Du betrachtest gerade Balkan 2026 Reisetagebuch: 24.5. – 3. Juni 2026
Nekropolis von Radimlja
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  • Beitrag zuletzt geändert am:Juni 11, 2026
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Balkan 2026: Reisetagebuch

Datum: 24. Mai - 2. Juni

Plitvitcer Seen NP (Kroatien), Bihać, Una NP, Kulen Vakuf, Rawsko Jezero, Jablanica, Konjic, Blagaj, Stolac, Počitelj, Trebinje (Bosnien), Kotor (Montenegro)

 
Das Wichtigste in Kürze:
 

Wir verlassen Kroatien und vor der Grenze zu Bosnien und Herzegowina besichtigen wir ein ausgeweidetes Flugzeugwrack und die morbide Flugzeug-Kaverne Željava. In Bihać angekommen, berührt uns ein beschädigtes Denkmal für die Opfer des Faschismus. Nach einem Bummel durch die Stadt erkunden wir die malerischen Wasserfälle des Una-Nationalparks. In Kulen Vakuf genießen wir gegrillte Forelle und den Weitblick der Burgruine Ostrovica. Schliesslich reisen wir durch einsame, dichte Wälder bis zum idyllischen Ramsko-Stausee. Dort genießen wir am Campingplatz die herzliche Gastfreundschaft Bosniens. Ein geplanter Offroad-Ausflug in die Berge scheitert jedoch an einem Schneefeld, das uns zum riskanten Rückwärtsfahren zwingt. Weiter führt uns die Route zum historischen Schauplatz der Neretva-Schlacht in Jablanica und durch die vom Krieg gezeichnete Kleinstadt Konjic. Nach dem Besuch der mystischen Bogomilen-Grabsteine auf einer windigen Hochebene flüchten wir vor dem garstigen Wetter. Eine holprige Schlaglochpiste fordert uns alles ab, bis wir erleichtert unser Ziel in Blagaj erreichen.

Wir erleben das Derwischkloster in Blagaj trotz spektakulärer Felslage als vernachlässigt und kommerzialisiert. Weiter geht es nach Stolac zur beeindruckenden Radimlja-Nekropole. Die düstere Kriegsgeschichte der wiederaufgebauten Stadt Konjic stimmt uns nachdenklich.  Auch das UNESCO-Weltkulturerbe Počitelj, ein malerisches, mittelalterliches Festungsstädtchen auf einem Karsthügel, zeugt von osmanischen Einflüssen und Kriegszerstörung. Wir genießen die einmalige Aussicht, bevor wir über die Stadt Trebinje Kotor ansteuern.

 

24.5. – Plitvicer Seen NP – Bihać (Bosnien Herzegowina)
Wetter: sonnig bei 26° C

Heute verlassen wir Kroatien. Was wird uns von den letzten gut drei Wochen in Erinnerung bleiben? Die Adria hat traumhaft schöne Küstenabschnitte. Insbesondere haben uns die Inseln Krk und Cres gefallen. Der wilde Velebit mit seinen vom Karstgebirge geprägten Landschaften ist wunderschön und noch relativ einsam. Unvorstellbar in seiner Pracht ist das Naturwunder Plitvicer See mit seinen Kaskaden und Tuffsteinbarrieren. Unvorstellbar sind aber auch die Menschenmassen, die durch den Park gelotst werden. Doch wie in ganz Kroatien ist alles tipptopp organisiert. Die Kroaten sind uns immer freundlich begegnet. Es ist sicherlich kein günstiges Reiseziel, doch der Service, die Infrastruktur und die Sauberkeit stimmen. Insgesamt ein Land, das sehr bequem zu bereisen ist. Doch bevor wir das Land verlassen besuchen wir kurz vor der Grenze zwei besondere Attraktionen: Das Flugzeugwrack „Douglas C-47B Dakota“ und die Flugzeug-Kaverne Željava, die in den 60er Jahren die grösste Europas war. Sie fasste 80 Kampfflugzeuge. Über 6200 Soldaten leisteten hier ihren Dienst als Piloten, Luftwaffensoldaten oder Bewacher. Nach Ausbruch des Jugoslawienkriegs 1991 und dem Rückzug der Jugoslawischen Armee aus Bosnien wurde die Anlage gesprengt und unbrauchbar gemacht. 35 Jahre später pilgern fiele Touristen hierher. Beim Flugzeugwrack gibt es sogar ein Restaurant und ein Souvenirshop. Wie wir feststellen, haben Souvenirjäger das Innere des Flugzeugwracks vollständig ausgeweidet. Es ist zu einem Objekt degradiert, vor dem man sich für die Social Medias posiert. Nicht viel anders ergeht es der Kaverne, aus der eine feuchte, morbide Kälte herausströmt. Zur Erinnerung schiessen wir ein paar Aufnahmen und dann nichts wie weg.

