Balkan 2026: Reisetagebuch
Datum: 13. - 23. Mai
Insel Krk, Senj, Zadar, Paklenica NP, Krka NP, Velebit NP, Plitvicer Seen NP

13.5. – Krk Veglia (Insel Krk) – Senj
Wetter: sonnig bei 18° C
Etwa 700 m über dem Meeresspiegel fahren wir in einer ursprünglichen, vom Wind geprägten wilden Karstlandschaft der Küste entlang Richtung Süden. Wir treffen auf Wegweiser, die auf Winnetou hinweisen, auf Pferde und auf vereinzelte Weisse, die wie wir in ihren Karossen unterwegs sind. Von Winnetou oder seinen Nachfahren jedoch keine Spur. Dennoch kommen wir aus dem Staunen nicht hinaus. Die Aussichten auf die Adria und die Insel Krk, verschlagen uns förmlich den Atem. Gesättigt und befriedigt entscheiden wir uns spontan am frühen Nachmittag, in Senj, einem kleinen unscheinbaren Ort mit erstaunlich gepflegter Strandpromenade, den Tag zu beschliessen. Wir besteigen, die auf einem Hügel liegende Festung Nehaj, die im 16. Jahrhundert von der kroatischen Familie der Frankopanen zur Verteidigung gegen die Türken und die Venezianer errichtet wurde. Von der Festung aus hat man einen wunderbaren Ausblick auf Senj.
14.5. – Senj – Zadar
Wetter: sonnig bei 18° C
Der heutige Tag beschert uns eine wunderbare Fahrt entlang der kroatischen Küste. Aufgrund des schlechten Wetterberichts und den mit dunklen Wolken verhangenen Bergen im Velebit Nationalpark entscheiden wir uns für die Küstenroute und sind keinesfalls enttäuscht, was uns die rund dreistündige Fahrt bringt. Vor allem die Strecke nach Senj bis zum Ende der Insel Rab ist atemberaubend schön. Die Lichtspiele auf den kargen Inselrücken sind entzückend. Wir kommen aus dem Staunen kaum raus.
Weniger entzückt sind wir vom sogenannten Geheimtipp Zadar – es ist aufgrund der Menschenansammlungen, die wir antreffen, ev. auch nicht mehr so ein Insidertipp. Vielleicht ist es aber auch der durch Mark und Bein gehende kühle Wind, der uns etwas teilnahmslos an den Attraktionen vorbeischlendern lässt. Mit dem Tag versöhnlich stimmt uns der uns servierte, hervorragende Wolfsbarsch in der einfachen, sich jedoch durch hohe Gastfreundschaft auszeichnenden Konoba Dalmatina.
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Zadar: Bischofskomplex
15./16.5. – Zadar
Wetter: regnerisch bei 14-20° C
Kühles und unfreundliches Wetter lässt uns auf dem Campingplatz verweilen. Ein englisches Paar, das wir zwei Tage zuvor kennengelernt haben, hilft uns, die Zeit zu verkürzen. Bei englischem Tea und Biskuits aus einer echt royalen Dose verbringen wir ein paar amüsante und interessante Stunden. Im gemütlichen, vor allem warmen Konoba Rafaelo deckt Fabrizio seinen täglichen Eiweissbedarf mit einem perfekt gebratenen 500g Rumpsteak während dem ich mich mit zwei Pouletbrüsten begnüge.
Heute regnet es beinahe ununterbrochen bis am Abend. Gut bekleidet – es ist unangenehm kühl – nutzen wir eine Niederschlagspause um uns nach 16:00 Uhr zu Fuss in die etwa 4 km entfernte Altstadt aufzumachen. Überall gibt es riesige Regenpfützen und entlang der Uferpromenade sogar Überschwemmungen, die uns zu Umwegen zwingen. Unterwegs treffen wir auf einen Baum mit einer sonderbaren rosaroten Blumenpracht, auf verwahrloste Herrenhäuser und in einer ehemaligen Künstlervilla auf eine Sphinx als Fotomotiv. Als wir die Altstadt von Zadar verlassen, leuchten die Häuser beinahe unnatürlich rot. Als wir uns um 180 Grad drehen, erfahren wir warum. Hoffentlich ist dies ein gutes Omen für die nächsten Tage.
