Wir helfen Freunden bei der Olivenernte auf dem Peloponnes.
Vom 29. September bis zum 25. Oktober sind wir in Mesochori (Griechenland), ca. 220 km südlich von Patras auf dem Peloponnes. Während dieser Zeit helfen wir Freunden bei der Olivenernte.
27.09., Lugano – Ancona
Wetter: wechselhaft bei 23° C
Bei kühlregnerischem Wetter brechen wir am frühen Morgen in Lugano mit Ziel Ancona auf. Vor dem Grenzübertritt in Mendrisio erwartet uns ein halbstündiger Stau. Im dichten Verkehr umfahren wir auf der Tangenziale von Milano die Wirtschaftskapitale von Italien. Erst nach Bologna hellt sich das Wetter langsam auf und der Verkehr lichtet sich.

Im Hafen von Ancona verläuft das Check-in für die Anek-Fähre nach Patras speditiv. Der Espresso am Kiosk ist exzellent. Die Wartezeit von gut zwei Stunden bis wir auf die Fähe fahren dürfen bleibt unaufgeregt: die Altstadt am Hügel über dem Hafen können wir nur von weitem betrachten, die Flaniermeile am Quai ist schnell abgelaufen … so vertreiben wir uns die Zeit mit etwas Sonnenbaden, am Handy und einem kurzen Schläfchen. Wir sind für die 23-stündige Überfahrt nach Patras bereit.
28.09., Ancona – Patras
Wetter: regnerisch bei 22°C
Schlafen, Essen, Lesen, Stricken, Menschen Beobachten und auf das immer dunkler werdende Meer Hinausschauen, das sind die Beschäftigungen während der rund 24-stündigen Überfahrt von Ancona nach Patras. Anstatt um 16:30 kommen wir um 18:00 in der Kapitale des Peloponnes an. Rund 3/4 Stunden dauert es, bis wir die Fähre verlassen. Wir sind im untersten Deck und dort ganz hinten eingeparkt. Als zweitletzte drehen wir unseren Zündschlüssel und verlassen über steile Rampen die Anek Superfast.
Als wir gegen 19:30 unser Zimmer im Hotel Moxy beziehen, sind wir hungrig und müde. Hastig eilen wir entlang der verkehrsreichen Strandpromenade und einer lebendigen Fussgängerzone zum rund 2.5 km entfernten Restaurant Rooster. In eleganter Atmosphäre wird uns vorzüglich gekochte griechische Hausmannskost serviert. Wir sind zu erschöpft und hungrig, um die hübsch angerichteten Speisen für die Leser dieses Blogs abzulichten. Sorry!
Gegen 22:00 legen wir uns hundemüde zu Bett. Doch an Schlaf ist nicht zu denken. Zuerst beschäftigt uns das Abschalten eines raumausfüllenden Lichts unterhalb der Bettstatt und dann die verpoppte laute Tangomusik einer benachbarten Bar.
29.09., Patras – Mesochori
Wetter: bedeckt bei warmen 25°C
Nach einer knapp vierstündigen Fahrt kommen wir im 210 km südlich von Patras gelegenen, verschlafenen Mesochori an. Die lange Fahrzeit nach Messenien ist einer teilweise gesperrten Autobahn mit schlecht ausgeschilderter Umfahrung und den nach Pyrgos engen Strässchen in lamentablen Zustand geschuldet.
In Mesochori beziehen wir die grosszügige Ferienwohnung, die dem Vater bzw. Schwiegervater der Olivenölproduzenten Nicole und Jannis gehört. Alle, die nun meinen, wir seien hier in den Ferien, müssen wir enttäuschen. Endlich werden wir wieder einmal arbeiten. Wir haben uns zur Olivenernte bei einem schweizerisch griechischen Paar beworben und wurden trotz unseres fortgeschrittenen Alters ohne grosse Umschweife akzeptiert.
Als wir am Abend das kleine Örtchen erkunden, fallen uns die vielen zerfallenen Häuser auf. Es sieht wie nach einem Erdbeben aus … was hat wohl hierzu geführt? Vielleicht wissen wir nach unserem knapp vierwöchigen Aufenthalt etwas mehr.
Erstmal beenden wir unseren Abendspaziergang mit einem Feierabend Bier in der einfachen Taverna vis a vis unserer Wohnung.
30.09. Methoni
Wetter: sonnig bei sommerlichen 28°C
Heute haben wir einen Freitag …
Wir besuchen die bezaubernde Hafenstadt Methoni und verwöhnen uns in der engen Hauptgasse des kleinen Städtchens mit einer leckeren Spanakopita, einem Filoteiggebäck mit Blattspinat und Feta. Die Atmosphäre ist ruhig und freundlich und lädt zum Verweilen ein.