25.5. – Bihać – Štrabački Buk – Kulen Vakuf
Wetter: sonnig bei 30° C

Als wir gegen Bihać fahren, entdecken wir auf einem Hügel gegen den Himmel ragende Säulen, die genauer erkundet werden wollen. Fabrizio steigt hoch und kommt mit einer Erklärung zurück. Es ist ein Denkmal für die Opfer des Faschismus. Die Gedenktafel hält in Deutsch folgendes fest: „An diesem Ort und in der Umgebung wurden im Sommer 1941 Serben und Juden durch kroatische Faschisten ermordet. Eine zuverlässige Angabe der Zaht der Opfer ist bisher nicht möglich. Das Denkmal des Künstlers Bogdan Bodganović von 1981 besteht insgesamt aus 15 etwa vier bis fünf Meter hohen Stelen, von denen sich 13 auf der Anhöhe befinden und zwei in etwa einem Kilometer Entfernung, an einer Stelle, wo sich ein Massengrab befindet. Das Denkmal wird heute kaum mehr gepflegt und ist beschädigt worden.“ Beeindruckt fahren wir weiter. In einem Tankstellenshop kaufen wir eine SIM-Karte und kurz darauf wechseln wir Geld in RM (Reichsmark). Nun sind wir wieder mit der Welt online verbunden und liquid. Im Zentrum von Bihać besichtigen wir den gepflegten Stadtpark und bannen die hübschen Stromschnellen auf ein Bild. Dann schlendern wir durch die unscheinbaren Gassen, trinken einen Kaffee in der gut besuchten Fussgängerzone, erstehen in einer Bäckerei zwei sehr leckere Burek (Börek) und verlassen nach weniger als 1 1/2 Stunden das Städtchen Richtung Süden.

Mit einigen wenigen Touristen teilen wir am Nachmittag eine der Hauptattraktionen des Una Nationalparks die pittoresken Štrabački Buk zu denen man auf Holzstegen gelangt. Die einfache Piste bis zu den Wasserfällen führt durch Wald und ist alles andere als spannend. Auf der normalen Strasse hätten wir allenfalls mehr gesehen.

Der Picknick- und Campingplatz in Martin Brod ist alles andere als „anmächelig“. Hier wollen wir nicht bleiben. Also heisst es nochmals ins nächste Dorf zurückfahren. Auf die Besichtigung der Wasserfälle und der sogenannten natürlichen Waschmaschine verzichten wir, da wir müde sind und die Zufahrt sich als schwierig erweist. Im Camping Status Quo werden wir von der jungen Besitzerin freundlich willkommen geheissen und zu einem Bier am Fluss eingeladen. Das ist genau das, was wir jetzt brauchen. Nach einer ausgiebigen Dusche in den sauberen Sanitäranlagen, gehen wir ins Dorf auf der Suche nach einem Restaurant. Im einzigen, das geöffnet hat, wird uns eine exzellent gegrillte Forelle mit Kartoffel- und Krautsalat serviert. Die Rechnung beträgt bescheidene 45 RM bzw. 22.50 € für uns beide. Auf unserem Weg ins Dörfchen treffen wir auf einen Deutschen Fliegenfischer und kommen an einer Gedenkstätte für die im Jugoslawienkrieg gefallenen jungen Soldaten vorbei. Die Zeichnen des Krieges sind auch 30 Jahre nach Kriegsende immer noch omnipräsent.

