Du betrachtest gerade Spanien 2025 Reisetagebuch: 24.6. – 14.7.25
Nationalpark Ordesa y Monte Perdido
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  • Beitrag zuletzt geändert am:Juli 15, 2025
  • Lesedauer:17 Min. Lesezeit

Spanien 2025: Reisetagebuch

25. Juni - 14. Juli

Val de Hecho - Parque Nacional de Ordesa y Monte Perdido - San Nicolás de Bujaruelo - Valle del Rio Ara - Broto - Boltaña - Cañyón de Añisclo - Valle de Chistau - Benasque - Val de Batisielles-Ibón de Escarpinosa - Forau und Plan de Aigualluts - Sierra de Boumort - Sierra Cadi Moixero - Ripoll - Sant Joan de les Abadesses - Beget - Montagut - Castellfollit de la Roca - Empuriabrava

Das Wichtigste in Kürze:

Wir lassen das Vall de Hécho hinter uns und begeben uns in den Parque Nacional de Ordesa y Monte Perdido, einen der Höhepunkte der Pyrenäen. Lange Wanderungen über Bergrücken und durch Schluchten lassen uns die verborgenen Schätze dieses herrlichen Parks entdecken.

Auf dem Weg zur westlichen Seite des Ordesa Nationalparks fahren wir zwei kurze Tracks. Wir entdecken Geisterdörfer, die von jungen Aussteigern bewohnt werden.

Wir flüchten vor der Hitze durch das abgelegene Tal Valle de Chistau über eine Piste in Richtung Benasques, das vom Parque Natural Posets-Maladeta mit seinen vielen Dreitausender umgeben ist.

Im Val de Batisielles sind wir sehr nah an der französischen Grenze. Dies drückt sich auch bei den Ortsnamen aus wie Benasque, ein eher hässlicher Wintersportort umgeben von einer sehr schönen Bergwelt, die wir zu Fuss erkunden.

Bei strahlendem Sonnenschein erklimmen wir zum dritten Mal von La Pobla de Segur die Sierra de Boumort.

Mit der Wanderung zu der idyllischen Weide Prat de Cadi, 40km südwestlich von Buigcerdà, die sich vor einer wunderbaren Bergkulisse im Naturpark del Cadí-Moixeró auf rund 2000 m befindet, beenden wir unsere Reise in die Pyrenäen.

25.06. – Parque Nacional de Ordesa y Monte Perdido
Wetter: gewittrig und angenehm warm bei 26°C

Der Ordesa Nationalpark ist ein grandioses Naturspektakel, das seinesgleichen sucht. Für viele Pyrenäenbesucher ist er ein absolutes Must, so auch für uns. Die Anfahrt von Torla aus ist nur via Bus möglich und der Zutritt wird auf 1800 Menschen pro Tag beschränkt. Wir starten deshalb früh, eine knapp siebenstündige Wanderung und 820 Höhenmeter liegen vor uns.

Der steile Aufstieg von der Pradera de Ordesa zum Mirador de Calzilarruego dauert gute zwei Stunden. Doch der Ausblick auf die Steilwände des Valle de Ordesa ist phänomenal, atemberaubend schön und jeden einzelnen Schweisstropfen wert. Dann wandern wir auf der Faja de Pelay (Hangterasse in der Steilwand) durch lichte Fichtenwälder mit blühenden Alpenrosen mit immer wieder fantastischer Sicht auf den spektakulären Caynon und die Berggipfel bis ans Talende, dem Circo de Soaso. Dort erwartet uns ein kleines Gewitter und der pittoreske Cascada Cola de Caballo (Pferdeschwanz-Wasserfall). Unsere Mittagspause ist deshalb nur kurz. Von nun an hören wir immer wieder in der Ferne Donnergrollen und ab und zu waschen uns ein paar Regentropfen die Schweissperlen vom Gesicht.

