:00 Uhr nach Mitternacht und ich starre etwas entnervt die weisse Unterseite unseres Hubdaches an. Neben mir Sabine, die mit regelmässiger Atmung tief und ruhig schläft. Das laute Gebell eines Hundes hat mich aus dem Schlaf gerissen. Er kläfft ununterbrochen weiter und so tun es auch andere Hunde in der Nachbarschaft. Reden sie miteinander? Frage ich mich. Wenn man genau hinhört, gibt es unterschiedliche «Wau … Waus». Es gibt davon lange, eher wie ein Geheul, und kurze eher wie ein Hustenanfall. Lang … lang … kurz … kurz …. kurz etc. Es scheint eine Art Morse-Code. Da ich wach bin und es keinen Anschein hat, dass ich bald wieder einschlafe, lasse ich die letzten Tage wie die Perlen eines Rosenkranzes Revue passieren.

Cacerès ist der Wendepunkt. Wir wenden Hannibal’s Nase in Richtung Osten. Von hier werden wir uns langsam, aber stetig unserem Zuhause in Männedorf annähern. Wir möchten diverse Dörfer besichtigen und eine Piste befahren, die nord-östlich von Grenada beginnt und bis nach Teruel führen wird.

Wir verlassen Cacerès nachdem wir unserem Proviant wieder aufgestockt haben. Einen ersten Halt machen wir in Trujillo, dem Heimatdorf des Konquistadors Pizarro. Es ist eher Zufall, dass wir hier stoppen. Als wir uns dem Städtchen Trujillo von Westen her nähern, macht uns sein Erscheinungsbild neugierig.  Es hat etwas «Biblisches» und erinnert mich an ein Bild, das bei meiner Grossmutter oberhalb des Bettes an der Wand hing. Es zeigte die Stadt Jerusalem auf einem Hügel, umgeben von Trockenmauern, prächtigen Gärten, Zypressen sowie Feigen- und Olivenbäumen. Wir laufen den Hügel hinauf und kommen aus der Bewunderung nicht mehr heraus. Welche prachtvollen Bauten! Diese wurden durch die Schätze, die Pizarro nach der Eroberung des heutigen Perus in seine Heimat zurückgebracht hatte, finanziert. Auf der «Plaza Mayor» thront er heute noch auf seinem Pferd in heroischer Pose.

Hätte ich fast vergessen! In einer Konditorei kaufen wir uns zwei typische Mandelgebäcke und staunen über dem Preis. Vier Leckereien für stolze 10 EU. Nachdem wir sie anbeissen, verstehen wir warum sie für spanischen Verhältnissen «teuer» erscheinen. Sie schmecken einfach himmlisch! Der Mandelteig ist zart und feucht, nicht allzu Süss und das Mandelaroma ist tiefgründig und gleichzeitig vielschichtig. Keine Spur von künstlichen Aromen. Das Handwerk hat auch hier in Spanien seinen Preis … unser Fazit.

Freitag, 10. September: Guadalupe
Gegen 14:00 Uhr verlassen wir Trujillo und peilen das Dorf Guadalupe in der «Sierrra der Villuercas» an. Hier wollen wir das prachtvolle Kloster «Real Monasterio de Santa Maria de Guadalupe» besichtigen, welches im 14 Jahrhundert erbaut wurde, nachdem einem Schäfer die heilige Maria in einer Vision erschienen war. Es handelt sich bis heute um eine der wichtigsten Pilgerstätten Spaniens.  Wir ergattern noch zwei Eintrittskarte für die letzte geführte, einstündige Besichtigung um 18:00 Uhr. Was wir während der Führung zu Gesicht bekommen, macht uns sprachlos und gleichzeitig auch nachdenklich. Wir sind von den prachtvollen Dekorationen und den ausgestellten Reichtümern sowie Kunst- und Handarbeiten überwältigt. Uns bleibt die Spucke weg, als wir die mit Goldfäden durchwirkten und mit Diamanten besetzten Brokatstoffe der Priestergewänder, die feingearbeiteten Wandteppiche in einer Vielfalt und Vollendung, die ihresgleichen sucht, sowie die 50 kg schweren Gesangsbücher mit Seiten aus feinstem Kalbsleder bewundern.

Die Kehrseite … die ganze Pracht wurde Dank des Raubgutes, das aus kriegerischen Handlungen in der «Neuen Welt» stammte, finanziert. Ironie der Geschichte, die Reichtümer wurden später auch wieder veräussert, um Kriege zu bezahlen: Zur Optimierung der Kriegskasse wurden Edelsteine aus Talaren entfernt und verkauft und durch Halbedelsteine ersetzt.