 

26.5. – Kulen Vakuf – Ostrovica
Wetter: sonnig bei 30° C

Den heutigen Tag starten wir mit Weitblick. Von der mittelalterlichen Burgruine Ostrovica auf einem Hügel oberhalb von Kulen Vakuf haben wir einen wunderbaren Blick über das Una-Tal. Von der Burg selbst ist nicht mehr viel übrig. Wie die meisten Orte mit einer strategischen Bedeutung für den Handel und die militärische Stärke war sie umkämpft und wechselte im Lauf der Zeit mehrere Male den Besitz. Im 15. Jahrhundert wurde sie erstmals als Festung einer kroatischen Adelsfamilie erwähnt. Im Dezember 1523 fiel Ostrovica an die Osmanen und wurde Teil des Paschaluks Bosnien bis zu dessen Besetzung durch Österreich-Ungarn im Jahr 1878. Nach dem 1. Weltkrieg war es Teil des Königreichs der Serben, Kroaten und Slowenen. Heute gehört die Ruine zum Nationalpark Una. Am Turm finden sogar gewisse Renovationsarbeiten statt. Der Rest der Burg scheint dem Verfall preisgegeben zu sein.

27.5. – Kulen Vakuf – Ramsko Jezero
Wetter: sonnig und regnerisch bei 22° C

Unsere Route führt heute durch sehr dünn besiedelte Gegenden. Nur ab und zu treffen wir auf ein noch bewohntes Dorf. Die meisten Bauernhöfe oder Siedlungen sind verlassen. Bis Glamoč fahren wir auf einer vermeintlich geteerten Strasse, die allmählich in eine gute Naturstrasse übergeht. Bis auf einen tschechischen Motorradfahrer, der uns überholt, treffen wir auf den knapp 100 km nur auf eine Hand voll Autos im Gegenverkehr. Nach Glamoč wählen wir eine Piste aus der Pistenkuh-Reihe „Berge des Balkans“ bis Kupres. Sie ist mit drei Sternen bewertet, was auf ein interessante sehenswerte Routenführung schliessen lässt. Wir erleben dies anders. Nach einem kurzen Anstieg erreichen wir einen Pass mit einer schönen Aussicht in die ländliche Umgebung.

Kurz danach tauchen wir für über 50 km in dichten Mischwald ein. Interessant sieht für uns anders aus. Übrigens, 53% der Fläche Bosniens ist bewaldet und nur etwa 10% können landwirtschaftlich genutzt werden. Dies haben wir bei unserer heutigen Etappe so erlebt. Als wir schliesslich in Kupres ankommen, spüren wir den Wunsch nach etwas Abwechslung. Obwohl wir bereits 180 km auf dem Tacho haben, beschliessen wir, die gut 65 km bis zum Ramsko Jezero zurückzulegen.

28.- 30.5. – Ramsko Jezero – Gornji Vakuf-Uskoplje municipality
Wetter: sonnig bei 32° C

Das kleine Örtchen Šćit, das auf einer Halbinsel des 1968 angelegten Ramsko Stausees liegt, ist einfach wunderbar, um die Seele baumeln zu lasse, insbesondere der Camping Franjusic mit seiner quirligen und sehr gastfreundlichen Besitzerin Anna. Unser Stellplatz liegt leicht oberhalb des idyllischen Sees vis à vis des Franziskaner Klosters. Hier erleben wir einen entspannten sonnigen Urlaubstag und können endlich unsere Wäsche waschen, die sich in den letzten Wochen angesammelt hat. Am Abend feiern wir diesen Tag mit einem leckeren Essen im Restoran Ramsko Jezero. Auch hier wird die Gastfreundschaft gelebt, auch von den Gästen: Unsere Nachbarn rechter Hand rühmen den hier gebackenen Burek (Börek) und schreiten gleich zur Tat. Auf einem Teller reichen sie uns ein grosses Stück dieser bosnischen Spezialität. Der Kellner reagiert umgehend und bringt uns das Besteck. Als eine riesige Pizza den Gästen linker Hand serviert wird, wollen sie es den anderen gleichtun. Wir wehren mit Händen und Füssen ab, schliesslich haben wir bereits bestellt. Die Menschen in Bosnien sind ausserordentlich freundlich. Auf den Strassen werden wir gegrüsst und jeder der kann, spricht ein paar Worte Deutsch mit uns. Man stelle sich das umgekehrt in der Schweiz vor …