Der 2 1/2-stündige Rückweg führt entlang des Rio Arazas. Trotz der unsicheren Wetterlage kommt uns eine nichtabebbende Menschenmenge entgegen. An den vielen beeindruckenden Wasserfällen stauen sich die Wanderer, insbesondere an der über viele Stufen fliessenden und ein fantastisches Schauspiel liefernden, grossartigen Kaskade Gradas de Soaso

Als wir jedoch gut eine Stunde vor Ende der Wanderung in ein dunkles Waldstück kommen, spüren wir eine gewisse Müdigkeit. Immer häufiger stolpern wir über einen Stein, zum Glück fangen uns die Wanderstöcke wieder auf. Etwas Ablenkung schafft eine spanische Familie, der wir in den letzten sieben Stunden immer wieder begegnet sind. Wir scherzen und tauschen Erfahrungen miteinander aus.

Zurück bei der Pradera de Ordesa ist unser physischer Akku zwar leer, aber unser Glücksbarometer umso höher.

Valle del Rio Ara
Valle del Rio Ara

 

27.06. – San Nicolás de Bujaruelo – Valle del Rio Ara
Wetter: gewittrig und warm bei 31°C

Ein bezauberndes Seitental des Valle de Broto zieht uns heute in seinen Bann. Kurz vor der Barriere, die den Zutritt zum Ordesa Nationalpark regelt, zweigen wir links in ein enges Tal ab, dessen schmale Fahrbahn nach gut 6 km an einem der Sonne ausgesetzten Campingplatz sowie auf einem gut besetzten Parkplatz endet. Von hier aus geht es nur zu Fuss weiter.

Eine körperlich nicht sehr anstrengende Wanderung führt uns in eine grandiose Naturlandschaft. In knapp fünf Stunden legen wir 20 km mit weniger als 400 Höhenmeter zurück.

Am Talboden treffen wir zuerst auf idyllische Picknick-Plätze am gurgelnden Wildbach Ara. Entsprechend viele fürs Wandern schlecht ausgerüstete Menschen schlendern hier entlang. Nach 25 Minuten steigt der Weg im schattigen Wald leicht an und schon sind wir praktisch alleine unterwegs. Unterhalb von uns hören und erspähen wir ab und zu den rauschenden und sich über Stufen stürzende Wildbach Ara und über uns die singenden Vögel. Was für eine herrliche Geräuschkulisse. Nach etwa eineinhalb Stunden queren wir Grashänge mit einer bunt blühenden, vielfältigen Blumenpracht. Meine Augen sind so damit beschäftigt diese grossartige Flora zu bestaunen, dass ich mehrmals über Weghindernisse, sprich Steine, stolpere und beinahe auf die Schnauze falle. Dabei sind auch die Berggipfel in der Ferne ein Hingucker.

Für die Mittagspause setzen auch wir uns ans kühle Wasser und werden immer wieder von den unerschrockenen Schmetterlingen als Salzquelle,(so vermuten wir) angeflogen. Herrlich!

Wieder unten beim Parkplatz angekommen spüren wir die Hitze. Auf dem Rückweg treffen wir auf viele Jogger und entgegenrasende Autos bzw. Campers, die auf der sich windenden eineinhalbspurigen Piste viel Staub aufwirbeln. Als sich eine Gruppe Fussgänger mit Gesten beklagt, entsteht eine hitzige Diskussion mit einem Campingbusfahrer … Kurze Zeit später kommt uns ein Kastenwagen mit stark übersetzter Geschwindigkeit entgegen. Fabrizio kann nur knapp eine Kollision verhindern … Willkommen in der ME-FIRST-Gesellschaft, auch hier in Spanien!

Broto
Broto

 

28.06. – Broto
Wetter: schön und warm bei 28°C

Was machen wir an einem Ruhetag? 