01.10. Pylos
Wetter: sonnig bei 27°C
Pylos lieg an der pittoresken Bucht von Navarino. Hier lässt es sich gut entlang des Quais flanieren oder einen Espresso in einem der vielen Strassenkaffees geniessen.
Die Touristensaison geht dem Ende zu. Bald haben die Messenier das Städtchen wieder für sich. Zu dieser Jahreszeit finden meistens nur noch Individualtouristen den Weg hierher. Manche Hotels, Restaurants und Eisdielen haben ihre Pforten bis zum Frühjahr bereits verriegelt. Der Besuch der Sehenswürdigkeiten muss heute noch warten.
Am Nachmittag haben wir unseren ersten Arbeitseinsatz. Nicole erwartet uns bereits mit einem kleinen Beil und einer Hacke. Der Olivenhain will für die Ernte vorbereitet sein. Alle Austriebe um den Baum und an dessen unteren Stamm müssen weggehauen werden. Einerseits weil sie dem Olivenbaum Kraft kosten und andererseits um das Netz besser für die Ernte auslegen zu können. Für die ersten 100 – 150 Bäume benötigen wir knapp 4 Stunden. Weitere 1200 warten in den nächsten Tagen auf unsere Behandlung.
2.10. Methoni
Wetter: Aufhellung nach regnerischem Vormittag bei 24°C
Auch heute ruht die Arbeit.
Dies ist dem Wetter geschuldet. Bereits in der Nacht gehen heftige Gewitter mit laut knallenden Böllerschüssen über Mesochori nieder. Die Strassen gleichen am Morgen einem Bachbett. Bis am frühen Nachmittag dauert diese ergiebige Herbstregen an. So faulenzen wir, spielen Blokus und stricken, der Winter kommt bestimmt.
Eine kurze Regenpause nutzen wir für einen kleinen Spaziergang entlang der imposanten venezianische Festungsanlage von Methoni. Die Besichtigung müssen wir auf ein andermal verschieben. Denn der nächste heftige Regenguss kündigt sich in der Ferne bereits an.
3.10. Mesochori
Wetter: wechselhaft bis sonnig bei 21-25°C
Während Nicole und ich Netze für die Olivenernte flicken, arbeiten Jannis und Fabrizio im Olivenhain. Im Sommer fällt für Monate kein Regen. Die Bäume müssen deshalb minimal bewässert werden. Vor der Ernte gilt es dann, die Bewässerungsrohre zu entfernen und aufzurollen. Am Nachmittag beugen sich die beiden Männer über den Traktor, um die Ursache für ein Problem zu finden und tatsächlich finden Sie eine Lösung.
Uns Näherinnen behindern immer wieder kräftige Schauer. Kaum haben wir die enormen Netze auf dem Kiesweg ausgespannt und mit Wäscheklammern die Löcher markiert, fallen die ersten Regentropfen. Nun müssen die Netze erstmal trocknen, bevor wir sie unter die Nähmaschine spannen können, um die Löcher zu stopfen. Dann nach der Zwandgspause geht’s endlich wieder los … bevor die nächsten dunklen Wolken auftauchen. Diesmal reagieren wir genug schnell und bringen die Netze im Geräteschuppen in Sicherheit. Es ist wie ein Katz- und Mausspiel. Nur, dass diesmal die Katzen uns genüsslich zuschauen.
4. – 5.10. Mesochori
Wetter: wechselhaft bei 21°C
Die Erntenetze sind heiss von Hunden, Katzen und mir umkämpft. Ein kleiner Moment der Unaufmerksamkeit und schon richtet ein vierbeiniges Wesen genüsslich seine Schlafstätte darauf ein … Merken tue ich es jeweils erst, wenn sich das Netz unter der Maschine nicht nachziehen lässt, weil das Gewebe mit fremden Körpern beschwert ist.
Doch wenigstens stimmt heute das Wetter. Während wir gestern mehrmals Maschine und Netze vor den Regenschauern in Schutz bringen mussten, werden wir heute mit Sonnenschein bei angenehmen 24/25 Grad verwöhnt. So kommen wir ziemlich rasch voran. Für das Flicken von zwei Netzen benötigen wir dennoch sechs Stunden.
Umsorgt werden wir auch am Abend, wo wir uns den Familientisch von Nicole und Jannis mit den Töchtern Ariadni und Eleni setzen dürfen. Leckere griechische Gerichte, zubereitet mit Gemüse aus dem eigenen Biogarten, werden aufgetischt. Dazu angeregte Gespräche in harmonischer Atmosphäre.
6.10. Mesochori
Wetter: Regen bei 21°C
Der heutige Tag und die Vorbereitungsarbeiten für die Olivenernte fallen förmlich ins Wasser. Es regnet den ganzen Tag. Ob vom Wohnzimmerfenster, von der Küche oder von den beiden Schlafzimmern aus, die Aussicht bleibt trüb. Zwischendurch stürmt es so heftig, dass die Strassen sich in Bäche verwandeln.