17.5. – Zadar – Paklenica NP
Wetter: bewölkt bei 14-20° C
Reisen bedeutet sich Zeit nehmen für Begegnungen. Und es gibt nichts schöneres, als Seelenverwandte zu treffen, stundenlang miteinander zu reden in einer ungezwungenen, familiären Atmosphäre. Und so war es mit Sanny und Ron. Beim zweiten Zusammentreffen in Zadar war die Freude auf beiden Seiten gross und wir haben uns wie langjährige Freunde begrüsst. Um das au revoir etwas hinauszuzögern, haben sie uns heute nach dem Morgenkaffee zu einem echt englischen Tea eingeladen, «many thanks, it was delicious and so delightful meeting you». Der Nachmittag galt den Kindheitserinnerungen an die Romane von Karl May. Hier in den engen Schluchten der Paklenica-Schlucht wurde 1962 der Winnetou-Film „Der Schatz im Silbersee“ gedreht. Heute ist der Nationalpark mit seinen wilden Caynons vor allem auch ein kroatisches Klettermekka. Das Gebiet eignet sich aber auch wunderbar zum Wandern. Was wir mit Sonnenschein nur zu gerne genutzt haben.
18.5. – In den Höhen von Rovanjska – Krka NP
Wetter: leicht bewölkt bei 21° C
Hannibals stummes scharren hat endlich ein Ende. Zufrieden tänzelt er die steinigen Pisten zu den karstigen Anhöhen hoch (+/- 1000 Höhenmeter). Auch die vielen Pfützen überwindet er ohne Murren. Seine Monkeys schwelgen ob den pittoresken Aussichten, der bezaubernden Natur und den wunderbaren Blumenwiesen, die zu einem ständigen Stopp-and-Go führen.

Gegen Abend erreichen wir die Grenze zum Krka Nationalpark, wo wir im Camping eigenen Restaurant mit einem ausgezeichneten Rindsschmorbraten auf Grossmutterart und als Dessert mit einem Sonnenuntergang der Sonderklasse verwöhnt werden. Was wollen die Monkeys mehr …. nichts … vielleicht Bananen! Nein, sie sind rundum glücklich.
19.5. – Krka NP
Wetter: regnerisch und sonnig bei 23° C
Burgruine Ključica
Vier Stationen beinhaltet unsere heutige Tour durch den Krka Nationalpark: die Burgruine Ključica sowie die Wasserfälle Manojlovac, Roški slap und Skradinski buk. Dabei sind der Anfang sowie der Schluss der gut 100 km langen Rundfahrt die Highlights des heutigen Tages. Ab dem späten Morgen folgt uns hartnäckig eine Gewitterwolke, die sich ab und zu auch entleert, sogar einmal in feinen Hagelkörnern. Die wie auf einem Adlerhorst liegende Burgruine Ključica erreicht man vom Pakplatz aus über einen steilen und manchmal auch rutschigen Weg (1.1 km) entlang eines kargen Schotterhangs. Doch die Mühe lohnt sich. Der Blick über die Čikola- Schlucht ist magisch. Strategisch war die Lage der in der ersten Hälfte des 14. Jahrhundert erbauten Festung hervorragend. Einerseits war sie kaum vom Feind einnehmbar und andererseits konnte so die venezianische Handelsroute von Šibenik ins Hinterland und nach Bosnien kontrolliert werden. Nur gegen eine Gebühr durfte die Brücke über den Fluss genutzt werden.