Wir planen einen Off-road-Ausflug in die Berge. Die Piste soll ab Mai befahrbar sein. Doch dieses Mal treffen die Beschreibungen des Pistenkuh-Führers nicht zu. Der Track beginnt in Gornji Vakuf-Uskoplje, ein unscheinbares Dorf – einige Häuser weisen noch Narben vom Jugoslawienkrieg auf – steigen auf einer sehr guten Kiesstrasse auf ca. 1700 Höhenmeter, vorbei an renovierten Balkanchalets und fahren auf dem Bergkamm entlang einer schmalen, mit kratzigen Büschen eingerahmten Piste … und plötzlich wird unser 4×4-Ausflug durch ein kleines Schneefeld gestoppt. Die erforderliche Schräglage und die Tiefe des Schnees erlaubt uns keine Durchquerung. Schnee schaufeln ist keine Option, da kurz darauf nochmals und dieses Mal ein grosses Schneefeld zu durchqueren wäre. Einen Wendeplatz gibt es leider auch nicht. Fabrizio ist gezwungen einige hundert Meter rückwärtszufahren. Kein leichtes Unterfangen auf diesem recht zugewachsenen Weg. Aber natürlich wie immer meistern Fabrizio und Hannibal diese Herausforderung zusammen. Zum Ramskosee fahren wir mit teilweise heftigem Regen zurück. Wir verkürzen deshalb unseren Nachmittag mit einem Restaurantbesuch. Am Abend lassen wir uns von Anna, der Campingbesitzerin, zu einem Bier einladen, dazu serviert sie uns ausgezeichneten Rohschinken, Salami und eine Tomate. Später gesellen sich noch ein weiteres Schweizer und ein Deutsches Paar dazu. Ein lustiger ungezwungener Abend.

30.5. – Jablanica – Konjic – Risovac – Stećci der Bogomilen – Blagaj
Wetter: sonnig bei 32° C

Am heutigen Tag legen wir 200 km zurück, teilweise auf Asphalt, teilweise über eine Piste. Als geographische Hilfe werde ich mehrere Steps zum heutigen Tag eröffnen. Am Morgen fahren wir entlang des Rama-Tals nach Jablanica und entlang des Jablaničko-Stausees in die Stadt Konjic. Die dicht bewaldeten Hügel neben der Strasse steigen steil bergauf. In der Ferne sehen wir die zum Teil noch schneebedeckten Bergspitzen der 2000er. Es hat viel Verkehr. Ist heute allenfalls ein islamischer Feiertag, fragen wir uns. Nein, wie meine Internetrecherchen zeigen, hat das Kurbanbajram (Opferfest) vor zwei Tagen stattgefunden. In Jablanica besuchen wir den zu einem Museum gehörenden Originalschauplatz der im Zweiten Weltkrieg (1943) stattgefundenen Schlacht der jugoslawischen Partisanen gegen die Deutschen und ihrer Verbündeten am Fluss Neretva. Um die Achsenmächte zu täuschen, sprengte Tito die Brücke in die Luft. Die Partisanen brachten sich dann zusammen mit den Verwundeten und den Zivilisten über eine in 19 Stunden gebaute, behelfsmässige Brücke ans Ostufer der Neretva und schliesslich nach Montenegro in Sicherheit. Dank dieses Geniestreiches konnten mehr als 100’000 Menschen gerettet werden. Das deutsche Kommando glaubte hingegen, sie seien nach Norden geflohen und verlegte ihre Truppen dorthin. 1969 wurde diese Schlacht mit Yul Brynner, Orson Wells und Curd Jürgen hier verfilmt. Die von den Deutschen errichtete Brücke, wurde von der Filmcrew erneut in die Luft gesprengt und einen neuen Fluss aufwärts gebaut.