7.10. Mesochori
Wetter: bewölkt mit etwas Sonnenschein bei 21°C
Während Nicole und ich Löcher in den Erntenetzen wiefeln (ausbessern) hat Fabrizio Dienst im Olivenhain. Ratzfatz haben Jannis, Eric und er an 500 Olivenbäumen die störenden Austriebe mit dem Beil weggehauen. Als sie zurückkommen stecke ich immer noch tief in den Stopfarbeiten des ersten fürchterlich malträtierten Erntetuches. Es will und will einfach kein Ende nehmen …
Am Abend lassen wir uns zusammen mit meiner Namensvetterin Sabine von der Schweiz in Methoni im Restaurant Modon verwöhnen. Neben interessanten und angeregten Gesprächen werden wir mit vorzüglich zubereitetem Fisch verwöhnt. Ein durchwegs gelungener Abend. Was will man mehr im Leben?
8.10. Mesochori
Wetter: bewölkt mit etwas Sonnenschein bei 21°C
Heute schaffen Fabrizio und ich in etwa sieben Stunden fünf Netze auszubessern. Während wir uns in diese staubige Arbeit vertiefen, verinnerlichen wir fest einen Spruch von Klaus Löwitsch: „Zum Glück gehört, dass man irgendwann beschließt, zufrieden zu sein.“
9.10. Antikes Messene
Wetter: sonnig bei 23°C
Unser erster Exkurs gilt heute dem Netz, nicht dem Erntenetz, sondern dem Strassennetz. Denn wir haben heute frei und fahren zur Ausgrabungsstätte „Ancient Messene“. Für 65 km benötigen wir gute zwei Stunden – so wie es das Navi vorausgesagt hat. Die Strassen sind in sehr schlechtem Zustand, Schlaglöcher ohne Ende. Der Fahrer braucht höchste Konzentration, um keinen Achsbruch zu riskieren.
Das Antike Messene wurde 369 v. Chr. gegründet und liegt wunderschön in einem abgelegenen Bergtal, 35 km nordwestlich von Kalamata. In der weitläufigen Ausgrabungsstätte gibt es sehr gut erhaltene öffentlichen Bauten wie das Theater, der Marktplatz (Agora), das Heiligtum Asklepieion“ und das ovale Stadion mit dem daneben liegenden Gymnasium. Die ganze Anlage führt dem Besucher das Grandiose dieser gut geplanten antiken Stadt vor Augen. Im Gymnasium etwa sind die Latrinen, die von einem Bach unterspült sind, zeugen dieser gekonnten Verbindung von guter Architektur und Planung.
Besonders fasziniert waren wir auch von den prächtigen Mosaikböden in den Villen der reichen Bürger und dem Grabmal einer reichen Familie mit einem aussergewöhnlichen konischen Dach.
Das antike Messene ist heute gut besucht, aber bei weitem nicht zu vergleichen mit den unendlich langen Touristenströmen eines Delphis oder Olympias. Es ist quasi noch ein Geheimtipp und man tritt sich nicht gegenseitig auf die Füsse.
10.10. Mesochori
Wetter: sonnig bei 24°C
… Hunde und Katze sind immer dabei und auch die Tochter Eleni gesellt sich gerne dazu, wenn sie von der Schule nach Hause kommt. Heute geben wir nochmals alles beim Netze Ausbessern, denn morgen kommen sie zum Einsatz, die Ernte beginnt. Doch aller Einsatz nützt nichts, wenn die vorjährigen Helfer zuwenig sorgsam waren oder die Löcher in den Vorjahren sehr notdürftig geflickt wurden.
Am Nachmittag wird Fabrizio im Olivenhain gebraucht. Netze werden ausgelegt, die Batterien für die künstlichen Schüttelarme geladen usw. … Derweil werde ich zur Wievel- und Flickenfee …
11. – 12.10. Mesochori
Wetter: leicht bewölktbei 24°C
Und endlich fliesst das grüne Gold, für das Nicole und Jannis elf Monate geschuftet haben. Gestern hat die Ernte begonnen und heute wird zum ersten Mal Olivenöl gepresst.
Vor der Olivenpresse stapeln sich die Säcke. Jannis und Nicole sind um 16:00 Uhr als erste mit ihren Oliven dran. Diese werden von der Ladefläche des Anhängers auf ein Förderband bugsiert, wo die Oliven in einem ersten Schritt vom Laub getrennt und gewaschen werden, bevor sie in Tanks zu einem Brei zerkleinert und immer wieder gewendet werden bis das Öl bei höchstens 26 Grad langsam extrahiert wird und an die Oberfläche tritt. Schlussendlich lässt die Zentrifuge das Extra Vergine fliessen. Wow, da stockt uns das Herz, ein sehr spezieller Moment. Wir werden Olivenöl von nun an noch mehr zu schätzen wissen.