So verdankt Trujillo seine Schönheit dem Verschwinden einer Kultur in Peru und das prachtvolle Kloster in Guadalupe ist den «Einkünften» aus kriegerischen Handlungen geschuldet. Zur selben Zeit lebten die meisten Bewohner der beiden Ortschaften in grösster Armut und Ignoranz.

Samstag, 11. September: Almagro
Dass wir in Almagro «vorbeigeschaut» haben, verdanken wir den schönen Bildern der «Plaza Mayor», die wir im Internet entdeckt haben. Sonst bietet die Stadt historisch und architektonisch gesehen nichts Nennenswertes. Aber die «Plaza Mayor» hat es in sich. Eine Reihe Gebäude mit grün eingerahmten Vorfenstern stehen der Plaza links und rechts Spalier. Sie sehen so aus wie die Seitenwände von alten Holzschiffen, die hier Aufgrund gelaufen sind. Es ist ein reger Personenverkehr auf der Plaza. Samstag ist «Ausgehzeit» und die Spanier haben sich «in Schale geworfen» und laufen in gemächliches Tempo die Plaza hinauf und hinunter. Insbesondere die Älteren tragen ihre besten «Stücke» zur Schau. Wir beobachten dieses Treiben wie üblich von einem Restauranttisch aus mit einem Glas Weisswein.

Da wir in Almagro sind, lassen wir uns die Gelegenheit nicht entgehen, die typischen Almagro Auberginen zu verkosten. Die Almagro-Aubergine ist eine geschützte geografische Bezeichnung für Auberginen der Sorte „De Almagro „, die in einigen Dörfern der Region Campo de Calatrava im Zentrum der Provinz Ciudad Real (Kastilien-La Mancha, Spanien) angebaut und in Konserven vermarktet werden (Wikipedia). Wie sie schmecken? Köstlich … what else!

Sonntag, 12. September: Cazorla
Heute Betreten wir andalusisches Territorium. Die Stadt Cazorla ist unser Ziel. Die Olivenhaine haben sich seit Langem angekündigt, aber je mehr wir uns Andalusien nähern, umso allgegenwertiger werden sie. Bis zum Horizont erstrecken sich die Plantagen. Bis hoch in die Bergflanken werden Olivenbäume angepflanzt. In der Provinz Jaen müssen es um die 60’000’000 sein. Die Bodegas haben in dieser Gegend den Ölmühlen Platz gemacht.

Mit knapp 8’000 Einwohner ist Cazorla als sog. «Conjunto histórico-artístico» anerkannt. Als solches wurden Spanien vom Kulturministerium (Ministerio de Cultura de España) z. B. historische Ortskerne oder auch Plätze klassifiziert, die ein geschichtlich bzw. künstlerisch bedeutendes Ensemble an Bauwerken oder sonstigen Einrichtungen aufwiesen und deshalb besonders schützenswert sind.

Die Stadt schmiegt sich, geschützt von der Ruine einer Burg aus dem Jahr 1200 n. C., wie eine Katze an die steilen Felsen der «Sierra de Cazorla». Die dominante Farbe der Häuser ist hier weiss, wie in vielen Städten Andalusiens. Wir lassen uns im «Camping Cortijo San Isicio», der ein Katzensprung vom Stadtzentrum entfernt ist, nieder. Inmitten von Mandeln- und Feigenbäumen finden wir ein Plätzchen für Hannibal. Was für eine Idylle. Der Campingplatz ist relativ klein aber oho! Sehr gepflegt und ruhig. Den ganzen Tag werden wir von arbeitsamen Eichhörnchen besucht, die beschäftigt sind, den Campingbesitzern die reifen Mandeln zu stehlen und im Boden für die Winterzeit zu verscharren. Spielerisch und flink klettern sie unermüdlich die Bäume hinauf und hinunter. Wir wundern uns, wie sie im Winter die versteckten Mandeln wieder finden werden. Jedenfalls … schreiben sie nichts auf!

Vom 14. bis am 19. September ist Dorffest in Cazorla. Gebäude, Terrassen, Bäume, Gärten und die Gassen sind mit Häkelarbeiten dekoriert, viele Geschäfte sind zu. Ein kleiner Markt, wo Plagiate von berühmten Sportschuhen und Designerklamotten zu einem Spottpreis verscherbelt werden, liegt am Ende der Hauptstrasse. Kinder mit Zuckerwatte in der Hand rennen auf dem Hauptplatz herum und naschen gleichzeitig an ihrer Süssigkeit. Mütter und Väter, die an einem der Restauranttische, die den Hauptplatz säumen, Cerveza trinkend und Tapas essen, beobachten mit scharfen Augen das Treiben ihrer Schützlinge. Ab und zu verlässt ein Elternteil den Tisch, um die übermütigen Kindern, die auf der Strasse Fussball spielen, wieder zur Vernunft zu bringen.