Manojlovac Wasserfall
Zuerst einmal werden wir enttäuscht. In dichter Vegetation nähern wir uns auf einem glitschigen zum Teil steilen Kopfsteinpflaster-Weg halsbrecherisch dem Talboden. Der Wasserfall ist zu hören, aber kaum zu sehen. Und dann kurz vor dem vermeintlichen Ziel, steht eine Verbotstafel für Fussgänger. Ausser Spesen nichts gewesen! Nach einer halben Stunde wieder oben angekommen, folgen wir dem Wegweiser „Aussichtsplattform 250 m“ und da liegt er dann vor uns, der über mehrere Kaskaden hinabstürzende Manojlowacer Wasserfall, Gesamthöhe knapp 60 m. Schön aber nicht atemberaubend, lautet unser Urteil. Erwähnenswert ist, dass auch der Kaiser Franz Joseph I mit Sissi hier zu Besuch war. Überrascht werden wir auf der Fahrt zum nächsten Naturereignis von einem markanten Wasserturm.
Roški slap
Roski slap ist wohl nur aus der Vogelperspektive oder vom See her zu erfassen. Interessant sind die Ausstellungen zu den Mühlen.
Skradinski Wasserfall
Die eigentliche Attraktion im Krka Nationalpark ist der Skradinski buk. Wir haben ihn für den Abschluss unseres Ausflugs aufgespart. Unsere Erwartungen werden nicht enttäuscht, im Gegenteil sie werden übertroffen. Auf einem knapp 2 km langen Lehrpfad werden wir auf Holzstegen durch diese einzigartige Naturlandschaft geführt. Paradiesisch schön. Es blubbert, quakt und summt um uns herum. Soooo beruhigend. Wir kommen kaum aus dem Staunen heraus. Besonders tuen es uns die Blauflügel-Prachtlibellen an. Zu Dutzenden sonnen sie sich auf Baumästen nah am Wasser. Und dann ganz am Ende des Rundgangs kommt der eigentliche Star des Parks, der Skradinski buk. Er besteht aus 17 Kaskaden, die sich über 800 Meter Länge und bis zu 400 Meter Breite erstrecken und einen Höhenunterschied von ca. 45 Metern überwinden. Traumhaft schön
20.5. – Krka NP – Velebit NP
Wetter: sonnig und bewölkt bei 21° C
Unseren ersten Kaffeestopp auf dem Weg nach Norden – wir wollen die Erkundung des Velebit Nationalparks und der Plitvičer Seen nachholen – machen wir im unscheinbaren Obrovac. Dieses Dorf hat definitiv schon bessere Zeiten gesehen. Während der historische Kern zerfällt, werden die Menschen in modernen Wohnsilos auf der anderen Flussseite angesiedelt, auf den wir vom erstaunlich gepflegten Restaurant blicken. Kaum zu glauben, dass hier im 14. Jahrhundert einer der bedeutendsten Handelszentren zwischen Norddalmatien, der Adriaregion und dem Landesinneren der Balkanhalbinsel Kroatiens lag. Deshalb war der Ort auch heiss begehrt, sodass es im Laufe der Jahrhunderte mehrfach die Obrigkeit wechselte: Das Osmanische Reich, Venedig, Österreich, Frankreich und erneut Österreich. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde es Teil des „Königreichs der Serben, Kroaten und Slowenen“, dem Vorgängerstaat des späteren Jugoslawiens. Ab 1945 war Obrovac Teil der kroatischen Teilrepublik, trotz serbischer Bevölkerungsmehrheit in der Stadt. Zwischen 1991 und 1995 gehörte Obrovac zum von Serben kontrollierten Gebiet der „Republik Serbische Krajina“. Erst mit der Operation Oluja, mit der letztlich auch der Krieg um die Unabhängigkeit Kroatiens beendet wurde, wurde Obrovac zwischen dem 4. und 7. August 1995 wieder Teil des souveränen kroatischen Staates. Noch heute sieht sich ein Viertel der Bevölkerung als Serben.