Natürlich muss das Olivenöl auch gleich verkostet werden. Dazu wird ein Stück getoastetes Brot mit Zitrone eingerieben, mit Salz bestreut und schliesslich mit dem frischgepressten Olivenöl beträufelt. Einfach köstlich, auch wenn es aufgrund seiner Frische eine gewisse Schärfe aufweist und einen leicht bitteren Abgang hat.
Ein weiterer Exzellenzbeweis für die Qualität dieses Olivenöls in Bio Suisse-Qualität von www.eleolado.ch ist der tiefe Säuregehalt von nur gerade 0.4 % (für Extra Vergine darf er max. 0.8% betragen). BRAVO Nicole & Jannis.
13.10. Mesochori
Wetter: bewölkt bei 22°C
Heute hatte ich (Sabine) meinen ersten Feldeinsatz – vorher habe ich, wie ihr bereits gelesen habt, Netze ausgebessert. Bis ein grossen Sack mit Oliven gefüllt ist, steckt viel Manpower und Schweiss dahinter:
- Feinmaschige Netze werden unter den Bäumen ausgebreitet
- Die meist tragenden Äste werden mit einer Motorsäge herausgeschnitten und gestapelt. Anschliessend wird die vom Traktor getriebene „Chiotis“ mit den Ästen gefüttert. In ihrem Innern werden wundersam die Oliven von den Ästen gelöst und vom Laub getrennt bevor sie in die Säcke kullern.
- Die am Baum verbliebenen Oliven werden manuell mit Hilfe von Stangen mit elektrisch herumwirbelnden Plastikfingern in die Netze heruntergeschlagen. Mit einem Rechen reinigt man die Oliven von den Blättern bevor sie ebenfalls in die Säcke abgefüllt werden.




Die Erntearbeiten sind laut, staubig und körperlich sehr anstrengend. Die regelmässigen Pausen werden deshalb von allen sehr geschätzt.
14.10. Mesochori
Wetter: bewölkt bei 19°C
Im kleinen Dorf Mesochori stehen die Zeichen auf Olivenernte. Schon am Morgen früh hört man die brummenden Motoren der Traktoren. Nach getaner Arbeit gönnen sich die Männer in der einfachen Taverne vis à vis ein Feierabendbier. Es wird laut diskutiert …
Am Strassenrand gibt es jedoch auch blumige Schätze zu entdecken, besonders nach den in diesem Jahr ausgiebigen Herbstregen.
15.10. Pylos
Wetter: leicht bewölkt bei 23°C
Heute Nachmittag hat es bei der Olivenernte zu viele Helfer. So melden wir uns aus freien Stücken, eine kleine Auszeit zu nehmen. Wir nutzen die sommerlich warmen Temperaturen für einen Ausflug nach Pylos und flanieren entlang der hübschen Navarino Bucht, wo wir nicht die einzigen Sonnenanbeter sind.
Am Abend verwöhnen wir uns mit einem Teller Pasta al sugo di melanzane nach Fabrizios geheimer Rezeptur.
16.10. Mesochori
Wetter: sonnig bei 25°C
Göttlicher Gast im Olivenhain … wo bin ich denn da gelandet?

18.10. Mesochori
Wetter: sonnig und schwül bei 26°C
Neun Tage haben wir nun ununterbrochen zusammen mit anderen Freiwilligen für die Vorbereitung der Ernte oder in der Ernte selbst gearbeitet. Wir alle sind von diesem Einsatz gezeichnet. Den einen schmerzen die Muskeln, wiederum andere haben müde Gesichtszüge oder sowohl als auch. Bei der Mittagspause verkündet Jannis die frohe Botschaft eines freien Sonntags – nur er und die beiden bezahlten Erntehelfer aus Bangladesch werden morgen einen halben Tag arbeiten. Die Nachricht findet eine positive Resonanz. Wir geben am Nachmittag nochmals alles.
Obwohl wir konzentriert arbeiten, ist die Ausbeute eher gering. Die Olivenfliege ist auch hier in Griechenland eine Plage und schmälert den Ertrag. Jannis lässt sich jedoch nicht unterkriegen, er versprüht immer einen positiven Geist. Am Abend sind wir zu müde für einen Restaurantbesuch. Auch kochen mögen wir nicht mehr. So bereiten wir uns einen nahrhaften griechischen Salat zu.




























