Da die Wetterprognose Regen vorausgesagt hat, bleiben wir drei Nächte in Cazorla. Wir wollen die Sehenswürdigkeiten der Wüste von Gorafe, unsere nächste Etappe, bei schönem Wetter geniessen.

15. – 20. September: Cazorla – Albarracin

Ersterfassung: 01.10.2021Letztes Update: –

Das Wichtigste in Kürze:
Die Wüste von Gorafe haut uns mit ihrer „irren“ Landschaften aus den Socken. Die unfassbaren schönen Sierra de Cazorla und Sierra de Segur. Wir fühlen uns gleichzeitig in Namibia, USA und Mongolei versetzt.

Die technisch teilweise schwierige Piste, die uns nach Albarracin führt, kompensiert die Strapazen mit magischen Panoramen. Das Juwel Albarracin mit ihren sehr kalten Nächten.

Mittwoch, 15.– 20. September: Cazorla – Albarracin
Wetter: Sonnig bei 17-32°C mit vielen schönen Wolken.

Der Entscheid unseren Rückweg nach Teruel und Albarracin via Cacerès und Cazorla anzugehen, ist Gold wert. Den Entscheid haben wir in Segovia getroffen. Wir hätten von dort auf dem direktesten Weg nach Teruel/Albarracin fahren können, aber eben, welcher Verlust wäre dies gewesen. Dieser «Umweg» hat uns mehr als 1’000 km «gekostet», war aber jeden Kilometer, jede Strapaze wert. Wie wir diese Zeile schreiben, verbringen wir gerade einen Ruhetag in einem Campingplatz ausserhalb von Riopar. Zu viele sind die Eindrücke und die Emotionen der letzten zwei Tagen, die wir zu verarbeiten haben, als dass wir unsere Reise fortsetzen könnten.

Von Cazorla aus werden wir die kommenden Tage einer Route folgen, die uns von Gorafe nach Teruel bringt. Wir haben zu diesem Zweck bei www.vibraction.org ein Roadbook und die entsprechenden GPS-Koordinaten des Tracks gekauft. Wir gehen diesen Track gegenüber dem Roadbook – bis auf den ersten Tag – in umgekehrter Fahrrichtung an.

Kurz vor Hinjoares zweigen wir rechts in die Piste hinein. Nachdem wir einen halbwegs verlassenen Bauernhof, eine sehr steile Abfahrt und eine Plantage von Oliven und Orangen hinter uns gelassen haben, tauchen wir in die Vorposten der Wüste von Gorafe ein. Eine von Hannibals «Lärm» aufgescheucht Gruppe Hirsche kreuzt unsere Piste im Galopp und verschwindet hinter den Büschen. Linkerhand heissen uns die Berge «El Coto» und «Salto de Lirio» mit ihren gewaltigen Bergflanken willkommen. 

Die Piste schlängelt sich den Berghang hinauf. Wir schlängeln uns gemütlich im zweiten Gang dem unbefestigten Weg entlang und geniessen mit herunterhängenden Kiefern das Panorama. Mehr als ein «Fahren» handelt es sich hier um ein «Stopp – and – go». Stoppen, aussteigen und fotografieren bzw. bestaunen, wieder einsteigen und losfahren. Auch hier haben die Holzwirtschaft und das Feuer deutliche Spuren hinterlassen. Verkohlte Baumstämme, «kahlrasierte» Bergflanken.
Als wir auf einer Bergkuppe stoppen, um Mittag zu essen, erfreut uns ein frischer Wind. Halt! Nicht einmal 100 m von uns entfernt, liegen zwei Steinböcke im Schatten einer Baumgruppe und geniessen anscheinend auch das Panorama. Sie stehen kurz auf, als sie unser Kommen bemerken, legen sich jedoch wieder gemütlich hin, als wir Hannibals Motor abschalten. Fabrizio packt seine Kamera aus, setzt einen zweifachen Telekonverter auf (so wird aus einem 200mm- ein 400mm-Tele) und knipst etliche Bilder.

