Australien 2024: Fazit einer achmonatigen Abenteuer
Nach acht Monaten und knapp 30’000 km verlassen wir Australien zum wiederholten Male … vielleicht zum letzten Mal – wir haben den roten Kontinent bereits 1999 und 2004 für je sechs Monate erkundet – Zeit, um ein Fazit zu ziehen.
Als wir die Reise 2023 vorbereitet haben, begleiteten uns ständig die Fragen «Wie werden wir Australien nach zwanzig Jahren erleben? Werden wir weiterhin von diesem immensen Kontinent fasziniert sein und wird er uns erneut in seinen Bann ziehen?». Die Antworten darauf fallen uns nicht einfach und wir versuchen deshalb, anhand der nachfolgenden Aspekte das Erlebte zu reflektieren.
Landschaft & Tiere

Obwohl wir Australien gut kennen, hat die Natur dieses Kontinentes für uns nichts von ihrem Reiz verloren, uns auch dieses Mal viele Geheimnisse offenbart und ebenso viele für sich bewahrt. Es ist eine feindselige Natur, die Überlebensstrategien und -mechanismen entwickelt hat, die dem Nichteingeweihten oder Unvorbereiteten Angst einflössen können. Respekt! Das ist die Zauberformel, um die Reize Australiens in all ihren Erscheinungsformen zu schätzen: von den giftigen Schlangen bis zu den farbenprächtigen Papageien, von den neugierigen Eidechsen bis zu den sanften Koalas, von den unberechenbaren Emus bis zu den lästigen Fliegen, von den Wüsten und Steppen des Outbacks bis zu den üppigen Regenwäldern von Queensland, von den roten Dünen der Simpson Desert bis zu den spektakulären Blumenmeeren von Westaustralien nach einer Regenperiode.
Was uns immer wieder fasziniert, sind die riesigen Entfernungen, der sternenklare Himmel, die Möglichkeit, dem Zivilisationslärm zu entfliehen, das Gefühl der völligen Abgeschiedenheit. Wenn man die städtischen Zentren verlässt, erfordert das Reisen in Australien sehr viel Energie. Nicht nur auf materieller Ebene (Fahrzeug, Treibstoff, Zeit …), sondern auch auf psycho-physischer Ebene. Das ständige Achten auf die Pistenverhältnisse, die Gefahr von Zusammenstössen mit Tieren, die grossen Temperaturschwankungen zwischen Tag und Nacht, die unerbittlichen und unnachgiebigen Konfrontationen mit Fliegen, Moskitos und Sandmücken und nicht zuletzt die Angst, im Falle einer Fahrzeugpanne, mitten im Nirgendwo für Stunden oder auch Tage festzusitzen.
Trotz all der Widerwärtigkeiten hat uns Australien erneut in seinen Bann gezogen.
Sicherheit im Allgemeinen
Australien ist ein sicheres Land. Obwohl sich die soziale Situation der Aborigines in den Northern Territories in den letzten Jahrzehnten sichtlich verschlechtert hat (Zunahme von Diebstählen auch auf Campingplätzen, Einbrüchen, Vandalismus, häuslicher Gewalt, Alkohol- und Drogenmissbrauch), haben wir nie eine gefährliche Situation erlebt. Die problematischen Epizentren konzentrieren sich auf Broome, Carnavon, Derby, Fitzroy Crossing, Halls Creek, Kununurra, Katherine und Alice Springs.
Sicherheit im Outback
Wenn du dich abseits der asphaltierten Strassen bewegst, musst du vorbereitet sein. Dein Fahrzeug sollte sich (mechanisch gesehen) nicht nur in einem tadellosen Zustand befinden, sondern es gilt auch, ein Minimum an Ersatzteilen mitzuführen. Die Kommunikation mit der Aussenwelt muss im Bedarfsfall gewährleistet sein. Ein Geolokalisierungssystem wie EPIRB (Emergency Position-Indicating Radiobeacon Station), Garmin InReach oder eine Satellitenverbindung (Satellitentelefon, Starlink) und/oder ein UHF-Funkgerät sind ein MUSS!
Ein 4×4-Fahrzeug ist kein Garant, dass du überall hinkommst. Überschätze nie deine Fahrfähigkeiten und die deines Fahrzeugs. Wetterumschwünge sind ein grosser Risikofaktor beim Verlassen befestigter Strassen. Informiere dich unbedingt vor der Abfahrt über die Wetteraussichten, um böse Überraschungen zu vermeiden. Bei Regen werden die Pisten sehr schnell für den Verkehr gesperrt. Das Befahren dieser off-road Strecken kann dann zu hohen Bussen führen. Auf unserer Website findest du wichtige Informationen zur Vorbereitung deines Abenteuers (https://hannibalandthemonkeys.ch/reise-tipps/) .
Gehst du wandern und hast du grossen Respekt vor allem, was kriecht uns schleicht (z.B. Schlangen), empfehlen wir dir den Kauf von schlangensicheren Gamaschen. Diese machen ein entspanntes Naturerlebnis möglich.
Bürokratie, Gleichgültigkeit und Inkompetenz