Blog aufarbeiten, waschen, faulenzen, planen ausgiebig zu Mittag essen … und allenfalls einen Kurzausflug mit oder ohne Spaziergang. Nach fünf Tagen im Camping des gleichnamigen Weilers Oto wollen wir uns von einem Mirador mit einem 5 Sterne Blick über den Ordesa Nationalpark gebührend von dieser so grandiosen Gegend verabschieden. Doch als wir uns gegen 16:00 Uhr mit Hannibal auf den Weg machen, versperrt uns, kaum sind wir auf der Piste, eine Barriere, den Weg. Schade einerseits … doch können wir uns andererseits privilegiert schätzen, dass wir 2021 diesen Track noch fahren durften.

So kehren wir in der Hitze des Nachmittags zurück zu unserem schattigen Campingplatz.

Der Geisterdorf Cajol
Der Geisterdorf Cajol

 

29.06. – Boltaña
Wetter: schön und warm bei 28°C

Auf dem Weg zur westlichen Seite des Ordesa Nationalparks fahren wir zwei kurze Tracks. Der erste führt durch dichte Mischwälder zu Geisterdörfern, wo einige Häuser wieder illegal bewohnt werden und der zweite zu einem Aussichtspunkt der Superlative über die Berggipfel des Ordesa Nationalparks.

Als wir durch die Wälder fahren, fallen uns die vielen Trockensteinmauern, die Terrassen und der immer noch erkennbare, über Generationen in harter Arbeit gestaltete Kulturraum auf. Alles musste einem grössenwahnsinnigen Projekt, das nie realisiert wurde, geopfert werden.

Der Reihe nach: 1950 entwickelte die Regierung der autonomen Gemeinschaft von Aragon ein grosses Staudammprojekt, das über 10 Dörfer betraf. 1960 begann der Staat die Bewohner zu enteignen, Schulen zu schliessen, Infrastruktur in die Luft zu sprengen, ohne dass ein Betreiber des Elektrizitätswerks feststand oder die Planung der Bauarbeiten genügend fortgeschritten waren, um beginnen zu können. Harte Tatsachen wurden geschaffen. Die Bevölkerung empfand, neben dem Schmerz ihre Heimat zu verlieren, das Verhalten der Regierung als reine Schikane. Noch Jahrzehnte wurde gegen dieses Projekt mobilisiert und Widerstand geleistet. 2001 ergab eine Umweltprüfung, dass das Projekt gegen die EU-Vorschriften verstiess. Erst 2005 wurde dem Projekt definitiv der Stecker gezogen. Doch die enteigneten Familien warten bis heute auf eine gerechte Lösung bzw. Entschädigung oder Rückgabe ihres Eigentums. Die Mühlen des Staates mahlen eben sehr sehr langsam.

Kaum im Tal fahren wir nach der Besichtigung des Geisterdorfes Janovas am 1000-Seelendorf Boltaña vorbei – für einen Besuch ist es schlicht zu heiss – und eine steile, zum Teil ruppige Piste bis zum Bergkamm hinauf. Der Blick von hier oben auf die Gipfel der Pyrenäen ist unglaublich. Doch fragen wir uns, ob die Hitze es uns erlauben wird, dieses Gebiet zu Fuss zu erkunden. Wir werden sehen…

Cañón de Añisclo
Cañón de Añisclo

 

30.06. – Ordesa NP – Cañyón de Añisclo
Wetter: schön und sehr warm bei 33°C

Eine knapp dreistündige Wanderung durch Mischwald entlang des wilden Cañyón de Añisclo bringt uns zur Ripareta, einer Flussmündung, wo sich der Rio Anisclo einem Wasserspiel gleich über horizontale und laterale, mal grössere, mal kleinere Stufen stürzt. Im Schatten von Buchenzweigen picknicken wir und geniessen das Naturschauspiel.

Die heutige Wanderung führt zu 80% durch dichten Wald, was wir an diesem heissen Tag besonders zu schätzen wissen. Nur ab und zu lichtet er sich ein wenig und wir erhaschen einen Blick auf den malerischen Rio Bellós mit seinen schönen Wasserfällen und seinen vielen Verengungen, durch die sich das glasklare Wasser laut tosend und schäumend zwängt.