Nach der Mittagspause ändert sich die Landschaft allmählich. Hochstämmige Bäume weichen Sträuchern und Grasbüscheln. Die Hügel schmücken sich mit farbigen, roten Erdstreifen – wir sind bei den «Colorados» angekommen. Von Weitem ähneln sie eher Dünen als festen Hügeln. Die Landschaft erinnert uns an unsere Australienreisen von 1999 und 2004 wo wir uns in den Northern-Territories von den omnipräsenten hübschen Spinifex-Gräser entzücken liessen.

Wir verlassen die unbefestigte Strasse kurz vor dem Dorf von Dehesas de Guadix und zweigen kurz danach wieder auf eine Piste ab. Was uns hier erwartet übertrifft jegliche Vorstellungskraft. «Sind wir im Grand Canyon angekommen?» Fragt Sabine mit grossen Augen. Nein, wir sind bloss in Andalusien. Die Schlucht braucht sich in Bezug auf ihre Schönheit nicht zu verstecken und keinen Vergleich zu scheuen: Monolithische Säulen, die uns an den antiken Tempel «Parthenon» in Athen erinnern, säumen die ausgewaschenen Bergflanken.

Die Piste folgt jetzt hauptsächlich der Krete und ist mit einer einzigen Ausnahme sehr einfach zu befahren. Hie und da treffen wir auf alte, in die Felsen gehauene Behausungen. Heute werden diese als Schafsgehege genutzt.

In Gorafe, in dem sehr viele dieser Wohnhöhlen gut erhalten sind und heute als «Casa Rural» den Touristen angeboten werden, wollen wir uns über eine geführte Besichtigung zu einigen der mehr als 200 Dolmen der Region erkundigen. Das InfoCenter ist bereits geschlossen. Einziger Hinweis: es werden zwei 1-stündige Besichtigungen um 12:00 und 17:00 Uhr angeboten. Über die Durchführbedingungen (bei nur zwei Teilnehmern) und -tage lässt sich nur spekulieren. Wir entscheiden weiterzufahren und falls pandemiebedingt im 2022 alle Fäden reissen sollten, nochmals hierherzukommen und diese spannende Region besser unter die Lupe zu nehmen.

Am Ufer des Staudammes von Negratin übernachten wir in einem sich noch im Bau befindenden Camping. Es hat zu regnen begonnen!

 

Donnerstag, 16. September: Freila – Los Molinos
Wetter: Am Morgen regnerisch bei 14°C, Wetterbesserung im Laufe des Tages, 25°C

Es ist schwierig gewesen, über Nacht die vielen Impressionen des gestrigen Tages zu verarbeiten. Sabine und ich haben, obwohl wir hundemüde waren, schlecht geschlafen. Die heutige Etappe verspricht eine bombastische Pistenfahrt über die Sierra de Cazorla und Sierra de Segur. Nach dem Dorf Pozo Alcon fädeln wir in eine alte Forststrasse ein, die zur Quelle des Rios Guadalquivir führt. Subalpine Landschaft mit bizarren Karststeinformationen, die teilweise an diejenigen des Schrattenfluh im Entlebuch erinnern. Andere, dafür massivere Steinformationen, erinnern uns an den Zion Nationalpark in Utah (USA). Es ist schwierig – vor allem, da sich die Augen nicht am Panorama satt sehen können – sich auf die Piste zu konzentrieren. Ein Reh und eine freche Wildsau (diese nimmt sich wirklich viel Zeit und trottelt im Schritttempo und ohne Eile vor Hannibal durch) überqueren die Piste nonchalant, ohne uns zu beachten. Hier ist ihr Revier. Hoch über unsere Köpfe kreisen zwei Steinadler.

Wir erreichen die Quelle des Rios Guadalquivir und treffen erstmals auf anderen Fahrzeugen, die von der umgekehrten Richtung der Sierra sich hinaufgekämpft haben. Am Hauptparkplatz bedrängen drei Füchse die dort ankommenden Touristen um Futter.

Wir halten nicht an. Irgendwie haben wir eine Aversion für sehr touristischen Ziele entwickelt und die Szene mit den Füchsen schreckt uns zusätzlich ab. Das heisst, wir fahren bergab in Richtung Vadillo Castril. Von hier aus biegen wir rechts ab und klettern den Berg wieder hinauf. Was uns sich hier zeigen wird, verschlägt uns die Sprache. Eine Hochebene liegt wie ein ausgebreitetes Leintuch vor Hannibal’s Nase. Eine farbige Steinwüste wie wir sie in Namibia 2013 angetroffen haben, eine Steppenlandschaft wie wir sie aus Bildern und Reportagen über die Mongolei kennen. Ein frischer Wind bläst unermüdlich und wirbelt hie und da Staub auf. Die Sonne lieg bereit tief über dem Horizont und lässt die Farben aufleuchten. Aus Neugierde besuchen wir eine der unzähligen «Refugios» (Schutzhütten), die hier oben anzutreffen sind. Diese sollen Hirten und heute vor allem Wanderern bei schlechtem Wetter Schutz bieten. Wir betreten einem diesen Refugios und … ausser Unrat und Graffitis haben diese leider wenig zu bieten. Sie sind mit ihren Pendants in Island keinesfalls zu vergleichen. Weder Betten noch ein Bettrost, kein Erstehilfe-Material, kein Notfunkgerät … einfach nichts!