Hannibal vorübergehend nach Australien zu importieren, war ein Kraftakt. Nicht der Transport via Container von Basel nach Fremantle, sondern der ganze Papierkram für die Fahrzeug-Registrierung in Westaustralien. Obwohl die ganze Importprozedur auf der staatlichen Internetseite des «Departement of Transportation» einfach und nachvollziehbar erklärt ist, haben die Beamten am Schalter keinen blassen Schimmer, was es zu tun gilt. Die Bereitschaft, dir zu helfen, war bei diesen Beamten praktisch inexistent.
Diese Form von Inkompetenz haben wir häufig angetroffen – auch in Touristeninformationen. Selten konnten die dort arbeitenden Personen unsere Fragen zufriedenstellend beantworten. Eine Art Gleichgültigkeit prägte ihre Arbeit. Zum Beispiel auf die Frage «Sind die Pisten von A nach B offen oder geschlossen», schauten sie uns nicht selten verdutzt an, vertieften sich dann ins Internet, ohne etwas zu finden und gaben uns dann DIE Standardantworten «that`ll do», was so viel heisst wie «es sollte gut genug sein» oder «check the road conditions in the internet» was wiederum bedeutet «schau selber im Internet nach».
Wenn du dein Fahrzeug nach Australien verschiffen möchtest, findest du auf unserer Website Informationen, die dir bei der Vorbereitung helfen (https://hannibalandthemonkeys.ch/fahrzeug-in-australien-importieren/).
Wenn du dein Fahrzeug zur Wartung oder Reparatur in eine Werkstatt bringst, gestaltet sich dies ein bisschen wie russisches Roulette. Die Qualität der Dienstleistungen und die Kompetenz des Personals sind so unbeständig wie das Aprilwetter.
Pisten und Tracks

Auffällig ist die Absicht des australischen Staates, das Pistennetz zu optimieren und für die grosse Masse zugänglich zu machen. Viele Tracks werden abschnittweise geteert, darunter fallen zum Beispiel ikonische Pisten wie der Tanami Track (zwischen Halls Creek und Alice Springs), die Great Central Road (zwischen Yulara/Ayers Rock und Laverton), die Gibb River Road (zwischen Derby und Kununurra). Wiederum andere off-road Strecken werden erweitert und planiert, sodass sie auch für 4×4-Fahrzeuge mit Wohnwagen befahrbar sind.
Resultat: höheres Verkehrsaufkommen, grösserer Impakt auf die umliegende Natur (Lärm, Staub und Abfall, mehr tote Tiere), mehr Wellblech-Pistenabschnitte. Vor zwanzig Jahren war das Befahren dieser mehrheitlich ein-, selten zweispurigen off-road Strecken ein Synonym für «Abenteuer» und «Abgelegenheit». Um dergleichen zu finden, muss man heute schon die ikonische Canning Stock Route oder gewisse unwegsame Pisten im High-Country von Victoria oder andere Routen, die nur wenig bekannt sind, unter die Räder nehmen.
Viele Destinationen wie die York Peninsula oder die Simpson Desert sind so populär geworden – auch Covid sei Dank, dass sich dort nicht selten die 4×4-Fahrzeuge stauen.
Linksverkehr und Fahrstil