10 Minuten bevor wir zu Hannibal zurückkehren, passieren wir nochmals die Eremita de San Úrbez und schliesslich die pittoreske Puente de San Úrbez aus dem 18. Jh., die durch eine hässliche Holzkonstruktion ersetzt wurde. 

Auf dem Talboden staut sich die Hitze unerträglich. Wir sind froh, dass Hannibals Klimaanlage uns auf dem Rückweg zum Camping Añisclo etwas Erfrischung bietet. Wir stoppen bei zwei Miradores und verabschieden uns nochmals vom grandiosen Cañyon, eingerahmt von den tausend Meter hohen Klippen des Montondo und der Sestrales. Beeindruckend.

In den Gassen von Chistau
In den Gassen von Chistau

 

02.07. – Über das Valle de Chistau nach Benasque
Wetter: schön und warm bei 28°C

Wir flüchten vor der Hitze durch das abgelegene Tal Valle de Chistau über eine Piste in Richtung Benasques, das vom Parque Natural Posets-Maladeta mit seinen vielen Dreitausender umgeben ist. 

Auf der Fahrt durch das enge Valle de Chistau /Gistau (Tal) durchqueren wir viele dunkle archaische Tunnel. Das Tal soll nach meinem 15-jährigen Führer noch unberührt sein und den ökologischen Tourismus favorisieren. In Plan, der ersten Ortschaft am Talende, begrüsst uns auf der Durchfahrt doch einiges an neuer Infrastruktur (Hotels, Geschäfte und Restaurants), woraus wir schliessen, dass einige Monate im Jahr doch einiges los sein muss. 

Wir stoppen in dem etwas oberhalb gelegenen, letzten und namensgebenden Dorf des Tales, in Chistau – so unverfälscht habe ich mir auch Plan vorgestellt: Der Verkehr parkt am Ortsanfang und erkundet zu Fuss das Dorf, so auch wir. Viele der Häuser werden hier nicht mehr dauerhaft bewohnt und dem Touristen als Casa Rural zur Verfügung gestellt. Im 17 km langen Tal leben gerade einmal 660 Einwohner. 

Doch natürlich hat auch in Chistau das moderne Leben Einzug gehalten. Der Waschplatz am Dorfanfang scheint keine Funktion mehr zu haben und dient den Kaulquappen als riesiges Schwimmbecken. Viele der steilen Dorfgassen und die wenigen flachen Stellen sind mit Autos zugestellt. So ist nur das Blickfeld oberhalb des Kopfes noch einigermassen perfekt.

Bei der Weiterfahrt auf einer guten Waldstrasse erreichen wir einen Pass mit einem tollen Blick auf die zum Teil noch schneebedeckten Bergspitzen der Pyrenäen, können bei der Mittagspause einen Geier und einen Adler beobachten und hören in der Ferne das Gebimmel einer weidenden Kuhherde. Das Beste jedoch ist, die Temperatur beträgt vielleicht gerade mal 22-23° Grad. 

Ibònet de la Scarpinosa
Ibònet de la Scarpinosa

 

03.07 – Val de Batisielles – Ibón de Escarpinosa
Wetter: schön und warm bei 25°C

Wir sind sehr nah an der französischen Grenze. Dies drückt sich auch bei den Ortsnamen aus wie Benasque, ein eher hässlicher Wintersportort umgeben von einer sehr schönen Bergwelt und vom Ibonet de Batisielles, ein Weiher, zu dem wir heute wandern werden.

Wir starten früh, da die Gewitterneigung gemäss Prognose bereits am frühen Nachmittag stark zunimmt. Und tatsächlich, um 15:00 fegt ein heftiges Gewitter über das Haupttal, da sind wir aber bereits beim Campingplatz zurück und gönnen uns eine warme Dusche.