Da es verboten ist, in Nationalparks zu übernachten (wir wurden am frühen Nachmittag diesbezüglich von einem vorbeifahrendem «Park-Ranger» mit Nachdruck daran erinnert), suchen wir einen Campingplatz für die Nacht. Es dauert eine Weile, bis wir fündig werden (diverse sind bereits geschlossen, andere haben dieses Jahr gar nicht aufgemacht). Kurz vor Siles halten wir an. Wir haben Glück. Es ist bereits 20:30 Uhr und der Campingplatz hätte in Kürze seine Tore zugemacht. Nachdem wir Hannibal parkiert haben, werden wir von einem deutschen Touristenpaar angesprochen. «Möchtet ihr ein Bier trinken?» fragen sie uns mit einem breiten Lächeln im Gesicht. «Ja» antworten wir, ohne zu zögern. Im Nachhinein denken wir, mir müssen so hundemüde ausgesehen haben, dass sie mit uns Erbarmen hatten.

Übrigens: neben dem Wildschwein und den Steinadlern trafen wir heute auf mindesten ein Dutzend Rehe. Die Natur ist hier noch sehr Wild und sie zeigt uns ihre Schätze.


Freitag, 17. September: Los Molinos – Riopar
Wetter: Am Morgen frisch bei 10°C, am Nachmittag um die 25°C

Gestern haben wir einen epischen Tag erlebt. In einem einzigen Tag waren wir in den USA, in Namibia und in der Mongolei. Kein Wunder, dass wir heute immer noch auf «den Felgen» sind. Wir entscheiden uns Kurzerhand, nur etwa 40 km bis Riopar zu fahren, um im dortigen Campingplatz mit besserer Infrastruktur auszuruhen. Leider wird mit der Ruhe nichts. Der Platz Rio Mundo ist sehr schön und grosszügig angelegt. Wir beziehen eine Parzelle ohne direkte Nachbarn. Kurz nachdem wir uns eingerichtet haben (ca. 11:00), bricht bei einem jungen Paar zwei Parzellen links von uns entfernt ein Streit aus. Dieser zieht sich bis gegen 16:00 hin!! Uns ist der Grund des Streits unklar. Aus dem Verhalten des Mannes tippen wir auf Eifersucht. Er schreit seine Frau/Freundin an, beleidigt sie mit üblen Worten und fuchtelt mit der Campingausrüstung umher. In seiner Bedrohlichkeit wirkt er lustig. Insbesondere als er im Zelt Koffer und Taschen gegen die Zeltwände schmeisst und ihm diese wieder auf die Füsse fallen … und es wird weiter geflucht.

Seine Frau/Freundin (dieses Rätzel konnte wir nicht lösen) versucht ihn lange zur Raison zu bringen … vergeblich! Irgendwann gibt sie auf und fängt an, das Auto zu packen. Gegen 16:00 schleicht dann auch ihr Mann/Freund aus dem Zelt, hilft ihr beim Packen und um 16:30 verlassen sie, ohne ein Wort miteinander zu reden, den Campingplatz.

Na endlich, wir freuen uns auf die wohlverdiente Ruhe … denkste! Kaum sind sie weg, parkiert rechts von uns, obwohl der Zeltplatz fast leer ist, ein Wohnmobil (das eher einem Flugzeugträger gleicht) einer spanischen Familie. Die Türen gehen auf und … eine Horde Kinder, Hunde und etliche Erwachsene steigen aus. Die ganze Umgebung muss jetzt wissen und spüren, dass SIE da sind. Eine halbe Stunde später parkieren Freunde dieser Familie links neben unserer Parzelle und stellen drei Grosszelte auf. Sabine und ich schauen uns an …«Hurra … Familientreff!» Bis sie sich eingerichtet haben, dauert es bis um 20:00. Danach wird gekocht, gegessen und laut, sorry, sehr laut bis nach Mitternacht miteinander diskutiert. Diese Nacht haben wir den Erfinder oder der Erfinderin der Ohropax im Himmel gelobt.