Wir haben keine Mühe gehabt, uns an den Linksverkehr zu gewöhnen. Einzig die zweispurigen Kreisel haben uns zu Beginn nicht wenig Kopfschmerzen verursacht. Da Hannibal keine Drehmoment-Bestie ist, haben wir uns das Überholen von Anfang an abgewöhnt.
Die Australier fahren wie die Berserker! Sie sind schnell unterwegs … auch auf schmalen Pisten. Deshalb haben wir uns angewöhnt, am linken Rand der Fahrspur zu fahren, um dem Gegenverkehr im Voraus auszuweichen. Ein manchmal absurdes Unterfangen, da wir dem entgegenkommenden Lenker so die Möglichkeit gaben, die freigewordene Pistenmitte zu nutzen, um noch schneller zu fahren.
Australier fahren ohne Rücksicht auf Tiere und manchmal auch auf Menschen. Als wir in Windorah stoppten, um eine Bartagame auf unserer Strassenseite zu fotografieren, raste ein uns entgegenkommender, pressierter Australier über sie hinweg und kollidierte dabei fast mit Fabrizio. Auch muss man sich beim Überqueren der Strasse auf einem Zebrastreifen in Geduld üben … keine Sau hält an.
Campingplätze

Australien ist ein Land der Campingfreaks. Obwohl wir oft wild campierten, nutzten wir auch gerne die Vorzüge eines Campingplatzes in besiedelten Gebieten. Diese sind generell gut bis sehr gut organisiert und bieten Reisenden eine praktische Infrastruktur. Was uns sehr positiv überrascht hat, sind die Campingküchen, die mit Backöfen, Mikrowelle, Elektro- oder Gaskochern, Grills sowie Kühl- und Gefrierschränken zur freien Nutzung, ohne Aufpreis ausgestattet waren. Nur der Internetzugang war leider oft mittelmässig bis unbrauchbar. Zu den Stosszeiten (morgens, mittags und abends) waren die Verbindungen sehr langsam und unzuverlässig. Die Preise für eine Nacht (Parzelle ohne Strom) lagen im Durchschnitt zwischen 20 und 40 AUD.
Die abgelegenen Campingplätze im Outback sind eher spartanisch ausgestattet. Vor allem jene in den Nationalparks. Meistens verfügen sie über ein Plumpsklo und einen Grillplatz. Manchmal sind aber auch kalte, selten heisse Duschen vorhanden. Die Preise liegen zwischen 10 und 15 AUD.
Online-Buchungen im Outback
Mittlerweile müssen in den Nationalparks die Campingplätze online im Voraus gebucht werden (faktisch sind die sog. «Honesty-Boxes», wo man die Übernachtungen mit Bargeld in einem Couvert bezahlen konnte, verschwunden). Die Onlinebuchung ist einfacher gesagt als getan. Hat man eine stabile Internetverbindung (meistens nur in den Städten, Dörfern und teilweise auf den Campingplätzen und Roadhouses) ist dies relativ einfach zu bewerkstelligen (jeder Staat hat eine eigene Internet-Buchungsplattform entwickelt, die mehr oder weniger kompliziert zu bedienen ist). Entscheidet man hingegen spontan in einem Nationalpark zu übernachten, ist es praktisch unmöglich eine Onlinebuchung zu bewerkstelligen, da es im Outback keine Telefonverbindung gibt. Hat man im Voraus gebucht und möchte man eine Verlängerung buchen, ist dies ebenfalls nicht mehr möglich. Einzig für jene, die über eine Satellitenverbindung via Starlink (Elon Musk) verfügen, ist die Buchung vor Ort bzw. im Outback kein Problem.
Diese Situation animiert viele, ohne zu bezahlen, die Nacht auf einem Camping im Nationalpark zu verbringen. Während unserer Reise wurden wir nie von einem Parkranger kontrolliert.
Übernachtungen auf Bauerhöfen