Vom grossen Wanderparkplatz, auf dem um 09:00 bereits viele Autos stehen, erreichen wir nach etwa zwei Stunden stetigem Anstieg zuerst auf einer Waldstrasse und dann auf einem Waldpfad den idyllischen Ibonet de Batisielles. Wir lassen uns von einer spanischen Familie überzeugen, weitere 45 Minuten bis zum Ibon de Escarpinosa zu wandern. Der Weg ist schlecht markiert. Die ausladenden, blühenden Alpenrosenstauden zwischen riesigen Felsbrocken erschweren die Orientierung. Zudem sind zwei Wildbäche zu überqueren. So werden die letzten 100 Höhenmeter bis zum Weiher Escarpinosa eine echte Kletterpartie. Als wir oben ankommen, haben sich bereits etwa 10 Menschen einen schönen Rastplatz am Ufer des Bergsees, der von Bergspitzen kronengleich umrahmt ist, gesichert. Auch wir lassen uns auf einem Stein nieder und verspeisen eine ausgezeichnete lokale Chorizo.

Den Rückweg bzw. Abstieg bringen wir dank unseren Wanderstöcken ziemlich flott hinter uns. Die Bewölkung nimmt zu und es wird auch zunehmend dunkler. Trotzdem strömen immer noch Wanderer den Weg hoch. Sie scheinen sich nicht vor einem Gewitter zu fürchten …

Forau de Aigualluts
Forau de Aigualluts

 

04.07. – Forau und Plan de Aigualluts
Wetter: sonnig und warm bei 32°C

Unsere heutige Wanderung oberhalb von Benasque, an der französischen Grenze war ein Wettlauf gegen das angekündigte Gewitter.

Um 11:00 Uhr sitzen wir noch gemütlich in der Bar des Campingrestaurants und entschliessen uns unseren Aufenthalt um einen Tag zu Verlängern, als Fabrizio an der Reception eine Broschüre in die Hände gerät, worauf ein wunderschöner Wasserfall abgebildet ist. Da wollen wir hin. Es bedingt eine 4-5 stündige Wanderung und zuvor muss Hannibal fahrfertig gemacht und eine 20 km lange Fahrt zurückgelegt werden.

Gegen 12:00 Uhr sind die Wanderschuhe geschnürt und schnellen Schrittes wandern wir entlang des Río Ésera Richtung der Cascada d’Aigualluts, als uns nach 20 Minuten der erste und kurz darauf der zweite Bus überholt … wir sind etwas Perplex. In unserer Eile haben wir uns gar nicht über diese Möglichkeit informiert. Wir hätten uns so rund eine Stunde regenfreies Wetter sichern können. 

So hetzen wir von der Endstation des Buses (La Besurta) weiter, nun ein Karstgebirge hinauf, legen 340 Höhenmeter zurück und stehen etwa 40 Minuten später völlig verschwitzt und etwas ausser Atem vor dem grandiosen Wasserfall. Viel Zeit zum Fotografieren und Rasten bleibt uns nicht. Dunkle Wolken türmen sich über uns auf. So machen wir uns bereits nach 15 Minuten auf den Rückweg. Doch nun sind wir etwas gescheiter, wir nehmen ab La Bertusa den Bus.

Dieser Ort hätte etwas mehr Zeit und Erkundung verdient. Er macht ein typisches Karstphänomen, das erst 1931 entdeckt wurde, sichtbar: Das Wasser des Wasserfalls, das sich aus dem Gletscher Aneto speist (einer der wenigen, die es in den spanischen Pyrenäen noch gibt), verschwindet kurz nachdem es sich die fotogene Kaskade hinuntergestürzt hat in einem „Wasserloch“ von einem Diameter von 70 m und einer Tiefe von 40 m und zeigt sich erst 4 km später im Valle de Arán wieder.

Wir sind zufrieden mit unserem Tag und gönnen uns am Abend im Campingrestaurant – wie die letzten zwei Abende – ein leckeres Dreigangmenü mit Wein und Wasser für 22 Euro pro Person. Für die Qualität eine super Leistung.