Konjic erleben wir als geschäftige Kleinstadt. Heute ist Markttag. Im Jugoslawienkrieg war sie hart umkämpft, davon zeugen noch heute Einschusslöcher in den Häusern. Die Hautattraktion ist die osmanische Brücke. Das eigentliche osmanische Quartier der Stadt scheint jedoch unbelebt, viele Läden und Restaurants sind für immer geschlossen. Die Stadt hat sonst für den Touristen nicht viel zu bieten, ausser den von Tito in 26 Jahren für 4.5 Milliarden gebauten 100-Zimmer-Bunker, der etwas ausserhalb liegt und nur auf Voranmeldung besucht werden kann. Uns zieht es jedoch weiter.

Die Stećci sind mittelalterliche Grabsteine der Bogomilen, einer Bewegung, die im 10. Jahrhundert in Bulgarien entstand und sowohl christliche wie auch buddhistische Elemente enthielt und sich in der Folge im Balkan ausbreitete. Diese Totenkultsteine sind oft tonnenschwer und sind deshalb immer noch dort zu finden, wo sie einst aufgestellt wurden. Wir treffen auf sie auf einer Hochebene, wo früher die Menschen von Landwirtschaft lebten und heute eine Infrastruktur für die Skitouristen aufgebaut worden ist. Die Stećci kommen uns etwas verloren und auch vernachlässigt vor. Die überquellenden Abfalleimer scheinen schon lange nicht mehr geleert worden zu sein, auch die zerborstenen Holzbänke hätten eine Reparatur nötig. Wird dies allenfalls zur Sommersaison, wo auch viele Wanderer den Blindinje Naturpark besuchen, noch nachgeholt? Für uns ist das Wetter hier oben zu garstig. Die steife Bise lässt den Fotoapparat in unseren Händen zittern und das Camping am Blindinjesee ist so trostlos, dass wir gegen 17:00 entscheiden, den Track Richtung Mostar noch unter die Räder zu nehmen. Die Route erweist sich als interessant und die Piste ist gut. Wir schnaufen tief durch, als wir etwa 30 km vor Mostar die Asphaltstrasse erreichen. Doch die Strapazen sind für Fabrizio noch nicht zu Ende. Das schmale Teerband ist eine Katastrophe. Für 15 km klaffen immer wieder tiefe und grosse Löcher im Belag. Äusserste Vorsicht ist geboten! Schnelle Reaktion ist auch wegen dem oft in der Mitte der Fahrbahn sausenden Gegenverkehr gefordert. Da kommt uns das auf dem kleinen Autokamp Holiday offerierte Bier beim Einchecken sehr gelegen. Hvala!

31.5. – 1.6. – Blagaj und Umgebung (Stolac, Pocitelj)
Wetter: sonnig bei 33° C

Blagaj

Uns ist der Hip um das Derwischkloster Tekke in Blagaj schleierhaft. Die Lage des Klosters vor den steilaufragenden Felsen, wo aus einer Spalte die Quelle des Buna-Flusses entspringt, ist sicherlich spektakulär. Die Anlage ist jedoch vernachlässigt und völlig dem Kommerz überlassen. Auf dem mehrere 100 Meter langen Zugangsweg ist ein Stand nach dem anderen mit dem üblichen billigen Ramsch aufgebaut. Unsere Besichtigung ist von kurzer Dauer. Dann ziehen wir uns in ein Restaurant mit Terrasse an der Buna zurück und geniessen die Balkanküche und die frische des Flusses.

 

Stolac

In Stolac erwartet uns die beeindruckende Nekropolis von Radimlja, ein paar hübsch renovierte Gebäude, eine der ältesten Moscheen von Bosnien und Herzegowina, ein Kloster sowie eine hübsch gelegene Mühle, die heute als Restoran Old Mill Gäste bewirtet, unter anderem auch uns. Auf der grossen Terrasse über dem Fluss weht eine erfrischende Brise an diesem doch sehr warmen Tag.