21.5. – Velebit NP – Wanderung zur Kiza-Spitze
Wetter: sonnig und sehr windig bei 25° C (gefühlt eher 15° C)
Gemsen gleich, jedoch nicht so elegant, erklimmen wir die zerklüfteten Berghänge des wilden Karstgebirges Velebit. Wir begegnen keiner Menschenseele, erspähen aber kurz vor der ersten Bergspitze Lamin tatsächlich ein paar Gemsen. Die Aussicht vom Bergkamm auf die adriatische Küste und die Umgebung ist spektakulär. Auf gut markierten Wanderwegen geht es auf einem halsbrecherisch steilen Pfad hinunter – aufgrund der zerfransten Topografie ist die Wanderung entlang des Bergkammes nicht möglich – bevor wir auf die nächste Bergspitze, Kiza, klettern. Hier fegt uns der starke Wind beinahe weg. Ein paar Bilder und ein Selfie muss genügen bevor wir den mit ein paar Stahlstufen versehenen Abstieg in Angriff nehmen. Der Abstieg ist rutschig und mühsam. Um die bunt blühenden Hänge, die an kunstvoll angelegte Steingärten erinnern, zu bewundern, bleibt man besser stehen. Wir sind erfüllt und gleichzeitig froh. als wir unten ankommen und auf einer guter Strasse zum charmanten Kamp Velebit zurückkehren können, vorbei an einem furchtbaren Hotelkomplex und inmitten vom Nirgendwo stehende Hydranten. P.S.: wir können nicht nachvollziehen, wo die 25 Grad gemessen wurden. Gefühlt waren es maximal 15 Grad. Vielleicht macht auch der Chillfaktor des starken Windes die Differenz aus.
22./23.5. – Plitvicer Seen NP
Wetter: sonnig du windig bei 21° C
Der Nationalpark Plitvicer Seen gehört seit 1979 zum UNESCO-Weltnaturerbe und ist ein Touristenmagnet Kroatiens mit fasts zwei Millionen Besuchern pro Jahr. Auch war er Kulisse für den Winnetou-Film „Schatz im Silbersee“. Wird uns dieses Naturwunder begeistern? Wie gehen wir mit den Menschenmassen um? Fragen über Fragen. JA, die 16 kaskadenförmig angeordneten Seen, die sich über atemberaubende Wasserfälle miteinander verbinden sind spektakulär. JA das Wasser ist glasklar und von leuchtendem Türkis, weil der hohe Gehalt an gelöstem Calciumcarbonat das Wasser natürlich filtert. JA, der Nationalpark ist ein Anziehungspunkt und manchmal drohen die Holzstege unter den Menschenmassen zusammen zu brechen. Es ist schwierig in Ruhe das Naturspektakel zu geniessen. Fabrizio flucht innerlich, weil die auf dem Stativ montierte Fotokamera wegen den daher stampfenden Touristen vibriert. Wir gehen morgen gleich nochmals hin.
Im vor dem NP liegendem Borje Camping haben wir ein Paket gebucht: € 144 für zwei Nächte auf einem Stellplatz inkl. Frühstück, Parkeintritt für zwei Tage und einem 15%-Rabatt-Gutschein für das à-la-Carte Restaurant, den wir gestern eingelöst bereits haben. Frisch gestärkt vom tollen Frühstück fahren wir zur frühen Stunde erneut in den Nationalpark.
Dort erwartet uns beim Eingang 1 bereits die obligate Menschenmasse, die uns auf dem Abstieg zum Grossen Wasserfall begleitet. Nach den unglaublich spektakulären Kaskaden folgen wir weiter der Route C. Die Menschenmenge dünnt sich etwas aus, stockt jedoch immer wieder vor besonders schönen Passagen sowie vor den Anlegestellen der Elektroboote oder den sogenannten Zughaltestellen für die Panoramastrecke. Heute nehmen wir es gelassener. Wir lustwandeln durch dieses wunderschöne Naturschauspiel und sind immer wieder beeindruckt von der Farbe und Klarheit des Wassers, der Üppigkeit der Pflanzen bei den Tuffüberflüssen und der etwas zurückhaltenderen Blumenpracht in den Buchenwäldern. Wir sind unglaublich froh, diesen „Umweg“ in den Norden erneut auf uns genommen zu haben. Er hat sich für uns auf jeden Fall gelohnt














































































