Benasque
Benasque


05.07. – Benasque
Wetter: gewittrig und angenehm warm bei 26°C

Wir geben heute Benasque eine zweite Chance.

Und tatsächlich abseits der Durchfahrtsstrasse gibt es in den engen Gassen des „casco antiguo“ (Altstadt) ein paar echte Trouvaillen zu finden. Zwei freundliche Einheimische machen uns auch auf ein paar besonders schöne Blicke aufmerksam.

Dass hier einmal wichtige Herrschaften zu Gast oder heimisch waren, zeigen Strassennamen wie Calles los Borbones oder Herrenhäuser mit dem Wappen der Condes de Ribagorza. In manche Häuser bzw. deren Eingangsbereiche und Innenhöfe dürfen wir auch einen Blick werfen. Interessant. 

Wie in den meisten Ortschaften in Aragon liegen die beiden Institutionen Kirche und Rathaus in unmittelbarer Nähe, so auch in Benasques. Die Kirche kontrastiert von aussen hübsch mit den steilen Berghängen. Innen ist die Renovation völlig missraten, was wir nicht in einem Bild festhalten wollen. Beim Ayuntamiento stehen wir heute Samstag vor verschlossener Tür.

Esterregalls d’All
Esterregalls d’All

 

07.07. – Sierra de Boumort, Guils de Cerdanya
Wetter: schön und angenehm warm bei 28°C

Bei strahlendem Sonnenschein erklimmen wir von La Pobla de Segur aus nochmals die Sierra de Boumort. In steilen Serpentinen sind auf den ersten 10 km 900 Höhenmeter zu überwinden. Die Piste ist gut und Hannibal scheinen die engen Passagen und die steilen Abgründe nichts auszumachen. Die Ausblicke auf die roten Felswände der Congost de Collegats (Schlucht) sind eine Augenweide. Auf der Hochebene angekommen führt die steinige und holprige Piste mehrheitlich durch Kiefernwald und bietet nicht viel Abwechslung, bis uns in einer Lichtung auf einmal viele Rinderaugen anglotzen. In den Pyrenäen dürfen die Kälber auf schönen Weiden die Welt erblicken und in der Obhut ihrer wachsamen Mütter die ersten Wochen aufwachsen, Mutterkuhhaltung nach Lehrbuch.

Insgesamt haben uns die anderen beiden Routen durch die Sierra Boumort , die wir im Juni dieses Jahres und 2021 gefahren sind besser gefallen.

 

Guils de Cerdanya

Von einem weiteren Track sehen wir heute ab. Immer noch kleben dicke schwere Wolken dicht über den bewaldeten Bergflanken der Pyrenäen. Wir wollen nichts riskieren.

Kurz vor unserem Endziel fallen uns nah der Strasse interessante rote Erosionen auf. Es sind die Badlands Esterregalls d’All, durch die für die Besucher ein Pfad angelegt wurde. Die Erklärungstafeln sind leider von der Sonne verblichen und unleserlich. Dennoch lohnt ein Stopp, auch nur um sich die Beine zu vertreten.

Auch hat man von hier einen guten Überblick über die saftig grünen Ebenen der Cerdanya.

Sierra Cadi Moixero: Prat de Cadi
Sierra Cadi Moixero: Prat de Cadi

 

08.07. – Sierra Cadi Moixero – Prat de Cadi
Wetter: schön und angenehm warm bei 28°C

Mit der Wanderung zu der idyllischen Weide Prat de Cadi, die sich vor einer wunderbaren Bergkulisse im Naturpark del Cadí-Moixeró auf rund 2000 m befindet, beenden wir unsere Reise in den Pyrenäen.

Nach den sehr unbeständigen letzten Tagen ist der Himmel heute blau mit wenigen hübschen Zuckerwatten-Wolken. Den Schmetterlingen scheint es zu gefallen. In Massen flattern sie heute um uns herum und laben sich an den bunten Wiesenblumen.