Auf die Besichtigung der Burgruine Vidoški verzichten wir. Es ist zu heiss, um zu der der Sonne ausgesetzten Burg hochzusteigen. Der Bosnienkrieg hat auch dieser Stadt arg zugesetzt, auch wenn die Zeichen gar nicht so offensichtlich sind. Die kroatischen Bosnier vertrieben 1993 die muslimischen und serbischen Frauen und Kinder aus der Stadt und steckten die Männer in Gefangenenlager. Die Moscheen und orthodoxen Kirchen wurden vandalisiert. Heute wurden sie wieder aufgebaut. Wir wissen nicht, ob die Vertriebenen wieder zurückgekehrt sind. Doch wir wagen nicht zu denken, was dieser Krieg mit Opfern und Tätern gemacht hat.

Počitelj

Počitelj ist wegen seiner einzigartigen Lage auf einem Karsthügel von der UNESCO in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen worden. Wer die Gründer dieses mittelalterlichen Städtchens mit einigen noch intakten Häusern waren, ist noch nicht abschliessend geklärt. Gesichter ist, dass die eindrückliche Festung zur Abwehr der osmanischen Feldzüge ausgebaut wurde. Dies gelang jedoch nicht. An den orientalisch beeinflussten Stadtgebäuden, dem Hamam, einer Koranschule, einem Gasthaus (Han) und einer Moschee ist der osmanische Einfluss jedoch unverkennbar. Die Sicht von der Aussichtsplattform ist einmalig schön. Nachdenklich stimmt, dass auch vor diesem malerischen Ort der Bosnienkrieg nicht Halt gemacht hat. Von den serbischen Truppen wurden die Muslime vertrieben oder in Gefangenenlager deportiert und viele ihrer Gebäude inkl. Moschee und Hamam zerstört. Einige der Wahrzeichen wurden anfangs des 21 Jahrhunderts mehr schlecht als recht rekonstruiert.

2.6. – Trebinje – Kotor
Wetter: sonnig bei 33° C

Trebinje hat eine schön herausgeputzte mittelalterliche Altstadt und eine „Neustadt mit französischem Flair. Sie ist für einen Kaffeestopp und um sich etwas die Beine zu vertreten auf unserem Weg nach Kotor perfekt. Ein ausgezeichneter Börek im angenehm schattigen Stadtpark lässt uns die am Markt gekauften überteuerten Aprikosen und Tomaten vergessen.

3.6. – Kotor
Wetter: sonnig bei 33° C

Lage, Lage, Lage. Dies ist das grosse touristische Kapital von Kotor. Und die Lage ist ohne Diskussion grossartig, vor allem wenn man die 1350 glitschigen Stufen zur Festung hoch steigt, was wir für 30 € getan haben, und die Altstadt und die Bucht aus der Vogelperspektive anschaut. Sowohl in der Bucht wie auch in der Altstadt ist ganz schön was los – obwohl wir Glück haben, am Tag der Besichtigung liegt nur ein Kreuzfahrtschiff in der Bucht vor Anker. Diese Touristenmassen, die durch die zugegeben pittoresken Gassen geschleust werden, sind uns zu viel. Auch weil die Auslagen der Geschäfte den üblichen wenn auch etwas hochwertigeren Touristenplunder feilbieten. So ziehen wir uns nach der Schweiss treibenden Besteigung der Festung in eine kühle Nebengasse zurück, trinken etwas Kaltes und lauschen den angenehmen Jazzklängen der Bar. Zurück zum Autocamp Mimoza fahren wir mit dem völlig überfüllten Bus. Wir stehen wie in der New Yorker U-Bahn dicht an dicht, als der Chauffeur die schmale Strasse unter die Räder nimmt. Immer wieder bremst er den Bus abrupt ab, um in halsbrecherischen Manövern dem Gegenverkehr auszuweichen. Er muss Nerven wie Drahtseile haben. Den Abend lassen wir mit einem deutschen Paar, das mit einem grossen Off-road-Motorrad unterwegs ist, mit interessanten Diskussionen in der Pizzeria des Campingplatzes ausklingen.

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