Während unserer Reise haben wir auch auf Farmen übernachtet. Das ist nicht nur eine gute Gelegenheit, mit den Besitzern in Kontakt zu kommen, sondern auch einen Eindruck vom Leben im Outback zu bekommen. Wir können diese Erfahrung ausnahmslos empfehlen.
Die Preise unterscheiden sich von denen für städtische Campingplätze. Im Allgemeinen sind sie teurer: 35 – 60 AUD pro Nacht (Platz ohne Strom). Für 4×4-Enthusiasten bieten viele Outbackfarmen den Gästen gegen eine Gebühr die Möglichkeit, ihr Pistennetz zu befahren und dabei atemberaubende Orte zu entdecken. Besonders in der Region der Flinders Ranges waren wir unterwegs in einer spektakulären, unvergesslichen Naturkulisse (Merna Mora, Bendleby Station).
Folgende Farm Stays können wir aus eigener Erfahrung empfehlen:
- Cheela Plains (Western Australia, Kimberleys)
- Birdwood Downs Station (Western Australia, Derby)
- Hart Wildernes Lodge (Western Australia, Gibb River Road)
- Bendleby Station (South Australia, Flinders Ranges)
- Merna Mora (South Australia, Flinders Ranges)
- Pinnarendi Station (Queensland, Mt. Garnet)
Restaurants

Wenn du auf der Suche nach differenzierter Küche bist, ist Australien nicht das richtige Land. Gegrilltes Fleisch, Pommes frites, Hamburger, Pizzen von mittelmässiger Qualität prägen das Angebot. In städtischen Gebieten lassen sich mit ein wenig Glück und Internetrecherche auch kleine Perlen entdecken. Für die gebotene Qualität sind die Restaurantpreise relativ hoch. Alkoholische Getränke sind teuer, vor allem Bier, Australiens Nationalgetränk.
Im Outback und in kleineren Städten ist es nach 14.00 Uhr beinahe unmöglich, auf ein offenes Lokal zu treffen, das eine warme Mahlzeit oder auch nur einen Kaffee serviert. Abends schliessen die Lokale in Abhängigkeit der Anzahl Gäste bereits um 20 Uhr.
Food für unterwegs
Anders als vor 25 Jahren bieten die Supermärkte den Reisenden eine grosse Vielfalt an leicht zuzubereitenden und ressourcenschonend Lebensmitteln an, sog. Convenience Food. Diese Fertiggerichte ermöglichen dem Reisenden den sparsamen Verbrauch von Gas und Wasser. Mit einer sorgfältigen Auswahl kannst du auch eine Menge an Verpackungsmüll einsparen.
Wir haben viele Fertigmahlzeiten von hervorragender Qualität gefunden, unter anderem Suppen, Currys, vorgekochter Reis, vorgekochtes Schmorfleisch, Eintöpfe usw.
Preise
Die Lebenshaltungskosten in Australien sind auch für uns Schweizer hoch. Nur die Preise für Fleisch und Diesel empfanden wir viel niedriger als in der Schweiz. Die Preise für die Miete eines Fahrzeugs sind während der COVID-Periode regelrecht explodiert. Die Miete eines 4×4-Wohnmobils für drei Monate betrugen 2024 rund 24.000 CHF, für 8 Monate erhielten wir Offerten in der Höhe von ca. 56’000 CHF – Im Jahr 1999 zahlten wir für sechs Monate ca. 9.000 CHF. 2004 hatte sich der Preis bereits verdoppelt. Die Verschiffung und Rückführung unseres Fahrzeugs (Toyota Landcruiser HZJ78) inklusive Versicherung belief sich 2024 auf knapp 17’000 CHF.
Wenn du einen längeren Aufenthalt in Australien planst und bereits einen Geländewagen besitzt, ist es eine Überlegung wert, ob es nicht günstiger ist, ihn vorübergehend zu verschiffen, anstatt ihn vor Ort zu mieten oder zu kaufen. Der Preis für ein neues 4×4-Fahrzeug ist in Australien hoch. 2024 war der Markt für Geländewagen völlig ausgetrocknet. Der Kauf eines gebrauchten Fahrzeugs kann eine sinnvolle Alternative zur Verschiffung sein, aber du musst entweder bereits eine seriöse Garage kennen oder über einige mechanische Kenntnisse verfügen, um die Qualität des Fahrzeugs beurteilen zu können (dies ist unerlässlich, wenn du vorhast, abgelegene Outback-Tracks zu befahren).
Hallo Monkeys, auch wenn wir keine Australienreise planen, so ist dieser Beitrag spannend zu lesen! Thanks, die Crew der Aurelia Mare.
Hallo
Danke für euer Feedback.
Seid gegrüsst aus Spanien.
The Monkeys … und Hannibal (auch wenn er noch nicht reden kann)