Samstag, 18. September: Riopar- Alcalà del Jucar – Minglanilla
Wetter: Am Morgen frisch bei 14°C, am Nachmittag um die 30°C

Dieser Abschnitt der Piste ist, abgesehen von unserer Stippvisite des Dorfes Alcalà de Jucar und der guten Pizza, die wir im Restaurant des Campingplatzes von La Venta de Contreras gegessen haben, ziemlich unspektakulär.

Zu Beginn machen wir Halt im Dorf Riopar Viejo, das einst auf einem Hügel im Schutz einer Burg (Ruine) entstanden ist. Die meisten Gebäuden sind hübsch renoviert und werden heute als «Casa Rural» den Touristen angeboten. «Eine solche Casa wäre eine gute Idee für das nächste Mal» sagen wir unisono. Wir könnten so den Monat August überleben und die Umgebung, die sehr faszinierend ist, besser unter die Lupe nehmen.

Nach Riopar Viejo führt die Piste durch Pinien-Wälder. Sie ist ok, aber im Vergleich mit dem vorgestrigen Tag «langweilig». Hannibal hat Durst! Pistenfahren benötigt etwas mehr «Most» als das Fahren auf geteerter Strasse. So tanken wir nochmals kurz vor Alcalà de Jucar. Der Tankstellen-Wart macht grosse Augen als wir bei der Zapfsäule anhalten. «Sehr schönes Fahrzeug!» bemerkt er. Die Freude ist ihm ins Gesicht geschrieben. Man könnte meinen, er hat gerade die heilige Maria gesehen. «Man sieht nicht so viele … hier». Hannibal ist in Spanien ein «Paradiesvogel». Überall wo wir durchfahren, zieht er Blicke, meistens von Männern aber auch von Knaben auf sich. In den Campingplätzen bleiben sie sogar vor ihm stehen und bestaunen ihn gründlich. Nicht selten wurden wir gefragt, ob wir etwas mehr über den Umbau «erzählen» können. Wir machten uns einen Spass, «Eintrittsgeld» für die Führung zu verlangen. Nach der anfänglichen Überraschung brachen sie (und wir) in Gelächter aus.

Alcalà de Jucar ist ein Touristenmagnet. Das Dorf liegt in einer Schlucht oberhalb des Rios Jucar. Eine gut erhaltene römische Brücke, eine Burg und schroffe, senkrecht abfallende Felswände sind ihr Markenzeichen. Die Parkplätze am Dorfeingang sind praktische restlos besetzt. Wir finden trotzdem ein Plätzchen für Hannibal. Wir schlendern kurz durch die engen Gassen. Sie werden von Souvenirläden mit dem üblichen Kram gesäumt. Die warme Luft des Nachmittags hat sich darin versteckt und bringt uns zum Schwitzen. Nachdem wir ein Paar Bilder von der römischen Brücke «im Kasten haben», fahren wir weiter.

Gegen 19:00 erreichen wir den Campingplatz La Venta de Contreras, der am Fuss eines Staudammes liegt. Drei junge schwarze Kätzchen und ein aufgebrachter Esel heissen uns willkommen. Nachdem wir uns eingerichtet haben, gehen wir Pizza im Campingrestaurant essen. Gemäss Tripadvisor müssen diese lecker sein. Mal sehen! Unsere Erfahrung mit Pizza essen in Spanien ist bis jetzt, mit einer löblichen Ausnahme, sehr ernüchternd gewesen. Auf einer Terrasse mit Blick auf dem Staudamm sitzend bestellen wir einen gemischten Salat und zwei Pizzas. Der Salat ist lecker (Geheimnis: wurde mit Salaten und Tomaten aus dem eigenen Garten zubereitet, so versichert uns mindestens der Restaurantbesitzer), die Pizzas sind gut, auch wenn der Boden nicht selbstgemacht ist.

Der Vollmond ist aufgegangen und beleuchtet mit einem orangen Lichtstrahl die bereits vor Jahren errichtete, hohe Staumauer. Sie und wirkt sehr bedrohlich schaut uns «von oben herab» an. «Hoffen wir, dass sie hält!»