Ripoll
Ripoll

 

09.07. – Ripoll, Sant Joan de les Abadesses, Beget, Montagut-Castellfollit de la Roca
Wetter: schön und angenehm warm bei 28°C

150 km, 1000 Kurven und drei Stationen hat unsere heutige, selber zusammengestellte „Scenic Route“ von Puigcerda nach Montagut beinhaltet.

Das lebendige Städtchen Ripoll haben wir zu einem Kaffeestopp genutzt, uns mit einem Husky angefreundet, ein paar Graffitis entdeckt und ein paar typische spanische Würste für die Schweiz eingekauft.

 

Sant Joan de les Abadesses

Die zweite Station ist nur wenige Kilometer und Kurven von Ripoll entfernt. In Sant Joan de les Abadesses fiel uns eine besondere Brücke auf, die uns zu einer genaueren Erkundung einlud.

 

Beget

Das romantische Beget ist unser drittes Ziel, das wir auf einer sehr engen und kurvigen Strasse durch dichten Wald nach einer gefühlten Ewigkeit erreichen. Doch der Umweg über dieses hübsche und gut unterhaltene Bergdorf in der Comarca Garrotxa lohnt sich. Wie immer ist die Kirche ein markantes Gebäude, das den Ort dominiert und wenn man genauer hinschaut, sind auch ein paar Kuriositäten zu entdecken.

 

Montagut-Castellfollit de la Roca 

Am 1000 Seelenort Castellfollit de la Roca, der sich spektakulär auf einem mehr als fünfzig Meter hohen Felsmassiv aus Basaltgestein installiert hat, sind wir schon 2021 vorbeigekommen, haben ihn jedoch nicht besucht. Das wollen wir morgen nachholen. 

Castellfollit de la Roca
Castellfollit de la Roca

 

10. – 12.07. – Empuriabrava
Wetter: schön und angenehm warm bei 26-31°C

Zum letzten Mal lesen wir für dieses Jahr BENVINGUTS. Nachdem wir Hannibal gründlich geschrubbt, Kleider gewaschen und ein Abschiedsessen im Restaurant 50Voltes in Figueres genossen haben, sind wir nun bereit für die Heimreise.

Unsere Ziele waren es, uns zu erholen von der strapaziösen Reise in Australien im 2024 und den mentalen Herausforderungen, die wir antrafen, als wir wieder zu Hause waren. Uns ist beides gelungen. Wir sind viel gewandert, wenig gefahren und haben uns verwöhnen lassen. Trotzdem haben wir viel Neues entdeckt. Aufgrund der Hitzewelle Ende Juni Anfang Juli mussten wir unsere Pläne anpassen. Zaragoza werden wir ein anderes Mal besuchen, so auch eine der grössten Steppen Europas die Los Monegros südlich von Huesca. 

Genau dies bedeutet reisen, ständig flexibel und neugierig bleiben für das was es sonst noch gibt und nicht eine „bucket list“ (Neudeutsch für Wunschliste) abarbeiten. Spanien, wir werden wieder kommen, vielleicht nicht nächstes Jahr, aber…


13.07. – Varces-Allieres-Et-Risset (Frankreich)
Wetter: regnerisch bei 27°C

Nach einer etwa siebenstündigen Fahrt und häufigen Staus auf der Gegenfahrbahn Richtung Süden installieren wir unser letztes Camp auf einem idyllischen kleinen Zeltplatz südlich von Grenoble.

Entgegen den Aussagen des freundlichen Rezeptionisten, dass es dieses Jahr keine Mückenplage gäbe, zieren Fabrizio schon nach wenigen Minuten im Freien ein paar mächtige Beulen.

Am späten Abend fallen anlässlich des französischen Nationalfeiertags von morgen noch ein paar Böllerschüsse. Dann ist es absolut ruhig, weder Licht noch Lärm stören unseren Schlaf. Wir sind glücklich und bereit für die morgige Fahrt in die Schweiz.

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