Sonntag, 18. September: Minglanilla – Albarracin
Wetter: Am Morgen frisch bei 12°C, am Nachmittag um die 25°C

Nach Villargordo de Gabriel verläuft unsere Piste dem rechten Ufer des «Embalse de Contreras» entlang. Was uns heute erwartet, können wir uns zu Tagesbeginn noch kaum vorstellen. Das Roadbook von Vibraction.org erwähnt, dass die Piste in dieser Strecke steile und ausgewaschene Passagen aufweist. Und so ist es! Im Schritttempo fahren wir den steilen Abhang hinunter zum See und später die steile Bergflanke wieder hinauf. Spitzkehren mit langen (aber nicht sehr tiefen) Auswaschungen verlangen eine präzise Lenkung. Mehrmals müssen wir rückwärts fahren um die «Kurven zu kriegen». Die Sicht auf den Stausee ist «magisch». Blaues Wasser inmitten eines grünen dichten Waldes. Einfach wild! Die Auswaschungen zwingen uns oft zum Aussteigen. Wir erkunden die schwierigen Passagen zu Fuss und diskutieren gemeinsam über «den besten Weg», sie zu meistern. Nicht selten erweist sich dieser Weg als reiner Balanceakt. «Nicht mit den Rädern in eine Auswaschung hineinzurutschen» ist die Devise. Wir sind froh, dass die Piste trocken ist. Die Räder haben einen guten Griff … und dies vereinfacht die Aufgabe ungemein. Während ca. 30 km kommen wir mit knapp 10km/h vorwärts.

Als wir das «Gröbste» hinter uns gelassen haben entspannen sich unsere Gesichter merklich. «Zum Glück sind wir auf keinen Gegenverkehr gestossen» sagt Sabine als wir die Nähe des Dorfes Enguidanos (am Ende des Stausees) erreichen. Auf dieser engen Piste hätte es kompliziert werden können.


Der Rest der Route führt uns durch verlassene Kohlenminen, entlang tiefer Schluchten und wunderschöner Tafelberge. Ein Meer von wilden Rosmarinbüschen, die in den Wäldern überall zu finden sind, begleitet uns den ganzen Tag. «Hannibal wird heute Abend wie ein Braten riechen».

Kurz vor Teruel wird die Landschaft nochmals dramatisch und atemberaubend (wir wissen es … wir verwenden das Wort «atemberaubend» sehr oft … aber wir finden kein besseres Wort, um die Landschaften, die wir angetroffen haben, zu beschreiben). Die Bergformationen von «Las Muelas» und «Las Musas» erinnern uns stark an den Grand Canyon in den USA. Bereits Im Abendlicht und noch vor dem Sonnenuntergang erglüht die Schlucht rot und «zwingt» uns zu einem Fotostopp. Wir bleiben mehr als eine Stunde, erklimmen die steilen Abhänge des Canyons soweit es geht, sehen eine Familie Steinböcke und schiessen dutzende von Bildern. Einfach majestätisch und imposant ist dieses Wunder der Natur! Und in der Gegend gibt es noch mehr davon.

Die Sonne ist bereits hinter dem Horizont verschwunden als wir Albarracin erreichen. Es ist kalt. Nicht ungewöhnlich aber zusammen mit unserer Müdigkeit und dem bedrohlichen Himmel (dichte und dunkle Wolken haben sich wie ein Leichentuch über unsere Köpfe gelegt) bringt uns dies zum Frösteln. Zum Glück ist der Campingplatz sehr gut und grosszügig eingerichtet und es lässt sich sogar ein Blick der denkmalgeschützten mittelalterlichen Altstadt mit islamischem Flair von unserer Parzelle aus erhaschen.

 Montag, 18. September: Albarracin
Wetter: Regnerisch bei 7°C am Morgen. Am Nachmittag bewölkt mit sonnigen Phasen bei 18°C

Der Herbst hat auch in Spanien Einzug genommen. Die Tage werden allmählich kürzer und die Nächte spürbar kälter. In der Nacht hat es sogar geregnet (die Prognosen für die Woche sind ebenfalls schlecht). Für uns in diesem Sommer ein seltenes Ereignis. Am frühen Morgen haben wir zum ersten Mal auf dieser Reise die Standheizung eingesetzt.

Vom Camping aus lässt sich Albarracin bequem zu Fuss erkunden, was wir nach dem Frühstück auch tun werden – seit unserer Zeit in den Pyrenäen ist unser Laufbilanz zwar immer noch ansehnlich, hat sich aber «dramatisch» verschlechtert und muss aufpoliert werden.

Albarracin ist ein Städtchen mit gut 1000 Einwohnern, das uns aufgrund der Geschichte, der geografischen Lage und des gut erhaltenen Stadtbildes seit Reisebeginn fasziniert hat. Wir sind froh, die lange und teilweise beschwerliche Fahrt bis hierher in Angriff genommen zu haben. Ursprünglich ist der Ort in einer Flussbiegung auf einem Felsen von den Mauren errichtet worden. Die schützende Stadtmauer mit Festung und der Alcazar (Schloss) erinnern an diese Zeit sowie noch diverse andere Bauten im Stadtzentrum. Die Verwaltung hat anscheinen viel Geld und Zeit in den Erhalt der historischen Bausubstanz investiert. Die meisten Gebäuden sind gepflegt und weisen noch Spuren der Zeit auf. Uns zieht das Städtchen schnell in seinen Bann und so – obwohl von der Grösse her nicht ganz vergleichbar – kommen bei uns die gleichen Emotionen wie bei den Besichtigungen von Alquezar, Salamanca, Cacères und Trujillo hoch.

In einer vom Touristen-Hauptstrom abgelegenen Bäckerei kaufen wir zwei Butter-Croissant und ein mit Zucker und Mandeln gesüsstes Fladenbrot. Einfach nur lecker.

Die Sonne spielt Verstecken mit den Wolken und Fabrizio will sich die Möglichkeit einen Zeitraffer zu machen nicht entgehen lassen. Sabine geniesst daneben das Panorama und verschlingt genüsslich ihr Butter-Croissant (Fabrizio hat diese «lästige» Aufgabe gerate vor dem Bäckereieingang erledigt).

20. – 27. September: Albarracin – Männedorf

Ersterfassung: 01.10.2021Letztes Update: –

Das Wichtigste in Kürze:
Die Luft ist raus und wir sind Müde. Wir spulen die 700km, die uns von Figueres trennen in zwei Tagen ab, ruhen in Figueres weitere vier Tagen und legen 980 km in einem Tag nach Männedorf zurück.

Die Strecke zwischen Albarracin und Figueres ist wunderschön und bedarf einem längerem Aufenthalt. Wir werden hierher zurückkommen.

Dienstag, 19. – Sonntag, 26. September:  Albarracin – Figueres – Männedorf
Wetter: Regnerisch bei 5°C am Morgen. Am Nachmittag bewölkt mit sonnigen Phasen bei 18°C

Aus der Idee, in und um Albarracin mind. eine Woche zu verweilen, wird nichts. Wir sind zu müde und von den vielen Impressionen der letzten 15 Wochen gesättigt. Unser Kopf und unser Herz sind bis zum Bersten voll. Von hier aus soll es ohne Umwege Richtung Schweiz gehen. Der Dauerregen der kommenden Tage wird diese Entscheidung unterstützten und bestätigen.

Wir statten Teruel einen flüchtigen Besuch ab (schade!) und frühstücken in der Bäckerei Muñoz mit Butter-Croissants und Schoko-Capuccinos. Nur schon deswegen ist Teruel ein Besuch wert! Unser Weg nach Figueres (wo alles vor mehr als 100 Tage begonnen hat) wird uns durch eine sehr schöne Region von Spanien führen. Wir treffen auf bildschöne Dörfer: Mora de Rubielos mit seiner gewaltigen Burg (ihr Museum hat eine ausgezeichnete Waffenausstellung von den Römern bis zum Mittelalter), Linares de Mora wo wir beim Restaurant «La Venta» vorzüglich und spottgünstig zu Mittag essen, Mosqueruela wo wir vom Schnee überrascht werden, La Iguesuela del Cid, das auf einem Felsen errichtete Cantavieja, Mirambel und Morella mit seiner majestätischen Burg und römischen Aquädukt.

Dieses ganze Gebiet ist von der Schweinezucht geprägt … nicht nur baulich, sondern auch vom Geruch her. Es gibt praktisch keine Ecke, wo man nicht den penetranten Geruch der Schweineställe riechen kann. Die Qualität der Ställe schwankt von hochmodern Industriekomplexen (manchmal drei Stockwerke hoch … ein richtiger Schweine-Wohnblock) bis zu Ruinen. Man merke, bis dato sind wir KEINER freilebenden Sau begenet! Die Bilder aus dem Fernsehen von schwarzen unter Eichenbäumen fröhlich grunzenden, sich den Bauch mit Eicheln vollschlagenden Edelschweine, bleiben uns bei unserer Spanienreise vorenthalten.

Die Region zwischen CazorlaGorafeAlbarracinTeruelMorella bedarf einer tieferen und umfangreicheren Erkundung. Wir werden hierher zurückkehren.

Die knapp 700 km zwischen Albarracin und Figueres spulen wir in zwei Tagen ab. In Figueres angekommen waschen wir Hannibal, reinigen das gesamte Inventar und versuchen ein paar Tage Energie zu tanken, bevor wir die Strecke bis Männedorf (rund 1000 km) unter die Räder nehmen.

Bye bye Spanien … oder besser hasta luego!